Drakensang: Am Fluss der Zeit im Test
Rollenspiel der alten Schule
Fazit der Redaktion
Christian Schmidt: Am Fluss der Zeit ist wie der gutmütige dicke Onkel, der bei Familienbesuchen Anekdoten erzählt: Eigentlich dreht sich’s ständig nur darum, dass er Zigaretten holen geht oder den Müll rausbringt, aber das verpackt er in so launige Geschichten, dass man trotzdem gern zuhört. Das neue Drakensang ist kein Meisterwerk des Spieldesigns, im Gegenteil. Aber wo die Designer schlampen, reißen’s die Autoren raus. Sie machen Aventurien zu einer stimmigen Welt. Durch das vielseitige Charaktersystem, die meist fordernden Kämpfe und die Begleitergruppe bekommen erfahrene Rollenspieler gut zu tun.
Geben Sie dem Onkel genug Zeit, um auf Erzähltemperatur zu kommen, und haben Sie Geduld mit ihm, wenn er Sie manchmal aus heiterem Himmel beschimpft. Es lohnt sich, denn er unterhält sie alles in allem blendend.
Michael Trier: Am Fluss der Zeit ist ein altmodisches, langsames Rollenspiel. Für Spieler, die vor allem auf Tempo wert legen, ist das sorgsame Austarieren der Charaktere, die Analyse der Kampfsituation nach jeder Aktion bestimmt die Hölle – mir gefällt’s. Die kauzigen Charaktere, die liebevolle Spielwelt, die Rundenkämpfe mit Grips machen dieses Spiel zum Fest für Rollenspieler. Trotz Schwächen in der Haupthandlung.