Zum Thema » Test zu Gone Home Keiner zuhause » Test zu Dear Esther Poetisches Storytelling-Experiment Als die ersten Infos zum Puzzle-Spiel Mind: Path to Thalamus bekannt wurden, waren wir hin und weg: Ein Ein-Mann-Indie-Spiel, das großartig aussieht, eine bewegende Geschichte über einen Vater erzählt, der mit dem Verlust seiner Tochter kämpft, und das uns mithilfe von unterschiedlichen Wetterphänomenen Rätsel lösen lässt. Das klang fantastisch. Aber leider ist nur die Fassade wunderschön.

Steam-Pflicht
MIND: Path of Thalamus muss auf Steam aktiviert werden. Zwar dürfen Sie das Spiel anschließend auf beliebig vielen Rechnern installieren, ein Weiterverkauf ist dann aber nicht mehr möglich.

Interessanter Aufhänger, grauenhafte Erzählweise

Direkt zu Beginn befinden wir uns als namenloser Vater in einem schrecklichen Sturm, der droht einen kompletten Häuserblock wegzureisen. Dabei kommt die Tochter des Protagonisten ums Leben und er fällt in einen komatösen Zustand. Gefangen in seinem Geist versucht er sich mit dem Verlust seiner Tochter auseinanderzusetzen, Vergebung für seine eigenen Fehler zu finden und stellt sich dazu auch noch seinem Vaterkomplex. Um Vergebung zu erlangen, begibt er sich auf den Weg durch eine surreale Traumwelt zum Baum »Thalamus«.

MIND: Path to Thalamus
Die ersten Level haben die frischesten Rätselideen. Danach sind es größtenteils Schalterrätsel.

Die Geschichte unternimmt den noblen Versuch ein interessantes, wenn auch äußerst konstruiertes Schicksal zu veranschaulichen. Allerdings schafft sie das nie. Anstatt uns zu zeigen, was passiert, wird uns alles nur aus der Sicht des Protagonisten erzählt, während wir uns durch die einsame Geisteslandschaft bewegen, die uns den Verlust und die Einsamkeit vor Augen halten soll.

Das bewegende Schicksal wird uns nicht durch unsere Taten vor Augen gehalten, sondern ausschließlich durch die ausschweifenden Ausführungen des Vaters eingetrichtert. Die sind oftmals mit einem sarkastischen Unterton unterlegt, was absolut unpassend zur Thematik erscheint. Dass er sich dann auch noch über seine eigenen pseudo-philosophischen Ausführungen lustig macht, lässt die Erzählung vollkommen den Bach runtergehen.

Leider wird die Erzählstruktur und die abgedroschenen Abhandlungen über das Leben der schwerwiegenden Thematik nie gerecht und artet schließlich in nur noch nerviges Gebrabbel aus, das weder unterhält, noch fesselt oder emotional berührt.

Schöne Level, schreckliches Design

Dafür, dass der Entwickler Carlos Coronado eine gefeierte Kampagne in Left 4 Dead 2 gebastelt hat, beweist er im Puzzle-Spiel äußerst wenig Verständnis für gutes Leveldesign. Jeder neue Bereich ist eine riesige Puzzle-Arena, die allerdings zu groß und mit zu wenigen Rätselelementen gefüllt ist. Das führt zwar zu schönen und atmosphärischen Leveln, in denen wir aber zu wenig zu leisten und dafür viel zu viel rumzulaufen haben.

Und die Rätsel selbst sind auch nur aufgebauschte Schalterrätsel. Was als Wettermanipulation angepriesen wird, heißt in Mind: Path To Thalamus nur einen Ball aus Ästen in eine Formation aus Bäumen, Zahnrädern oder Steinen zu legen. Dadurch verändern wir bestimmte Abschnitte im Level. Wenn wir beispielsweise den Astball in die Baumgruppe legen, lichtet sich Nebel. Für die Rätsel und die Erzählung ist das aber leider völlig irrelevant. So wird das angepriesene Feature zur Nebensache und bleibt wie auch der Rest des Spiels sehr flach.

Allerdings sind die Astbällchen oftmals in den riesigen Level versteckt, was zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen führt. Dadurch laufen wir zwar durch schöne Level, sind aber von der wenig intuitiven Sucherei schnell frustriert.

Die Rätsel unterliegen dem gleichen Problem. Durch das Trial&Error-Prinzip und die langen Laufwegen wandern wir immer wieder von A nach B. Dabei entstehen keine in sich schlüssigen Denkaufgaben, sondern immer nur verqueres Herumprobieren. Wenn wir die mühseligen Level endlich geschafft haben, haben wir selten ein echtes Erfolgserlebnis. Allerdings gibt es zum Ende des Spiels einige Ausnahmen, die durchblicken lassen, was Mind: Path To Thalamus hätte sein können.

Im Gegensatz zum leidigen Rätsel-Design ist die geschaffene Atmosphäre bemerkenswert gut. Die Level sind unglaublich schön und vermitteln uns tatsächlich ein Gefühl von einer träumerischen Welt, die einem schuldbewussten Unterbewusstsein entspringt. Dabei werden einzigartige Bilder von dichten Wäldern oder einsamen Wüsten geschaffen, die mit eigenwilligen Bauten durchzogen sind.

Allerdings sind die stimmungsvollen Areale nur Augenwischerei, die die stumpfen Schalterrätsel als mehr erscheinen lassen wollen, als sie eigentlich sind. Mind: Path To Thalamus bleibt andauernd hinter seinen Möglichkeiten. Den Leveln hätte ein klareres und kompakteres Design gut getan und die Geschichte, die augenscheinlich interessant erscheint, versinkt in abgedroschenen Phrasen über das Leben, Vergebung und Komplexe.