Broken Age - PC

Point & Click  |  Release: 28. Januar 2014  |   Publisher: -
Seite 1 2 3 4

Report: Fan-Finanzierung gegen Publisher-Geschäft

Der Crowdfunding-Boom

Immer mehr Entwickler lassen ihr Spiele direkt von den Fans finanzieren, beispielsweise über Plattformen wie Kickstarter. Wir gehen im Report dem Trend der Fan-Finanzierung nach und sprachen mit Entwicklern.

Von Michael Graf, Dennis Kogel |

Datum: 28.08.2012


Fan-Finanzierung gegen Publisher-Geschäft :

Zum Thema » Die besten Spiele-Kickstarter Vielversprechende Fan-Finanzierungen » Videos zu Kickstarter-Spielen Mehr Vorstellungs-Videos & Trailer Falls jemals die Geschichte bedeutender Knopfdrücke geschrieben werden sollte - die Starttaste, die Apollo 11 gen Mond katapultiert; das erste Mal, dass der A-Button einen italienischen Bildschirm-Klempner auf einen Goomba hüpfen lässt - dann wird der Klick, den der Spielemacher Tim Schafer und der Produzent Greg Rice in einem Hotelzimmer in Las Vegas machen, wohl nicht mal als Randnotiz auftauchen. Dafür ist ihr schwarzer Laptop zu schlicht, die Kulisse zu wenig feierlich.

Es ist die Nacht des 8. Februar 2012 und Schafer, der Vater klassischer LucasArts-Adventures wie Monkey Island und Day of the Tentacle , stellt auf der Online-Plattform Kickstarter sein neues Projekt vor. Er möchte wieder ein Adventure entwickeln, etwas, wovon ihn große Publisher bis jetzt abgehalten haben. Doch Schafer fehlt das Geld, also bittet er seine Fans um Hilfe.

Auf Kickstarter erfragt er 400.000 Dollar, Spender sollen im Gegenzug T-Shirts, Poster und später das fertige Spiel bekommen. Mit einem Klick auf »Start your Project« wirft Schafer die Zukunft der Spieleindustrie in die Waagschale. Können sich professionelle Studios künftig direkt von den Spielern finanzieren lassen?

Zu diesem Zeitpunkt ahnt Schafer noch nicht, dass sein Experiment schon einen Tag später als ernsthafte Alternative zu klassischen Publishern gehandelt werden wird - und damit als Revolution der ganzen Branche.

Geldregen für Double Fine

»Die Idee war ziemlich verrückt«, erinnert sich Greg Rice, Produzent bei Schafers Studio Double Fine und rechte Hand des Spielemachers. »Tim und ich waren in Vegas auf der Entwicklerkonferenz D.I.C.E, um Publishern Spielideen vorzuschlagen, aber wir hatten schon vorher über Kickstarter nachgedacht. Und dann haben wir gemerkt, dass wir jetzt loslegen könnten, einfach so. Dann könnten wir nämlich die Games Developer Conference (GDC) dafür nutzen, nochmal mehr Werbung zu machen. Und dann, nun, dann ist das wohl alles ein bisschen explodiert.«

Nur acht Stunden nach Schafers erstem Klick sind die 400.000 Dollar zusammen, bis zur Million dauert es nur etwas mehr als einen Tag. »Die gesamte Konferenz haben Tim und ich damit verbracht, auf unsere Telefondisplays zu starren und uns gegenseitig die Summe zuzuraunen«, erzählt Rice. Währenddessen bricht - zumindest gefühlt - das halbe Internet in Begeisterungsstürme aus. »Hat Double Fine gerade Publishern den Todesstoß verpasst«, fragt etwa das britische Magazin Edge und legt damit den Finger in die Wunde.

Knapp 30 Tage später ist Schafers Kickstarter-Kampagne vorbei, und 87.142 Fans haben 3,3 Millionen Dollar in die Kassen von Double Fine gespült. So avanciert das vorläufig Double Fine Adventure getaufte Titel aus dem Stand zum erfolgreichsten Projekt der gesamten Kickstarter-Geschichte. Inzwischen wurde das Spiel zwar von einer mit zehn Millionen Dollar finanzierten Smartwatch (einer Armbanduhr, die mit Smartphones kommuniziert) auf den zweiten Platz verwiesen, doch die Botschaft ist klar Wenn man so schnell so viel Geld anhäufen kann, braucht es dann wirklich keine Publisher mehr, sondern nur noch Spielemacher und Spieler?

