Mafia 3 : Mafia 3 spaltet die Community. Wir geben im Test eine finale Wertung. Mafia 3 spaltet die Community. Wir geben im Test eine finale Wertung.

Zum Thema Mafia 3 ab 25 € bei Amazon.de Mafia III für 39,99 € bei GamesPlanet.com Herrje, da haben sich 2K und Entwickler Hangar 13 aber einen üblen Marketing-Bock geschossen. Mafia 3 erscheint pünktlich zum 7. Oktober, ohne dass wir von der Presse vorab irgendwelche Testmuster erhalten haben - und dann ist die PC-Version auf magere 30 Bilder pro Sekunde fixiert, dazu beklagen sich unzählige Spieler über nervige Bugs, Glitches und Abstürze. Und über eine Spielmechanik, die ihrer Meinung nach einem Mafia nicht im Ansatz gerecht wird. Knapp vier Tage später wenden sich die Entwickler bei Steam mit einer bedauernden »Botschaft an die PC-Spieler« und reichen hastig einen Patch nach, der zumindest die Frame-Beschränkung aufhebt. Doch der Schaden lässt sich nicht mehr verhindern: Von über 9.000 Steam-Reviews zerreißen satte 4.600 das Spiel in der Luft, bei Metacritic purzelt die User-Wertung für die PC-Fassung auf bittere 3,2 Punkte.

Auch bei uns in der Community fordern viele Kommentare eine regelrechte Hexenjagd auf Mafia 3. Kritisch kann hier gar nicht kritisch genug sein, Publisher und Entwickler gehören an den Pranger gestellt und mit italienischen Tomaten beworfen für das, was sie der Mafia-Serie angetan haben! Dass wir das nicht machen, hat drei Gründe. Erstens haben sich Hexenjagden historisch noch nie als eine gute Idee herausgestellt. Zweitens sprechen die 5.300 positiven User-Reviews klar dafür, dass man dem Spiel mit einer simplen Watsche nicht gerecht wird. Und drittens wollen wir uns natürlich ein gründliches und differenziertes eigenes Bild von Mafia 3 machen, bevor uns mit einer Wertung irgendwo positionieren.

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Deshalb haben wir seit Release Dutzende Stunden im fiktiven New Bordeaux von Mafia 3 verbracht, als afroamerikanischer Gangster Lincoln Clay gegen Gauner gekämpft, Viertel für uns erobert, nebenbei Porno-Heftchen gesammelt, Telefonmasten verwanzt und geschossen, was das Zeug hält. Wer irgendeiner Mafia oder GTA gespielt hat, findet sich sofort zurecht: Wie im urbanen Open-World-Genre üblich besteht der Spielablauf aus Schießereien, Haupt- und Nebenaufgaben sowie rasanten Autofahrten. Deshalb durfte natürlich auch eine Sightseeing-Tour im 60er-Jahre-Sportflitzer mit passender Musik quer durch die sumpfigen Bayous nicht fehlen. Unser Fazit? Im polarisierenden Disput zwischen »Mafia-Hatern« und Liebhabern haben beide Seiten recht. Und beide unrecht.

Testvideo? Weil Tester Dimi gerade auf eine spontane Auslandsreise muss, gibt's das Testvideo ein klein wenig später. Hoffentlich noch diese Woche. Spätestens Montag.

Sorgenkind Technik

Wenn Sie zu den Mafia-Liebhabern gehören, dann springen Sie nach den folgenden Absätzen bitte nicht aus dem Text. Wir werden nämlich den Finger auf die Wunde legen, frei nach dem Motto »Wenn ein Elefant im Raum ist, dann sprich ihn an«. Bei einem polarisierenden Spiel wie Mafia 3 bringt es einer differenzierten Diskussion wenig, um den heißen Brei herumzureden. Stattdessen nennen wir die Probleme gleich zu Beginn ungeniert beim Namen und setzen uns dann vernünftig damit auseinander. Bei Mafia 3 lohnt sich das nämlich durchaus, wenn man für sich die richtige Kaufentscheidung treffen will, statt auf die lautesten Kommentar-Proleten zu hören.

