Batman – The Telltale Series: Episode 1 : Batman - Episode 1: Realm of Shadows beginnt rasant, konzentriert sich danach aber sehr auf Dialoge und Charakterzeichnungen. Batman - Episode 1: Realm of Shadows beginnt rasant, konzentriert sich danach aber sehr auf Dialoge und Charakterzeichnungen.

Batman und Knobel-Adventure klingen als Paar im ersten Moment so passend wie Schachspiel und Boxkampf. Kein Wunder, dass sich bisherige Umsetzungen wie Batman: Arkham City oder all die älteren Spiele komplett auf furiose Action konzentrieren und Batman in erster Linie Schläge austeilen lassen. Aber eigentlich spricht erstaunlich viel dafür, aus Batman ein Adventure zu machen (und wahrscheinlich auch fürs Schachboxen). Telltale nutzt hier mit Batman - The Telltale Series eine Chance, die bisher kein Entwickler ergriffen hat: Den Detektiv-Aspekt des »weltbesten Detektivs« komplett ins Rampenlicht zu stellen.

Batman ist ja nicht ohne Grund der Star von über 900 Ausgaben Detective Comics (Betonung auf Detective). Und Publisher DC benennt sich genauso wenig grundlos nach ebendiesen Detective Comics. Das Lösen kniffliger Krimi-Fälle macht einen ähnlich großen Teil von Batmans Arbeitsalltag aus wie das Verkloppen von Superschurken. Meist gehen beide Parts auch Hand in Hand. Perfektes Adventure-Material also. Umso überraschender, dass Telltale sich in der ersten Episode von Batman - A Telltale Series gar nicht so sehr auf die Detektiv-Schnüffelei konzentriert, sondern auf Bruce Waynes Sozialleben. Das hat Vor- und Nachteile.

Achtung - PC-Version! Im Internet kursieren diverse Beschwerden über technische Probleme in der PC-Version. Abstürze, Ruckler, Startprobleme. Die Steam-Reviews fallen dementsprechend negativ aus - und auch bei unserem Test mussten wir an einer Stelle ein Kapitel dreimal wiederholen, weil im Ladevorgang zum nächsten Abschnitt ein Absturz passierte. Wir empfehlen also für die PC-Version, die ersten Patches abzuwarten.

Der Star des Spiels: Bruce Wayne

Episode 1: Realm of Shadows startet rasant mit einem Banküberfall, den wir als Batman verhindern. Telltale greift hier auf das zurück, was sie zuletzt in Game of Thrones zur Genüge austesten konnten: Flotte Quicktime Events, die im Idealfall so getimed sind, dass kein Frust entsteht. Wer die Schläge ordentlich aneinanderreiht, kann sogar einen speziellen Finisher aufladen, abseits davon läuft das erste Kapitel dieser Episode aber streng linear ab. Telltale bleibt dabei klar den eigenen Design-Philosophien treu, Tempo, Schnitt und Rhythmus passen punktgenau zusammen.

Batman: The Telltale Series

Danach wechselt das Geschehen zu einer Diner-Veranstaltung in Bruce Waynes Villa, bei der der junge Playboy-Millionär seinen Kumpel Harvey Dent für das Bürgermeisteramt promoten will. Dent ist zu diesem Zeitpunkt noch ein normaler Mensch - Comic-Fans kennen hingegen sein späteres Schicksal als Superschurke Two-Face. Plötzlich platzt Mafia-Boss Carmine Falcone in den Raum, die Handlung gewinnt an Fahrt - und das ist auch alles, was wir an dieser Stelle verraten wollen, weil serientypisch natürlich die Story der Hauptgrund ist, warum man Batman - A Telltale Series spielt.

Nur so viel: Die Story legt den Schwerpunkt klar auf Bruce Wayne und seine Auseinandersetzungen mit der Mafia, wir führen viele Gespräche mit Harvey Dent, Selina Kyle (Catwoman) und einer sehr alternativen Interpretation des Pinguins. Erst allmählich setzt sich das kriminelle Gesamtbild zusammen. In den ersten Szenen lösen wir keine Rätsel oder decken Verbrechen auf, sondern hören den Dialogen zu, die die Ausgangssituation klären. Dabei können wir Bruce' Position gegenüber den wichtigsten Charakteren festlegen. So nehmen wir beispielsweise ähnlich wie Harvey Dent die Anwesenheit der Mafia im Bürgermeisterkampf als notwendiges Übel hin oder blocken alternativ jeden Kontakt mit solchen Schurken ab.

Gravierende Auswirkungen haben unsere Entscheidungen in der ersten Episode noch nicht - hier bleibt abzuwarten, wo künftige Kapitel lose Fäden aufgreifen und weiterspinnen. Was man von der erzählten Geschichte hält, hängt wohl stark davon ab, was man von einer Batman-Story erwartet.

