Wenn uns in einem Spiel nach etlichen Stunden immer noch regelmäßig die Kinnlade herunterklappt, wir Gänsehaut bekommen oder völlig aus dem Häuschen sind, haben wir es mit einem außergewöhnlichen Titel zu tun. Battlefield 1 ist so ein Spiel.

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Schon Anfang Oktober hatten wir die Gelegenheit, Battlefield 1 auf einem Test-Event in Schweden ausgiebig zu spielen. Dann folgte die Origin-Access-Phase mit beschränkten Inhalten und am 18. Oktober endlich der Start für alle Käufer der Early-Enlister-Version. Seitdem zocken wir quasi ununterbrochen. Und trotzdem juckt es uns auch in diesem Moment in den Fingern, diesen Test einen Test sein zu lassen, Origin anzuwerfen und uns wieder in die Schlacht zu stürzen. Aber woran liegt das? Gehen wir der Sache in unserem finalen Test-Urteil zum Multiplayer-Shooter auf den Grund!

Fazit und Wertung
In diesem abschließenden Fazit beantworten wir alle offenen Fragen aus unserem umfangreichen Battlefield-1-Vorabtest. Außerdem vergeben wir eine endgültige Wertung. Den ursprünglichen Test lesen Sie ab Seite 2 dieses Artikels.

Fast alle Befürchtungen, die wir in unserem Vorabtest (ab Seite 2) geäußert haben, stellten sich als unbegründet heraus. Lediglich einige kleinere Bugs stören das Spielerlebnis, aber dazu später mehr. Zwar gab es am Releasetag, dem 21. Oktober, tatsächlich Serverprobleme, die gehen allerdings nicht auf das Unvermögen von Dice oder EA zurück. Eine DDOS-Attacke legte die Server zahlreicher bekannter Unternehmen lahm.

Battlefield, wie hältst du es mit der Balance?

Eines der größten Fragezeichen stand im Moment unseres Vorabtests noch hinter der Balance. Denn Battlefield 1 webt ein komplexes Netz aus unterschiedlichsten Klassen, Fahrzeugen, Maps und Spielmodi. Entsprechend müssen jede Menge Systeme fair ineinandergreifen, um ein frustfreies Spielerlebnis zu ermöglichen.

Battlefield 1
Vorallem durch tolle Lichtstimmung und spektakuläre Panoramen setzt Battlefield 1 grafisch Maßstäbe.

Battlefield 1 gelingt das zu großen Teilen hervorragend. Alle Klassen leisten ihren Beitrag zum Teamerfolg - sofern man sie richtig spielt. Wenn eine Truppe zur Hälfte aus Scharfschützen besteht, die am Kartenrand herumgammeln, ist das menschliches Versagen und kein Problem des Spiels. Battlefield 1 tut sogar alles dafür, dass die Spieler die Soldatenklassen korrekt einsetzen, indem es entsprechende Aktionen (Wiederbeleben, Feinde aufdecken, Spieler mit Munition versorgen) mit extrem vielen Punkten belohnt. Mit dem gleichen System wird auch das Teamplay aktiv gefördert.

Die Fahrzeuge fügen sich ebenfalls hervorragend in das Spielerlebnis ein. Panzer sind stark, aber nicht unbesiegbar. Gleiches gilt für die mächtigen Behemoths. Um einen Panzerzug, den Zeppelin oder das Schlachtschiff zu zerlegen, braucht es den koordinierten Einsatz des gesamten Teams. Dann ist der Spuk aber auch recht schnell vorüber.

Massig Platz auf den Maps

Die Maps hatten in den vergangenen Battlefields oft ein übergreifendes Problem: fiese Engpässe, an denen sich die Teams mit Granaten und Raketen gegenseitig aufrieben. Die Karten in Battlefield 1 haben dafür die passende Antwort parat: »Lauft doch außen rum!« Fast jeder fiese Fleischwolf (so der Community-Spitzname für diese Stellen) lässt sich auf den großen Karten umgehen.

Diese Weitläufigkeit bietet Scharfschützen zwar generell ein super Schussfeld (daher die vorher angesprochene Sniper-Flut), die Map-Designer haben aber geschickt Mauern, Schützengräben oder andere Strukturen angelegt, in deren Schutz wir uns in den Rücken der Gegner schleichen können.

Einige gemeine Stellen gibt es trotzdem, aber meistens lassen die sich mit etwas Hirnschmalz entschärfen. An einem Flaggenpunkt im Operations-Modus auf der Karte Monte Grappa verschanzen sich die Verteidiger zum Beispiel gerne in einem Bunkersystem, zu dem es nur zwei enge Eingänge gibt. Statt immer und immer wieder durch die Türen zu stürmen, können die Angreifer aber auch einfach den Bergrücken über dem Bunker besetzen und den Flaggenpunkt von dort aus einnehmen.