Noch bevor man über Story, Gameplay und die inneren Werte spricht, muss man sich mit der gegenwärtig größten Angriffsfläche für polemische Wutausbrüche gegen Mafia 3 auseinandersetzen: die technische Performance des Spiels. Und hier sind die negativen Stimmungen tatsächlich am ehesten berechtigt: Auch nach dem ersten Patch wird New Bordeaux noch immer von Bugs, Glitches und fehlendem Feinschliff geplagt. Während wir es als alte Mafia-Veteranen kaum erwarten konnten, durch die weitläufige Open World des amerikanischen Südens zu heizen, erfolgte der erste Absturz bereits im Prolog. Der Beginn einer Liste von Fehlern, die uns beim Spielen über den Weg gelaufen sind: Mal spielt die Mini-Map komplett verrückt, Passanten glitchen durchs Diner-Inventar, Leute »ploppen« aus ihren Autos, die Texturen unserer Spielfigur Lincoln Clay »verfangen« sich in allen Himmelsrichtungen (siehe Bild). Einmal ist unser Auto sogar aus dem Nichts explodiert, an anderer Stelle fielen wir durch den Boden ins ewige Textur-Nirwana.

Das nervigste »Technik-Problem«: die irritierende Optik. Die komplette Open World von Mafia 3 wird durch einen entsättigten, blass-gelben Farbfilter getüncht - die Entwickler kommunizieren das als stilistische Entscheidung, weil man dem Spiel passend zum 60er-Jahre-Setting einen zeitgenössischen Film-Look verpassen will. Kann man sicherlich abhängig vom eigenen Geschmack mögen. In Kombination mit den Beleuchtungseffekten sorgt diese Farbpalette aber für abstruse Szenerien, in denen wir teils die Hand vor den eigenen Augen nicht sehen können. Mal fahren wir über eine Brücke und ertrinken förmlich im gleißenden Weißlicht, das alles um uns herum farblich ausbrennen lässt. An anderer Stelle springt das Wetter in Sekundenschnelle von verregnetem Abend zu grell-sonnigem Mittagslicht. Oder um es eher schmucklos auszudrücken: Mafia 3 sieht selten einfach mal normal aus.

Mafia 3 : Lincoln Clay als lebende Kunstinstallation des Cirque de Soleil. Lincoln Clay als lebende Kunstinstallation des Cirque de Soleil.

Mafia 3 vs. Mafia 2

Das hängt wiederum mit dem unsäglichen Weichzeichner zusammen, der die Konturen von New Bordeaux aufweicht. Wenn unsere Hardware-Redaktion im Technik-Artikel zu den niedrigsten Kantenglättungs-Details (zwecks reduzierter Unschärfeeffekte) rät, dann spricht das schon Bände: Mafia 3 irritiert das Auge ungemein, wenn man nicht zufällig genau auf diese Art von visueller Darstellung anspringt. Und dass sich nichts davon auf dem PC so wirklich abschalten lässt (es gibt mittlerweile eine Community-SweetFX-Mod), trägt nicht gerade zur Problembewältigung bei. Auf der anderen Seite ergibt die Entscheidung seitens der Entwickler Sinn, denn das dick aufgetragene Effektgemisch kaschiert das altbackene Technikgerüst von Mafia 3.

Wer sich in New Bordeaux mal die Zeit nimmt, die Texturen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, der stößt nicht unbedingt auf Detailreichtum an den Häuserfassaden. Und die Fahrzeugmodelle der 60er-Karossen sind zwar in puncto Artdesign gelungen, dafür wirken sie technisch grob, das Schadensmodell ist von vorgestern und die Kollisionsabfrage dürftig. Selbst das Fahren von Sprungstunts macht nicht wirklich Spaß, sondern fühlt sich eher wie ein Experiment an, ob die klobige Fahrphysik das Manöver mitmacht. Wo in GTA 4 oder 5 die Open World unglaublich nachvollziehbar auf unseren Schabernack reagiert und dank der flexiblen Engine abgedrehte Sandbox-Erlebnisse ermöglicht, gerät man bei Mafia 3 erstaunlich schnell an die Grenzen der Technik. Wer beispielsweise so makaber ist und eine Beifahrerin in ihrem Auto erschießt, wird darüber staunen, dass der Ehemann seelenruhig weiterfährt. Und wenn wir Gangstern einen Lastwagen vor der Nase wegklauen, verfolgen die uns nicht, obwohl fünf Flitzer vor ihrer Garage stehen. In einem Spiel, das sich in seiner Story so sehr um Realismus bemüht, stört es einfach, dass man beim Freien Fahren (auch jenseits makabrer Experimente) permanent an die funktionalen Grenzen dieser fiktiven Welt erinnert wird.

So und jetzt holen wir mal einen Moment Luft, bevor wir drüber reden, warum Mafia 3 trotz dieser langen Liste kein Total-Fiasko ist, sondern in einigen Aspekten sogar ziemlich gut. Und wieso man darüber hinaus eine Menge Spaß damit haben kann.

Auf Seite 2 lesen Sie, was die größte Stärke von Mafia 3 ist. Und warum Lincoln Clay einen verflucht guten Gangster-Charakter abgibt.