No Man's Sky : Elena konnte den Anfang von No Man's Sky bereits spielen und hält ihre Eindrücke fest. Elena konnte den Anfang von No Man's Sky bereits spielen und hält ihre Eindrücke fest.

Okay, der offizielle Release von No Man's Sky ist zwar erst am am 12. August. Weil uns Sony aber schon jetzt eine Review-Version für die PS4 zugeschickt, flitze ich zur Konsole, schalte sie ein und freue mich riesig auf die unendlichen Weiten des ... oh. Das Weltraumerkunden fällt erst mal flach.

Denn ich beginne No Man's Sky als Gestrandete: Mein Raumschiff ist beschädigt und flugunfähig, die Gerätschaften sind größtenteils defekt - und ich bin erst einmal ratlos. Also lasse ich das unübersichtliche Kachelmenü kurzerhand links liegen und blicke mich um: Vor mir erstreckt sich ein völlig unbekannter Planet und ich bin wahrscheinlich die erste, die ihn überhaupt sieht.

Die Vorstellung ist seltsam aufregend: Ich bin auf einem von insgesamt 18 Trillionen Planeten, die dank prozeduraler Generierung alle völlig unterschiedlich sein sollen und über eine eigene Tier- und Pflanzenwelt verfügen. Mein noch namenloser Planet wirkt lebensfreundlich und einladend, keine Spur von großer Hitze oder Radioaktivität, Glück gehabt! Zwar können auch unwirtliche Planeten über wertvolle Ressourcen verfügen, ohne schlechte Umweltbedingungen oder eine aggressive Tierwelt kann ich mich aber nach Herzenslust dem Erkunden widmen.

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No Man's Sky : Die Autorin
Würde nicht die passende Mitfahrgelegenheit fehlen, wäre Elena als großer Fan von Star Wars und Doctor Who schon längst in die Weiten des Weltalls aufgebrochen - auch ohne blaue Telefonzelle. Umso besser, dass No Man's Sky ihr das Universum nun gewissermaßen ins Haus liefert. Zwar ist das Ressourcensammeln nicht ganz ihr Fall, aber so viel Freiheit macht trotzdem neugierig: Vielleicht ist ja doch noch irgendwo ein Lichtschwert versteckt.

Apropos Ressourcen: Ich werfe doch noch einen Blick ins Menü und stelle fest, dass ich Materialien wie Kohlenstoff oder Eisen brauche, um meine Ausrüstung wieder auf Vordermann zu bringen. Am Anfang funktioniert lediglich der Bergungsstrahl, mit dem ich einfach die jeweilige Ressource anstrahle und schwupps - Eisenerz oder eine Pflanze als Kohlenstofflieferant werden automatisch aufgesammelt.

Auch wenn das nicht groß erklärt wird, ist das Prinzip klar - und damit auch die Kernmechanik von No Man's Sky: Egal ob ich mein Raumschiff reparieren muss oder in eine ferne Galaxie reisen will, ich brauche Rohstoffe. Das ist leider nicht viel spannender, als es klingt: Während ich Eisen und Co. praktischerweise in meiner näheren Umgebung finde, muss ich für meinen Treibstoff Plutonium gefühlt den halben Planeten umrunden.

Das wird trotz Jetpack schnell ermüdend. So sind die Planeten zwar untereinander abwechslungsreich gestaltet und lassen mich von Wüsten bis hin zu dichten Urwäldern alles erkunden, mein Startplanet bleibt aber leider durchweg eine grüne Idylle. Auch die Tierwelt enttäuscht mich: Die Alienwesen wirken eher wie missglückte Zufallsexperimente als tatsächliche Lebensformen und schaffen es trotzdem, seltsam gleich auszusehen.

Die Faszination des Unbekannten

Für unfreiwillige Abwechslung sorgen dafür die Sentinels. Die kleinen Drohnen-Wächter passen auf, dass niemand die Natur zu sehr ausbeutet. Kaum mache ich mich also ahnungslos über ein Heridium-Vorkommen her, muss ich wenig später schon um mein Leben laufen. Und die Wächter fackeln nicht lange: Während ich nach einem kläglichen Gegenwehr-Versuch einfach abhauen will, rufen die kurzerhand Kämpferdrohnen dazu und beenden meine Weltraumreise damit etwas unelegant.

Da hilft es auch nicht, dass ich eigentlich nur ein paar Blumen pflücken wollte, Spaß versteht das Umweltschutzkommando in No Man's Sky schon mal nicht. Für die Zukunft bleibt mir also nichts anderes übrig, als die aufmerksamen Drohnen zu meiden oder mich betont unauffällig zu verhalten. Immerhin darf ich aber wie in Dark Souls meine verlorenen Habseligkeiten an meinem Grab wieder aufsammeln, wenn ich es erreichen kann, ohne erneut zu sterben. So hatte ich mir mein Denkmal im Universum jedenfalls nicht vorgestellt.

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Aus Rache kann ich der fremden Welt zum Abschied aber noch meinen Stempel aufdrücken. Und das macht tatsächlich Spaß: Wie ein kleines Kind freue ich mich darüber jedem Grashalm und jeder Tierart einen albernen Namen zu verpassen. Du wolltest mich fressen, Nervenbold Löwenmaul? Nimm das dafür! Auch den Planeten selbst oder sogar das ganze Sonnensystem kann ich benennen und mich dabei ein bisschen wichtig fühlen. Vielleicht verschlägt es ja doch mal jemanden in diese Ecke des Universums.

Aber nun zieht es mich erst einmal weg. Zurück beim Raumschiff wandle ich meine Rohstoffe in Treibstoff um und breche auf zu neuen Abenteuern. Was dann von meinem Planeten zurückbleibt, sind nicht die Dinge, die ich getan habe. Ob ich nun Ressourcen sammle und sie in meine Ausrüstung und mein Raumschiff investiere oder um wertvolle Fracht kämpfe, das Ziel bleibt simpel: Ich will, dass meine Reise weitergeht. Wer große Mysterien, eine packende Story oder einen spaßigen Bau-Modus möchte, die zum Verweilen auf einem bestimmten Planeten einladen, der wird zumindest zum Release enttäuscht - auch wenn Versprechen für die Zukunft Hoffnung machen.

Während das Gameplay mich ernüchtert zurücklässt, hat No Man's Sky mich aber unbewusst an ganz anderer Stelle begeistert: Wenn ich während meiner Ressourcensammelei aus einer Höhle trete und plötzlich eine gigantische Hirschkreatur vor mir auftaucht. Oder ich finde eine Ansammlung seltsamer eierförmiger Steine und sehe mich sofort beklommen nach einem potenziell gefährlichen Muttertier um. In diesem Moment löst No Man's Sky Gefühle bei mir aus und lässt mich Dinge erleben, die ich so noch nicht erlebt habe. Und das ist großartig.

No Man's Sky - Screenshots aus dem Update 1.1 »Foundation«