Eine Spende mit Gegenleistung

»Wir haben aus Versehen dieses riesige Statement aus unserer Kickstarter-Kampagne gemacht«, erzählt Rice mehrere Monate später. »Auf der D.I.C.E. standen wir in einem Raum voller Publisher und haben denen diese völlig neue Art gezeigt, wie Spiele finanziert werden können. Wir wurden zum Stadtgespräch bei den Besuchern der D.I.C.E., und das Thema, zu dem jeder etwas sagen musste, das war Kickstarter.«

Fan-Finanzierung gegen Publisher-Geschäft : Entwickler ohne Bankkonto in den USA können die Kickstarter.com leider nicht nutzen. Alternativen wie RocketHub und IndieGoGo geben auch europäischen Designer eine Plattform für ihre Projekte. Die Erfolgschancen sind zwar geringer als bei Kickstarter, dafür dürfen Projektgründer alles behalten, was gespendet wird – egal, ob das selbst gesetzte Ziel erreicht wurde oder nicht. Entwickler ohne Bankkonto in den USA können die Kickstarter.com leider nicht nutzen. Alternativen wie RocketHub und IndieGoGo geben auch europäischen Designer eine Plattform für ihre Projekte. Die Erfolgschancen sind zwar geringer als bei Kickstarter, dafür dürfen Projektgründer alles behalten, was gespendet wird – egal, ob das selbst gesetzte Ziel erreicht wurde oder nicht. Das Double Fine Adventure ist freilich nicht das erste Kickstarter-Projekt, aber das erste, das einer breiteren Masse von Spielefans das Konzept »Crowdfunding« nähergebracht hat das Sammeln von Spendengeldern für Projekte, die in der renditegetriebenen Wirtschaft sonst keine Chance hätten. Für kreative Köpfe bieten Kickstarter und ähnliche Seiten wie IndieGoGo oder RocketHub eine interessante Möglichkeit, Projekte zu verwirklichen, die keine Bank und kein Investor in gutem Glauben unterstützen würden, Fans und Optimisten aber schon.

Macher erzählen in Videos und Blogposts, wie viel Geld sie brauchen, was sie damit vorhaben und wie sie ihre Unterstützer belohnen wollen - die Spanne reicht von selbstgebackenen Keksen bis hin zu Gratisexemplaren des fertigen Produkts.

Spender können zudem oft selbst entscheiden, wie viel sie geben wollen; für Großinvestoren gibt’s entsprechend wertvollere Dreingaben. Wer Tim Schafer 15 Dollar schickt, darf sich auf ein fertiges Spiel als Download und Zugang zum Dokumentarfilm über die Entstehung freuen, für 100 Dollar kommen ein T-Shirt sowie Spiel und Film auf DVD hinzu.

So verdient Kickstarter an den Projekten

Fan-Finanzierung gegen Publisher-Geschäft : Kickstarter.com ist eine der größten Crowdfunding-Seiten - nicht nur für Spiele. Wenn hier das Finanzziel nicht erreicht wird, erhalten die Spender ihr Geld zurück. Kickstarter.com ist eine der größten Crowdfunding-Seiten - nicht nur für Spiele. Wenn hier das Finanzziel nicht erreicht wird, erhalten die Spender ihr Geld zurück. Entwickler, die ihr selbstgestecktes Spendenziel erreichen, bekommen das Geld ausgezahlt, erfolglose Projekte werden eingestellt. Die Crowdfunding-Plattform bleibt dabei nur Mittler, hebt interessante Projekte hervor und kümmert sich ums Finanzielle. Kickstarter behält dafür fünf Prozent der eingenommenen Spenden ein, weitere drei bis fünf Prozent gehen an den Versandhändler Amazon, der den Zahlungsverkehr abwickelt. Für seine über drei Millionen Spendendollar hat Double Fine also rund 300.000 Dollar Gebühren bezahlt. Den Rest des Geldes und die Rechte an ihrem Projekt behalten die Macher.

Zum Zeitpunkt von Schafers Hotelzimmer-Klick ist Kickstarter bereits seit etwas über vier Jahren im Geschäft, Videospiele sind allerdings nur ein winziger Teil aller veröffentlichten Projekte. Der Großteil der Erfolge entfällt auf technische Gadgets wie iPhone-Zubehör und Uhren, Film- und Musikprojekte sowie eine Robocop-Statue in Detroit. Ja, eine Robocop-Statue. Große Spieleprojekte gibt es kaum, Kickstarter ist ein Anlaufpunkt für idealistische Indie-Entwickler, die um Kleinbeträge bis maximal 20.000 Dollar bitten, um das Spiel ihrer Träume zu entwickeln.

