MMOs mit Abo-Modell :

Freitagabend, 21 Uhr: Ich logge mich in Star Wars: The Old Republic ein. Bevor ich den Eisplaneten Hoth verlasse und die Geschichte meines Level-42-Jedi-Botschafters fortsetze, will ich noch die übriggebliebenen Gruppenquests absolvieren. Schließlich hagelt es hier besonders dicke Beute und noch mehr Credits.

MMOs mit Abo-Modell : Daniel Matschijewsky Daniel Matschijewsky Doch obwohl zu dieser Zeit (Wochenende, Abend, schlechte Filme im Free-TV) viel auf den Servern los sein sollte, bekomme ich für die Instanzen selbst nach mehrmaliger Nachfrage im öffentlichen Chat kaum eine Vierergruppe zustande. Mein Heiler, der in seiner bisherigen Karriere stets ein gefragtes Teammitglied war, bleibt immer häufiger allein auf offener Flur.

Der Grund: Auf Hoth sind an diesem (und fast jedem anderen) Abend nicht mal zwei Dutzend andere Leute unterwegs. Und von denen scheinen wohl die meisten etwas Besseres zu tun haben, als gemeinsam Gruppeninstanzen leer zu räumen. Bei den anderen Mid- bis Endlevel-Planeten wie Belsavis, Balmorra oder Quesh dasselbe Bild; meine LFG-Anfragen bleiben in neun von zehn Fällen unbeantwortet. Dabei rede ich hier von so genannten H4-Missionen, die höchstens 30 Minuten dauern. Nicht wie Highlevel-Flashpoints oder gar Operations, die oft gleich mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

Doch nicht nur beim Bioware-MMO gehen die Spielerzahlen zurück, selbst der Genre-Primus World of Warcraft verzeichnet seit einiger Zeit rückläufige Statistiken. Beim Blizzard-Hit schiebe ich den Bevölkerungsschwund auch auf das Alter des Spiels. Irgendwann hat selbst das größte MMO seine Halbwertszeit überschritten, daran werden auch die Pandas von Mists of Pandaria nichts ändern. Bei The Old Republic liegt das Problem eher im nach wie vor dünnen Endgame. Ich hoffe aber, dass der für April angekündigte Patch 1.2 ausreichend neues Futter für Level-50-Spieler liefert.

MMOs mit Abo-Modell : So oder so bin ich sowohl bei WoW als auch bei SWTOR der Meinung: Abo-Modelle funktionieren in dieser Form nicht mehr. Niemand in meinem Freundeskreis ist heute noch gewillt, 11 bis 13 Euro für ein MMO-Abo zu bezahlen. Vor allem nicht, wenn es die Entwickler verschlafen, auf Dauer ausreichend Gegenwert zu liefern. Okay, für ambitionierte Spieler kann es im Grunde nie genug Endgame-Inhalte geben. Wer aber schon nach ein zwei Monaten alles gesehen, erlebt und erledigt hat, ist wohl kaum gewillt, weiterhin Geld in dieses Spiel zu stecken.

Wobei Free2Play nicht unbedingt das Allheilmittel sein muss, für das es viele Entwickler halten und das viele Spieler noch immer als »billig und unfair« empfinden. Ich denke, dass auf dem Markt durchaus Platz ist für ein alternatives Abo-Preismodell. Eines, das zeitgemäßer ist als das, was neben World of Warcraft und Star Wars: The Old Republic auch bei der demnächst erscheinenden Korea-Klopperei TERA Einsatz finden wird. Immerhin reden wir von einem Abo-System, das anno 1999 für das erste Everquest eingeführt und bis heute nicht im Geringsten an den sich laufend verändernden Online-Markt angepasst wurde: 11 bis 13 Euro pro Monat, das passt einfach nicht mehr.

World of WarCraft: Mists of Pandaria
Die vielen spaßigen Details wie etwa die »Yakwaschanlage« oder auch …

Ich wage zu behaupten, dass mehr Spieler dauerhaft für Online-Rollenspiele zu begeistern wären, wenn die Abo-Kosten niedriger lägen. Telefon- und Handyanbieter passen ihr Portfolio in der Regel doch auch entsprechend an, wenn die Konkurrenz mit attraktiveren Angeboten lockt. Also, liebe Entwickler: Probiert es doch mal. Vielleicht mit fünf bis acht Euro im Monat. Wenn’s schief läuft, könnt ihr euer Spiel ja immer noch auf Free2Play umzustellen, damit wärt ihr ja ebenfalls nicht die ersten. Immer noch besser, als Server zusammenlegen oder gar abschalten zu müssen, nur weil darauf kaum noch zahlungswillige Fans unterwegs sind.