Pride of Nations - PC

Rundenstrategie  |  Release: 10. Juni 2011  |   Publisher: Paradox Interactive
Seite 1 2   Fazit Wertung

Pride of Nations im Test

Starke Soldaten, historisch langsam

In 15-Tages-Schritten zur Rente: Gegen das sperrige Paradox-Strategiespiel Pride of Nations wird selbst Hearts of Iron zum rasanten Echtzeit-Strategiespiel. Wir haben das historische Hardcore-Abenteuer im Test.

Von Martin Deppe |

Datum: 23.06.2011


Zum Thema » Demo zu Pride of Nations Herunterladen und selbst antesten » Videos zum Spiel Gameplay-Trailer zu Pride of Nations Pride of Nations ab 15,99 € bei Amazon.de Nach Victoria 2 schickt Paradox mit Pride of Nations ein weiteres Strategiespiel auf den Markt, das die wilden Jahre zwischen 1850 und 1920 thematisiert. Okay, Victoria 2 deckt eigentlich einen längeren Zeitraum ab, nämlich von 1836 bis 1937. Trotzdem dauert das rundenbasierte Pride of Nations länger, seine Spielzüge laufen nämlich im 15-Tages-Rhythmus. Und weil sich dazu historisch korrekte Bauzeiten gesellen, dauert es locker mal zwei Jahre, bis wir eine Schiffsflotte vom Stapel lassen – also 46 Runden! Wer die große Kampagne durchspielt, bringt es gar auf satte 1.680 Runden. Kleinere Kampagnen gibt es nicht, stattdessen stehen vier kürzere Szenarios zur Wahl: der indische Aufstand gegen die Briten von 1857, Risorgimento 1859 (Frankreich und Piemont gegen Österreich), der zweite Burenkrieg von 1899 sowie der russisch-japanische Krieg 1904.

Pride of Nations : Eine der vier Militärkampagnen: Österreich (mit schwarzgelber Flagge) muss sich 1859 gegen Napoleon III. (unten links) verteidigen. In der Bildmitte blockiert eine Flotte Frankreich-Piemonts unsere Adriahäfen.

Militärkampagnen
Eine der vier Militärkampagnen: Österreich (mit schwarzgelber Flagge) muss sich 1859 gegen Napoleon III. (unten links) verteidigen. In der Bildmitte blockiert eine Flotte Frankreich-Piemonts unsere Adriahäfen.

Während wir in den vier Einzel-Feldzügen nur in den jeweiligen Kriegsgebieten aktiv sind (der Rest der Karte wird ausgeblendet), können wir uns in der großen Kampagne auf der ganzen Welt tummeln. Zumindest theoretisch, denn die Ausgangslage ist historisch vorgegeben: Die Briten bilden die größte Macht, allein schon wegen ihrer Kolonien in Indien und Afrika. Dahinter kommen mit weitem Abstand die Franzosen, gefolgt von Preußen, Österreich, den noch jungen USA, Russland, Japan und Sardinien-Piemont.

Das Wirtschaftssystem: Fummelig

In Sachen Komplexität schielt Pride of Nations klar auf den Genrekönig Hearts of Iron 3 , nimmt sich aber zu viel vor. Während dort die Verzahnung zwischen Wirtschaft, Forschung und Politik mit dem wichtigen militärischem Part gut funktioniert, fällt Pride of Nations nach dem recht gut umgesetzten Militärteil stark ab.

So ist das Wirtschaftssystem zwar komplex und vielfältig, aber auch unübersichtlich. Am besten funktioniert noch die Bedienung: Wir errichten Bauten wie Kohlebergwerke oder Opiumplantagen (!), indem wir eine Spielkarte des Gebäudes auf die Weltkarte ziehen. Genauso verschieben wir Truppen, auf die wir in Total-War-Manier direkt auf der Weltkarte oder in Karteireitern am unteren Bildschirmrand zugreifen.