Diesen Artikel:   Kommentieren (54) | Drucken | E-Mail
Sagen Sie Ihre Meinung (» alle Kommentare)
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten!
» Zum Login

Sie sind noch nicht in der GameStar-Community angemeldet?
» Zur kostenlosen Anmeldung
Erster Beitrag  |  » Neuester Beitrag
1 2 3 ... 6 weiter »
Avatar zwiglm
zwiglm
#1 | 28. Aug 2012, 16:52
Oder in kurz, und ganz nebenbei das was mir an der Crowdfunding-Sache so gefällt:

Man(n) ist Investor, aber eben nur als stiller Teilhaber, mit allen Vor- und Nachteilen.
Und zu mindest diesem Teil bestimme ich mit. Hat ja niemand behauptet, das gesammte "Crowdfunding Konzept" wär schon ausgereift :-)
rate (15)  |  rate (0)
Avatar Nuallan
Nuallan
#2 | 28. Aug 2012, 16:54
Das ganze ist echt die Zukunft und ich kann nur jeden Cent begrüßen, der an EA & Co. vorbeifließt. Die offene Entwicklung ist auch genial, auch wenn so der Überraschungseffekt irgendwie ein bisl verloren geht.

Aber ich werd das Gefühl nicht los, dass man Möglichkeiten finden wird uns selbst damit über den Tisch zu ziehen. Diesen Ruf hat die Branche nun mal mittlerweile. Bei den großen Publishern gibts bestimmt schon ne Task-Force für das "Problem" Crowdfunding.

Achja, und das die Provision bzw. die Gebühren keine Obergrenze haben finde ich ne Unverschämtheit, da fängt die Abzocke schon an.
rate (25)  |  rate (2)
Avatar Bobbin
Bobbin
#3 | 28. Aug 2012, 16:55
Inmitten von DLC, Free2Play, Day-One-Patches, Online-Streaming sind Crowdfunding und Indie-Projekte (was ja oftmals Hand-in-Hand geht) Lichtblicke in der Entwicklung der Spielelandschaft. Sollen die arroganten Spacken von Crytek doch ihre auf Gewinn optimierten Shooter auf den Markt schmeissen, solange dank Kickstarter noch Spiele mit Herzblut erscheinen können (nein, nicht immer werden, auch Kickstarter wird Gurken hervorbringen), gucke ich hoffnungsvoll in die Spielezukunft.
rate (14)  |  rate (2)
Avatar DuranDarkwolf
DuranDarkwolf
#4 | 28. Aug 2012, 17:00
Ich finde das Konzept sehr gut, denn es ermöglicht Spiele mit dem Hintergedanken zu produzieren wie es früher der Fall war. Damals hatte man eine Idee, hat die Idee umgesetzt und einige Leute denen es gefallen hat, haben sich das Spiel gekauft und waren damit zufrieden. Damals war noch nicht alles auf Gewinnmaximierung aus.

Heute? Heute muss man sich erstmal einen Publisher suchen dem deine Ideen gefallen. Und solange sie nicht zu einem Großteil aus 08/15 Action-Einheitsbrei besteht wird kein Publisher da draußen deine Ideen übernehmen. Warum? Weil es keinen maximalen Gewinn einfährt. Es wird trotzdem Gewinn einfahren wenn das Spiel gut ist, aber eben nicht den maximalen Gewinn.

Durch Crowdfunding können Programmierer wieder frei ihre Ideen entfalten ohne die Publisher-Maximal-Gewinn-Peitsche im Nacken zu haben.

Just my 2 cents
rate (18)  |  rate (0)
Avatar Adauli
Adauli
#5 | 28. Aug 2012, 17:02
In meinen Augen hat die Presse sowohl für die Leute wo sich and der Finanzierung von Spiele über Kickstarter beteiligen wollen als auch für die Leute wo ihre Spiele über Kickstarter finanzieren wollen eine herausragende Bedeutung.
Es ist schlicht kaum möglich für jemanden der nicht regelmässig Kickstarter durchstöbert überhaupt am laufenden zu bleiben was es an Projekten gibt und erst recht nicht welche davon eher realistisch sind und welche nicht. Somit fällt den Games Medien hier wieder der wichtige Part zu überhaupt die Leute darauf aufmerksam zu machen das es da was gibt als auch Persönliche einschätzungen abzugeben.