Das Spiel mit den Erwartungen

Die Gespräche sind gut geschrieben, die (englischen) Sprecher machen einen tollen Job, und Telltale bemüht sich um einen spritzigeren Blickwinkel auf Bruce Wayne, der hier selbst hinter verschlossenen Türen durchaus witzige Sprüche gegenüber Alfred klopft. Wer es anhand von Harvey Dents tadellosem Gesundheitszustand noch nicht abgeleitet hat: Batman - A Telltale Series spielt in der Anfangszeit des dunkeln Ritters. Superschurken wie den Joker, Two-Face oder Killer Croc hat Batman noch nicht getroffen, stattdessen bekämpft er Einbrecher, Schläger und Mafiosi. Die frühen Jahre und das allmähliche Aufkommen einer neuen Art des Superverbrechens wurden schon häufig in Filmen und Comics thematisiert - von Frank Miller's Year One über The Dark Knight von Christopher Nolan bis zur neuen Serie Gotham.

Wer angenehm gesättigt ist von diesen ganzen Neuinterpretationen der ersten Batman-Jahre wird in Episode 1 vergeblich nach spannenden neuen Impulsen suchen. Die sexuelle Spannung zwischen Selina Kyle und Bruce Wayne, der langsame Fall des Harvey Dent, Alfreds klagendes »Sie können das nicht ewig machen, Sir« - diese ganzen Ideen haben für Fans mittlerweile einen langen Bart. Einzig der Pinguin bekommt einen wirklich coolen neuen Spin. Wir sind gespannt, wie sich der weiterentwickelt.

Das klingt jetzt sehr zynisch. Umgekehrt dürfte Realm of Shadows nämlich für all die Leute eine extrem coole Adventure-Erfahrung sein, die einen spannenden Einstieg in den Batman-Kosmos suchen, der nah an den Charakteren und ihren Persönlichkeiten bleibt. Gerade in den letzten Jahren ist Bruce Wayne in vielen Geschichten fast komplett hinter der Fledermaus-Maske verschwunden, auch die Arkham-Spiele spiegeln Wayne eigentlich konstant in seiner Rolle als Superheld. Dieser Ansatz macht ihn sehr lebendig und greifbar, geht allerdings in der ersten Episode etwas auf Kosten der Spannung.

Grundlagenarbeit

Realm of Shadows ist kein Krachbumm-Auftakt mit knalligen Effekten, Power Sound und Explosionen hinter jeder Ecke, sondern eine gute Grundlagenarbeit, die einen neuen Batman-Kosmos als Alternative zu Comic, Film und Arkham-Spielen aufbauen möchte. Das gelingt: Wir können klar erkennen, dass hier das Potenzial für viele spannende Episoden liegt. Und für einen menschlicheren Batman als man ihn aus anderen Titeln kennt. Aber dafür muss man die Verwicklung eben erstmal auf den Weg bringen - und genau das leistet Episode 1. Übrigens auch spielerisch.

Die Quicktime-Events und Multiple-Choice-Dialoge bleiben spielerisch zwar routiniert, man erkennt aber an einigen Rätselpassagen das spielmechanische Potenzial der Spurensuche als maskierter Rächer. Batman könnte in künftigen Episoden eines der spielerisch spannendsten Telltale-Spiele werden, sofern die Konsequenzen unserer Entscheidungen ähnlich viel Gewicht bekommen wie im großartigen The Walking Dead. Wer nach unserem DLC-Check also zögerlich ist, sich aber trotzdem für Batman interessiert, sollte die Serie auf jeden Fall noch ein Weilchen im Blick behalten.

Direkt zugreifen sollten bei Episode 1 vor allem die Spieler, die Lust auf eine feinfühligere, dialoglastige Neuinterpretation von Batmans erstem Jahr haben. Das Spiel schraubt über weite Strecken den Grad an »Grittyness« spürbar zurück und bleibt sehr nah an seinen Figuren - ganz anders als beispielsweise ein Batman v Superman. Realm of Shadows wird dadurch allerdings an keiner Stelle zu leichtherzig oder seicht. Rein auf die Spielelandschaft bezogen könnte Batman - A Telltale Series den Batman-Mythos genau um die persönlichen Konflikte bereichern, die in der action-lastigen Arkham-Serie keinen Platz finden.

Batman – Die Reihe im Überblick
Zum Release von Batman: Arkham Knight fassen wir in der Übersicht alle Spiele des dunklen Ritters zusammen – angefangen bei den ersten Gehversuchen auf dem ZX Spectrum. Fast jedes Batman-Spiel erschien auf diversen Plattformen, wir konzentrieren uns der Übersicht zuliebe auf die signifikantesten Serienteile.