Pride of Nations

Das komfortable Drag-&-Drop-System klappt also bestens, doch der Bonus ist schnell verspielt: Produktionsstätten stellen nämlich den Betrieb ein, wenn irgendwas nicht passt. Etwa, weil schlicht die Rohstoffe fehlen, oder weil’s keinen Zugang zum Absatzmarkt (mehr) gibt, weil wir einen Hafen verloren haben.

Solche wichtigen Nachrichten gehen im Textmeldungs-Overkill zum Rundenbeginn schnell unter, außerdem müssen wir eine stillgelegte Fabrik selbst dann wieder von Hand anwerfen, wenn sie wieder genug Rohstoffe oder ihren Marktzugang hat. Das kann schon nach wenigen Runden gewaltig nerven.

Die Bedienung: Null Überblick

Überhaupt wirkt ein Großteil von Pride of Nations unfertig, vor allem die Bedienung. Wichtige Bereiche erreichen wir ausschließlich über die F-Tasten (Diplomatie und Forschung etwa), während es gleichzeitig unzählige, winzige Buttons für Filterfunktionen gibt, die mal unwichtig, mal superwichtig sind.

Auch die gute Idee, verschiedene Filter direkt auf der Weltkarte darzustellen (beispielsweise sehen wir nur Truppen oder nur Produktionsstätten), wird gleich wieder kaputtgemacht. Denn die Bedienung der Anzeigemodi ist keineswegs intuitiv, sondern so verwirrend, dass sie zusätzliche Eingewöhnungszeit braucht.

Beispiel: Um aus der Kolonial-Ansicht in den Entscheidungsmodus zu wechseln (nur hier können wir beispielsweise Anführer bestechen oder Expeditionen losschicken), müssen wir erst auf einen Zahnrad-Button klicken. Dass das Zahnrad seit Zig Jahren und in allen anderen Spielen für »Optionen« steht, haben die Entwickler wohl verpennt. Ins Hauptmenü wiederum führt ein Telefon-Symbol. Aha.

Pride of Nations : 1904 haben Dampfschiffe endgültig ihre Segelvorgänger ausgebootet. 1904 haben Dampfschiffe endgültig ihre Segelvorgänger ausgebootet. Apropos verschlafen: Trotz der vielen Filterfunktionen verpasst man schnell wichtige Meldungen (»Japan erklärt Ihnen den Krieg!«), weil sie zwischen unwichtigen Infos untergehen (»Zwei Textilien an Frankreich verkauft!«). Das macht Pride of Nations unnötig frickelig und unübersichtlich.

In großen Zeitungsschlagzeilen bekommen wir lediglich spezielle Missionen präsentiert, die keine große Rolle spielen. Beispielsweise sollen wir weltweit die meisten Farbstoffe produzieren – gähn! Dermaßen generisch und unspektakulär sind alle Aufgaben. Das wirkt so, als sei während der Entwicklung noch jemandem eingefallen, dass ja momentan Errungenschaften voll angesagt sind.

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Avatar NekatorFail
NekatorFail
#1 | 23. Jun 2011, 15:12
Dieser Kommentar wurde ausgeblendet, da er nicht den Kommentar-Richtlinien entspricht.
Avatar 123Christian
123Christian
#2 | 23. Jun 2011, 15:36
kann es sein, dass es einen Zusammenhang zwischen Prides of Nations und Rulers of Nations gibt? Sieht beides sehr ähnlich aus und heißt fast gleich und ist sehr kompliziert
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Avatar Andross
Andross
#3 | 23. Jun 2011, 21:55
Wenn man ein Spiel solcher Größe anbietet, dann doch lieber von vorne nach hinten durchdenken. Dieses Spiel ist fast genauso ein Disaster wie Victoria II ... einfach armselig was Paradox in letzter Zeit auf den Markt wirft ...

Noch dazu kommt die Tage endlich ein würdiger HOI2 Nachtfolger, sozusagen als das zweite Spinoff des Originals (Samper-Fi war noch dazwischen) und ich frage mich ernsthaft ob das alles so in Ordnung ist dieses dann zum Vollpreis anzubieten, früher gab es sowas als Mod, Patch oder zumindest Add-on ...