Bei den Großen Publisher gibt es eh fast nur noch Fortsetzungen von Erfolgsserien und der Trend zu Free to Play Model bindet deren Teams noch länger an einem einzelnen Game was in meinen Augen zu einem Reduzierten Informationsbedürfnis über deren Games führt.
rate (7)  |  rate (1)
Avatar Kaimanic
Kaimanic
#6 | 28. Aug 2012, 17:26
Ich wünschte, es wäre möglich Shen Mue 3 über Crowdfunding zu finanzieren. Aber das wird wohl eher nur ein Traum bleiben.
rate (6)  |  rate (2)
Avatar -m0nk-
-m0nk-
#7 | 28. Aug 2012, 17:30
Crowdfunding ist nur zu begrüßen.

EA macht derzeit Werbung für um 50% reduzierte Rennspiele, so verlangen die z.B. derzeit 15,- €uro für Shift 2 in Origin.

Im Fachhandel gibts das als EA Classics für 10,- €uro.

Die wollen einen doch ständig nur verarschen.
Bin ich froh das Project Cars EA frei ist.
rate (7)  |  rate (10)
Avatar SirTech
SirTech
#8 | 28. Aug 2012, 17:34
"... irgendsoein bekifftes Kind in Holzschuhen ..." <- ich weiß nicht wieso das bis jetzt noch keine Erwähnung gefunden hat, einfach sehr genial, besonders wenn man's so trocken rüberbringt :D
rate (1)  |  rate (4)
Avatar Kuomo
Kuomo
#9 | 28. Aug 2012, 17:41
Lieber ist das die Zukunft, als F2P - aber Wahrscheinlich wird beides ein Teil der Zukunft. Dann kann sich jeder das rausnehmen, was ihm am besten gefällt.
rate (8)  |  rate (0)
Avatar beren2707
beren2707
#10 | 28. Aug 2012, 17:52
Tja, weil immer gesagt wird, gewisse Spielkonzepte seien tot - Kickstarter beweißt das Gegenteil. Die Leute geben Geld für die Spiele aus, die sie wirklich wollen. Habe schon einige Projekte dort mitfinanziert und bin sehr zuversichtlich, dass dadurch Werke entstehen, die mir auch wirklich etwas bedeuten und nicht nur auf *Krachbumm-Wow-Hubschrauberabsturz-#1337" ausgelegt sind. Eigentlich auch eine großartige Idee für größere Projekte, die aber des Geldes wegen nie realisiert wurden. SquareEnix hat immer gesagt, der Aufwand und die finanziellen Mittel für ein wirklich ernsthaftes Remake von FFVII wären niemals zu stemmen; außerdem sei nicht das Käuferpotential gegeben wie bei einem CoD (!). Sollen sie es doch auf Kickstarter stellen, da würde sich zeigen, was die Spieler wirklich wollen. Kickstarter ist jetzt noch nicht die Zukunft, zeigt abr deutlich, wohin die Reise gehen kann: Spiele für Spieler statt Online-DRM-Premium-Cloud oder Pay-2-Win-Mist.
rate (12)  |  rate (3)
1 2 3 ... 6 weiter »

PROMOTION

Details zu Broken Age

Plattform: PC (PSN, XBLA, iOS, Android)
Genre Adventure
Untergenre: Point & Click
Release D: 28. Januar 2014
Publisher: -
Entwickler: Double Fine
Webseite: http://www.brokenagegame.com/
USK: keine Angabe
Spiele-Logo: Download
Leserinteresse:
Platz 637 von 5752 in: PC-Spiele
Platz 11 von 303 in: PC-Spiele | Adventure | Point & Click
 
Lesertests: eigene Wertung abgeben
Spielesammlung: 10 User   hinzufügen
Wunschliste: 9 User   hinzufügen
Broken Age bei GOG.com downloaden  Broken Age bei GOG.com downloaden
 
top Top
Werde Fan von GameStar auf FacebookFacebook Aboniere den YouTube-Kanal von GamestarYouTube Besuche Gamestar auf Google+Google+ GameStar auf Twitter folgenTwitter Alle RSS-Feeds von GameStar.deRSS-Feeds Jetzt GameStar-Newsletter bestellenNewsletter
© IDG Entertainment Media GmbH - alle Rechte vorbehalten