DayZ : In DayZ gab es zeitweise ein massives Cheater-Problem. Bohemia Interactive berichtet nun von den eigenen Erfahrungen beim Kampf gegen die Cheat-»Industrie«. In DayZ gab es zeitweise ein massives Cheater-Problem. Bohemia Interactive berichtet nun von den eigenen Erfahrungen beim Kampf gegen die Cheat-»Industrie«.

Zum Thema DayZ ab 8,05 € bei Amazon.de Um die Entwicklung und den Vertrieb von Cheat-Programmen, mit denen sich ungestört bei Online-Spielen betrügen lässt, hat sich in den vergangenen Jahren fast schon ein kompletter Industriezweig entwickelt. Insbesondere für Hersteller von kompetitiv gespielten Multiplayer-Titeln ist es deshalb überlebenswichtig, das Cheat-Problem maßgeblich einzudämmen.

Mit welchen Mitteln das passiert und auf welche Widerstände man dabei stoßen kann, hat nun Bohemia Interactive auf der GDC 2016 in San Francisco verraten. Dort äußerste sich nämlich der Associate-Producer Eugen Harton zu seinen Erfahrungen im Kampf gegen Cheater in DayZ.

Bis zu 500 US-Dollar geben Spieler demnach aus, um in dem Online-Survival-Spiel von DayZ einen unlauteren Vorteil zu haben. Einen entsprechenden Cheat fand Harton auf einem privaten Online-Schwarzmarkt, über den derartige Programme angeboten und verkauft werden. Der 500-Dollar-Cheat gewährte dem Nutzer Zugriff auf die Debug-Konsole des Spiels.

Außerdem hätten sich Abo-Modelle etabliert, bei denen die Nutzer bis zu 25 US-Dollar im Monat entrichten würden, um immer die neusten Cheat-Versionen zu erhalten. Entsprechende Abonnements würden derzeit etwa für The Division 5 US-Dollar und für Counter-Strike: Global Offensive 18 US-Dollar kosten.

Für Bohemia Interactive sei es äußerst schwierig, gegen die Cheat-Anbieter vorzugehen und die Verbreitung der unlauteren Programme vorzugehen.

Das Kaufen eines Cheats ist so einfach. Es gibt zwar öffentliche Cheat-Plattformen, aber die vielen privaten Anbieter machen es uns wirklich schwer, die von einigen Spielern genutzten Exploits selbst in die Hände zu bekommen.

Viele Cheat-Anbieter würden die Strategie verfolgen, die eigentlichen Programme vor den Spielentwicklern zu verstecken, berichtet Harton weiter. Frei nach dem Motto: »Was sie nicht kennen, können sie nicht bekämpfen«. Häufig gebe es Hardware-ID-Sperren, die den Zugang zu den entsprechenden Cheat-Foren begrenzen würden. Er habe sich deshalb Fake-IDs für Russland oder China anlegen müssen, um an die Cheats zu gelangen.

Auch Skype-Interviews seien geführt worden. Die Cheat-Anbieter wollten so sicher gehen, dass der potenzielle Käufer auch tatsächlich der sei, für den er sich ausgebe.

Und die Professionalität, mit der die Cheater-Community vorgeht, scheint sich für einige Individuen auszuzahlen: Laut Harton setzen einzelne Programmierer 1,25 Millionen US-Dollar mit dem Verkauf ihrer Cheat-Programme um - pro Jahr.

Und wer derart viel Geld verdient, schreckt offenbar auch nicht davor zurück, seine zwielichtige Einnahmequelle durch deutlich drastischere illegale Methoden zu sichern: Wie Harton weiter ausführt, hat er bei seinen Nachforschungen sogar Morddrohungen erhalten. Und das nicht nur von den Anbietern, sondern auch von den Cheatern:

Ich wurde von Cheatern drangsaliert - sie haben mich gefunden und mir sogar Morddrohungen geschickt.

Einige Nutzer der von Harton identifizierten Cheat-Software versuchten angeblich sogar, den Bohemia-Angestellten im echten Leben aufzusuchen - finanziert durch Crowd-Funding:

Im vergangenen Jahr startete eine Person eine Schwarmfinanzierungs-Kampagne, um mich auf der GDC persönlich sehen zu können. Er fragte die Leute nach 10.000 US-Dollar. Zum Glück bekam er nur knapp 300 US-Dollar.

Abschrecken lassen will sich Harton davon aber nicht - schließlich geht es auch für Bohemia Interactive um viel Geld. Ein Spiel, in dem Betrüger ihre Mitspieler auf Knopfdruck erledigen und ganze Server abstürzen lassen können, verkauft sich eben nicht so gut wie eines, das von Cheats weitestgehend verschont bleibt.