Update vom 13.8.: Inzwischen hat Ubisoft auf unsere Kolumne geantwortet. Wie wollen Ihnen das offizielle Statement natürlich nicht vorenthalten:

»Ein Videospiel zu entwickeln, dauert mehrere Jahre, und man muss zu vielen unterschiedlichen Zeitpunkten Entscheidungen treffen. Bei R.U.S.E. wussten wir schon früh in der Entwicklungszeit, dass wir Steam als Plattform für die Community-Aspekte des Spiels nutzen wollen. Nachdem wir uns für Steam entschieden hatten, war es eine logische Wahl, unseren eigenen Kopierschutz nicht zu nutzen, weil das Spiel ja bereits durch Steam geschützt ist.«

Im Klartext: Die Entscheidung für Steam fiel schon vor langer Zeit. Und zwar vor allem deswegen, weil die Entwickler Valves Online-Dienst als Mehrspieler-Plattform für R.U.S.E. nutzen wollten. Mit dem Game Launcher hat das nichts zu tun. Sagt Ubisoft. Was nichts daran ändert, dass Steam viel kundenfreundlicher ist als der Ubisoft-Kopierschutz.

Die ursprüngliche Kolumne: Mensch, Ubisoft, was habt ihr für euren Game Launcher Prügel bezogen! Ein GameStar-Leser beschimpfte den Online-Kopierschutz als »maßlos überzogenes Kundenabschreckungssystem«, ein anderer wünschte eurem Support »viel Spaß dabei, dem Gelegenheitsspieler zu erklären, warum er sein Einzelspieler-Spiel nicht benutzen kann, wenn irgendwo auf der Welt ein Server ausfällt.«

Okay, Ubisoft, diese Proteste habt ihr stoisch ausgesessen. Vielleicht bekommt ihr ja auch nichts davon mit, weil die Katze vor einem halben Jahr euer Internet-Kabel durchgeknabbert hat. Doch nun überrascht ihr uns plötzlich damit, dass ihr bei eurem nächsten PC-Titel, dem Echtzeit-Strategiespiel R.U.S.E., auf die umstrittene Eigenbau-Plattform verzichtet und stattdessen auf Valves Internet-Dienst Steam setzt. Frei nach dem Simpsons-Charakter Nelson gibt es darauf nur eine Antwort: »Ha-ha!«

Ubisoft Game Launcher :

Denn, Ubisoft, euer offizielles Statement zur Steam-Wahl ist mit dem Wort »zurückrudern« noch schmeichelhaft umschrieben: »Wir möchten darüber informieren dass R.U.S.E. über Valves Steam-Plattform laufen wird«, schreibt ihr da. Und weiter: »Der Einzelspielermodus kann ohne Probleme offline gespielt werden!« Mit Ausrufezeichen! Letzteres erlaubt der Game Launcher nämlich nicht, er setzt eine permanente Internet-Verbindung voraus – der zentrale Grund für die Käuferproteste.

Entschuldigt bitte, Ubisoft. Ich weiß, ihr seid ein großer, vielbeschäftigter Konzern, für den die PC-Verkaufszahlen gerade mal 8 Prozent des Jahresgeschäfts ausmachen. Aber mal ehrlich: Dass sich Spieler irgendwie vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn sie während der Solo-Kampagne dauernd online bleiben müssen -- warum seid ihr da nicht früher drauf gekommen? Oder war’s euch einfach wurscht? Falls Letzteres zutrifft, muss die Frage erlaubt sein: Warum ist’s euch plötzlich nicht mehr wurscht?

Assassin’s Creed 2 hat sich auf dem PC ja trotz des Game Launchers gar nicht schlecht verkauft. Was allerdings daran liegen dürfte, dass es eine langersehnte Fortsetzung war. Auf R.U.S.E. wartet fast niemand. Denn der Strategiemarkt kriselt, das einst glorreiche Genre liegt im Sterben - Starcraft 2 ist die strahlende Ausnahme zur Regel. Das habt ihr, Ubisoft, doch am eigenen Leib erlebt, und zwar mit Die Siedler 7, das allenfalls halb so viele Exemplare abgesetzt hat wie der Vorgänger im vergleichbaren Zeitraum. Und ebenfalls den Game Launcher verwendete.

Also, Ubisoft: Ich glaube, ihr habt einfach Bammel, dass sich auch R.U.S.E. schlecht verkauft. Und tut nun alles, damit möglichst viele Exemplare über die Ladentheke wandern, auch wenn ihr dafür zähneknirschend auf euren Game Launcher verzichten müsst.

Womit ihr zwischen den Zeilen endlich zugebt, dass das Permanent-Online-Sein die Spieler verärgern und die Verkäufe drücken kann, zumindest bei Nischentiteln. Dass ihr in Zukunft ganz auf den Game Launcher verzichtet, wage ich allerdings nicht mal ansatzweise zu hoffen, beim nächsten Toptitel (Ghost Recon: Future Soldier, H.A.W.X. 2) ist der Internet-Kopierschutz bestimmt wieder an Bord. R.U.S.E. würde damit also kein großes Zurückrudern markieren, sondern nur ein kleines. Womit mein »Ha-ha!« letztlich doch etwas traurig verklänge.