Am ehesten hinkt die Balance noch im Rush-Modus. Einige Telegraphenmasten sind arg unzugänglich platziert und lassen sich deshalb verhältnismäßig problemlos verteidigen. Da hilft nur, möglichst beide Ziele simultan zu attackieren, um die Verteidiger nicht zur Ruhe kommen zu lassen.

In Operations hat das attackierende Team zwar ebenfalls eine harte Nuss zu knacken, allerdings schmälert das den Spaß, den wir an diesem grandiosen Modus haben, zu keiner Zeit. Außerdem haben wir nahezu unbehinderte Durchmärsche der Angreifer ebenso erlebt, wie Partien, die schon im ersten Sektor steckenblieben. Viel hängt eben vom guten Zusammenspiel im Team ab.

Battlefield 1 : Teamwork ist in Battlefield 1 einfach Pflicht. Den Zeppelin erledigen wir nur, wenn Spieler Flak-Geschütze bemannen und ihn mit Jagdflugzeugen angreifen. Teamwork ist in Battlefield 1 einfach Pflicht. Den Zeppelin erledigen wir nur, wenn Spieler Flak-Geschütze bemannen und ihn mit Jagdflugzeugen angreifen.

Bevor wir zur Technik kommen, müssen wir noch ein paar Worte zum Sound verlieren. In unserer großen Schlachtfeld-Analyse haben wir der Battlefield-1-Beta gemeinsam mit E-Sport-Profis eine verbesserungswürdige Surround-Sound-Abmischung attestiert. Im Vergleich zum Vorgänger lassen sich Gegner viel schlechter anhand ihrer Schrittgeräusche orten. Daran hat sich auch in der Releaseversion wenig geändert. Wer allein im Bunker hockt, um einen Flaggenpunkt einzunehmen, kann allein auf Basis von Geräuschen nur sehr schwer erahnen, aus welcher Richtung ein Feind anrückt.

Auf der anderen Seite ist diese Situation in Battlefield 1 die Ausnahme. In der Regel stehen wir auf dem Schlachtfeld, Panzer rumpeln an uns vorbei, Doppeldecker knattern am Himmel, MG-Feuer zerfetzt die Luft - und wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die generelle Soundqualität ist nämlich großartig. Für E-Sportler, die mit wenigen Spielern auf kleineren Karten unterwegs sind, mag der Umstand der schlechten Ortbarkeit ein Problem sein, für den Otto-Normal-Spieler fällt das bei Battlefield dagegen kaum ins Gewicht. Deshalb werten wir Battlefield 1 für die Sound-Abmischung nicht ab.

Die Menge macht das Gift

Dass in Battlefield viele komplexe Systeme interagieren, ist nicht nur ein Problem für die Balance, sondern auch eine perfekte Brutstätte für Bugs. Das Resultat ist eine traurige Serien-Historie aus fehlerverseuchten Releaseversionen, denen wir sogar einen eigenen Plus-Report gewidmet haben.

Und wie sieht es diesmal aus? Um es vorsichtig zu formulieren: Für ein Battlefield läuft Battlefield 1 erstaunlich rund. Einige Besitzer älterer Geforce-Grafikkarten klagen über Abstürze, darüber hinaus sind aber keine schwerwiegenden Probleme bekannt.

Allerdings plagen zahlreiche kleinere Bugs das Spiel. Nach dem Einsatz des Origin-Overlays können wir etwa keine Fahrzeuge mehr steuern (Lösung: einfach kurz das Spiel minimieren), der abstürzende Zeppelin sorgt manchmal für einen Feuer-Tornado, Medic-Kisten erscheinen nicht auf dem Schlachtfeld, unsere Spielfigur bleibt an Trümmerteilen hängen oder lässt sich nicht wiederbeleben …

Wir könnten diese Liste noch eine ganze Weile fortführen. Für sich genommen beeinträchtigt kein einziger dieser Bugs das Spielerlebnis maßgeblich. In der Häufigkeit und Summe stören die Probleme aber doch. Deshalb werten wir Battlefield 1 um zwei Punkte ab, bis Dice diese Fehler behebt.

Wir haben uns aber bewusst entschieden, Battlefield 1 auch mit der Abwertung nicht weniger als 90 Punkte zu geben. Denn die Intensität, Atmosphäre und Spannung der Mehrspieler-Schlachten markiert nicht mehr und nicht weniger als einen neuen Genre-Meilenstein. Wer auch nur ein bisschen für Multiplayer-Shooter übrig hat, muss das einfach erlebt haben.