Aber Hut ab vor Herr Deppe der sich in dieses Spiel eingearbeitet hat, gab sicher eine gute Bonuszahlung :D
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Avatar Michael Graf
Michael Graf
#4 | 23. Jun 2011, 22:24
Zitat von Andross:
Aber Hut ab vor Herr Deppe der sich in dieses Spiel eingearbeitet hat, gab sicher eine gute Bonuszahlung :D


Die Bonbons sind schon in der Post ;)
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Avatar Artticler
Artticler
#5 | 23. Jun 2011, 22:26
Ganz übersehen wird hier, das das spiel momentan noch gräßlich verbuggt ist. Ich konnte es so gut wie nicht spielen, da es die ganze Zeit abstürzte.

Der Beta-Patch, der momentan angeboten wird sorgt dafür, das es bei mir nicht mal mehr startet.

Alles in allem: Viel Potential...verschenkt.
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Avatar Blup
Blup
#6 | 24. Jun 2011, 00:08
Vielen Dank, ohne den Test hätte ich es vielleicht gekauft, aber nach dieser Warnung...
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Avatar Chally
Chally
#7 | 24. Jun 2011, 03:32
Zitat von Blup:
Vielen Dank, ohne den Test hätte ich es vielleicht gekauft, aber nach dieser Warnung...

Was für eine Wertung erwartest du denn von einem Grand Stragegy Game wie diesem? Das einzige, das viele Preise einheimst ist die Total War Reihe, und das auch nur weil es auch halbwegs auf Mainstream und gute Grafik statt Komplexität und Tiefgang ausgelegt ist.
Und Gamestar soll eben vorrangig den Mainstream Leser ansprechen und der wird sich dann über des Game wundern, erstmal nicht verstehen und schnell aufgeben und sich beschweren warum Gamestar eine Wertung vergibt, die eine Empfehlung wert ist.
Das ist auch ein Grund warum ich mein Gamestar Abo gekündigt habe, ich spiele praktisch nur noch Paradox Games und diese "Hardcore" Gamer werden in der Gamestar nicht berücksichtigt.

Und @Newstitel von wegen "Hearts of Iron Konkurrent"
Pride of Nations wird von der selben Firma gepublished, die auch Hearts of Iron entwickelt und gepublished haben, nämlich Paradox. Ausserdem spielt es in einer völlig anderen Zeitperiode, Pride of Nations deckt wie Victoria 2 auch die Industrialisierung ab, während HoI komplett vom 2. Weltkrieg handelt. Ausserdem ist das eine rundenbasiert(PoN), das andere nicht (HoI).
Entwickelt wurde es von AGEOD und somit @123Christian, nein die Spiele haben kaum was gemeinsam (ausser den ähnlichen Titel und dass sie beide komplex sind), der Hersteller von RoN ist Eversim.

Trotzdem, die Kritiken an diesem Spiel sind berechtigt und der Test gut geschrieben.

Von Martin Dieppe bin ich auch etwas enttäuscht und gebe nicht mehr viel auf seine Fazite, Victoria 2 hatte er übermäßig kritisiert, obwohl es von den Mainstream Gamern von allen Paradox Games noch am besten zu verstehen war, auch war die Grafik, die er stark kritisiert hatte, meiner Meinung nach für ein Grand Stragegy Game angemessen. Wobei mich dieses Fazit wieder etwas mit ihm versöhnt, wenn auch es nicht vielsagend war.^^
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Avatar schmity
schmity
#8 | 24. Jun 2011, 19:21
Nur eine kleine Anmerkung an die Redaktion: Wenn ich mir "Verwandte Spiele" auf der rechten Seite ansehen will, komme ich immer wieder auf die Übersichtsseite des getesten Spiels zurück. Kann mir diese also nicht ansehen.
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Details zu Pride of Nations

Plattform: PC
Genre Strategie
Untergenre: Rundenstrategie
Release D: 10. Juni 2011
Publisher: Paradox Interactive
Entwickler: AGEOD
Webseite: http://www.prideofnationsgame....
USK: Freigegeben ab 12 Jahren
Spiele-Logo: Download
Leserinteresse:
Platz 1727 von 5752 in: PC-Spiele
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