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Doch was bastelt Bioware? Von der Kampagne abgekoppelte Online-Kloppereien gegen Computermonster, die man prima mit dem aufmerksamkeitsfördernden Reizwort »Koop« bewerben kann, obwohl sie nicht das sind, was man von einem echten Koop-Rollenspiel erwarten würde. Nee, komm.

Nun halte ich aufgesetzte Mehrspieler-Modi für Singleplayer-Titel sowieso für, vornehm gesagt, unsinnig, siehe die früheren Assassin's Creed-Teile. Statt sich lieblos angeklebte Online-Gefechte aus den Programmierfingern zu saugen, sollen sich Entwickler lieber auf eine erstklassige Kampagne konzentrieren. Oder, wenn's ihnen um die Langlebigkeit ihres Spiels geht, auf Mod-Support à la Skyrim!

Zumindest zum Teil geht's Bioware aber offensichtlich gar nicht um die Langlebigkeit, sondern um Zusatzverdienste: Natürlich gibt's im Multiplayer-Modus von Inquisition Mikrotransaktionen, natürlich kann ich die zufällig gefüllten Item-Beutekisten außer mit erspielten Goldtalern auch mit Echtgeld bezahlen.

Die Vorzeichen stehen also nicht gerade gut. Ist der Koop-Modus von Dragon Age: Inquisition letztlich nur ein rein profit- und marketinggetriebenes Anhängsel ohne spielerischen Mehrwert? So einfach ist die Sache dann doch nicht. Ich hatte beim Monsterkloppen nämlich durchaus Spaß. Nicht revolutionär viel, nicht revolutionär lange, aber ein liebloser Totalausfall sieht glücklicherweise anders aus.

Reizende Tretmühle

Dragon Age: Inquisition im Koop-Test : Seinen Kernreiz schöpft der Koop-Modus vor allem aus den knallig-schicken Gefechten, die auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsgrade sogar Teamwork erfordern. Beispielsweise saugt ein befreundeter Magier alle Gegner auf einem Punkt zusammen, damit sie mein Zweihandhammerkrieger leichter zweihandhämmern kann. Und meine Hüterin schützt ihre Mitstreiter mit Barriere-Schutzschilden, Heilzauber gibt's wie in der Solokampagne ja nicht, der Heiltrank-Vorrat ist begrenzt und will erst mal erbeutet werden.

Eine gekonnt zusammenspielende Heldentruppe ist mangels vernünftigem Matchmaking (Spieler aller Stufen können jederzeit jedem Schwierigkeitsgrad beitreten) zwar schwer zu finden, wenn man sie aber mal gefunden hat, flutschen die Koop-Gefechte ganz wunderbar.

Zwölf spielbare Charaktere (deren Gesichtszüge sich nicht anpassen lassen) gibt's insgesamt, jeder sammelt separat Erfahrung, jeden darf ich spezialisieren, wenn auch nur über zwei Talentbäume. Erbeutete Items landen in einem gemeinsamen Pool für all meine Helden, Waffen und Rüstungen lassen sich aufrüsten, Waffen-Upgrades und Klamotten sogar selbst aus zerlegten Beute-Items herstellen.

Mit speziellen Eigenbau-Rüstungen schalte ich auch weitere Charaktere frei, anfangs sind nämlich nur drei der zwölf verfügbar. Und natürlich motiviert dieses Sammeln, Verbessern, Freischalten schon mal ein paar Tage lang. Ach, Rollenspiel-Elemente könnten sogar die Arbeit mit Excel-Tabellen motivierender machen: Zahl eingetragen? Hier sind Erfahrungspunkte! Formel erstellt? Hier, ein neuer Tabellen-Skin!

Das Heldentuning ist also die Koop-Stärke von Dragon Age: Inquisition. Seine Koop-Schwäche ist die Eintönigkeit. Es gibt magere drei Level- und Gegnersets, nach maximal einer Stunde habe ich alles gesehen. Auch wenn sich die stets fünf Leveletappen immer dezent anders zusammensetzen, ich hier mal eine Tür aufbrechen und dort mal einen Haufen Schriftrollen anklicken darf - generell steckt hier einfach kaum Inhalt drin, es geht rein um den Grind. Meine Vierergruppe metzelt alles nieder, was ihr im Weg steht, dann noch der knackige, aber auch stets gleiche Bosskampf, fertig, nächste Runde.

Das spielt sich flott, eine Partie dauert selten länger als 10 bis 15 Minuten, an einem Tag kann man einen Helden locker auf Stufe 20 treiben. Im Kampf muss ich mich dabei stets auf maximal vier Talente und vier Tranktypen beschränken. Großen Nährwert entfaltet die Metzelei so nicht, und Vorteile für die Storykampagne spiele ich auch keine frei. Wobei Letzteres ja eigentlich löblich ist, es gibt nämlich nur eines, was schlimmer ist als aufgesetzte Multiplayer-Modi: Aufgesetzte Pflicht-Multiplayer-Modi! Ja, ich rede mit dir, Assassin's Creed Unity!

Bitte echter Koop

Der Koop-Modus von Inquisition ist eine Dreingabe, aber immerhin eine brauchbare. Ein paar spaßige Stunden haben mir das Gegnerprügeln und Heldenleveln schon beschert. Wenn bei einem Solo-Rollenspiel schon das Mehrspieler-Kind in den Brunnen fällt, dann wenigstens so. Dennoch bleibt der deutliche Beigeschmack des verschenkten Potenzials, der Koop-Modus setzt weder auf die alten noch die neuen Bioware-Stärken, er erzählt keine coolen Geschichten, entführt mich nicht in fantastische Welten, beeindruckt nicht mit schnittiger Inszenierung.

Dragon Age: Inquisition im Koop-Test : Manchmal sollen wir einen »besonderen« Gegner ausschalten, der aber genauso aussieht wie alle anderen. Manchmal sollen wir einen »besonderen« Gegner ausschalten, der aber genauso aussieht wie alle anderen. Zugespitzt würde ich sagen: Der Koop-Modus von Inquisition spielt sich wie die kleine Schwester von Diablo 3 für Arme, ein eingekochtes Grind-Festival mit Beutesammel-Motor, aber ohne große Abwechslung und Vielfalt. Das könnte genauso gut eine Programmier-Fingerübung fürs nächste Bioware-Projekt Shadow Realms sein, das ebenfalls Koop-Gefechte bieten soll, dann aber wenigstens gegen einen menschlichen Kerkermeister. Noch dazu gibt's in Inquisition Bugs, in manchen Partien »vergisst« das Spiel einfach all meine Talente und Tränke. Ganz fertig fühlt sich der Koop-Modus daher auch nicht an.

Wenn mir die Dragon Age-Entwickler nächstes Mal irgendwas von »Koop« erzählen, darf's gerne ein richtiger, ein vollwertiger Koop-Modus für die Storykampagne sein. Schon klar, das wäre ein enormer Aufwand für einen Modus, der letztlich vielleicht gar nicht so viele Spieler anspricht (Oder doch? Wer würde den Koop-Modus spielen? Antworten bitte in die Artikelkommentare!). Aber das soll die Bioware-Marktforschung entscheiden, das Anatomie-Lehrbuch jedenfalls dürfte nach einer solchen Ankündigung gerne im Bibliotheksregal verstauben.

Dragon Age Inquisition - Dragonslayer