Zum Thema » Das Beste an The Crew Video: Drei Gründe für den Kauf » Das Schlimmste an The Crew Drei Gründe gegen den Kauf » The Crew - Technik-Check Anforderungen & Grafikvergleich » The Crew - Test-Ticker So lief unser Test The Crew ab 11,99 € bei Amazon.de The Crew für 23,99 € bei GamesPlanet.com Meine Fresse, ist das riesig! Immer wieder rufen wir die Karte von The Crew auf, ungläubig wandert unser Blick über die enorme Landmasse, die sich da vor uns auftut. Auch nach etlichen Stunden können wir nicht fassen, wie gewaltig die Spielwelt in Ubisofts Rennspiel ist. Aber Entwickler Ivory Tower hat es tatsächlich fertig gebracht, die kompletten USA im Kleinformat nachzubauen und als gigantische Spielwiese zur Verfügung zu stellen.

Mit allem, was dazu gehört: Städte, Landschaften, Details, Sehenswürdigkeiten. Mehr als eine Stunde braucht man von einer Küste zur anderen. Und das ganz ohne Ladezeiten. Beeindruckend! Denn damit wird The Crew zumindest in Sachen Dimension mal ganz locker zum Skyrim der Rennspielwelt. Dass es nicht ganz in dessen Wertungsregionen vorstoßen kann, hat andere Gründe.

Aufwertung für das Hauptspiel The Crew dank Wild-Run-Update
Das Wild-Run-Update spendiert The Crew eine grafische Überarbeitung sowie neue Wettereffekte und ein verbessertes Fahrverhalten. Auch wenn diese Änderungen an vielen Stellen marginal erscheinen, haben sie doch Auswirkungen auf den Gesamteindruck. Gerade das ursprünglich schwammige Fahrverhalten fühlt sich jetzt deutlich verbessert an. Da das Update (nicht zu verwechseln mit dem Wild-Run-DLC) für alle The Crew-Besitzer gratis ist, werten wir deshalb die PC-Version von The Crew um zwei Punkte, die Konsolenversion um einen Punkt auf.

Onlinepflicht und Uplay
Um The Crew spielen zu können, benötigt man eine permanente Internetverbindung. Der Zugang lief während unseres Tests problemlos und war die meiste Zeit stabil, nur vereinzelt riss die Verbindung zu den Servern ab. Außerdem ist ein bestehendes Konto des Ubisoft-Dienstes Uplay Pflicht.

Alex Taylor ist der Hauptcharakter von The Crew. Mit seinem Vollbart und der markanten Brille ist er einer diese Hipster-Typen, die man mittlerweile zwar immer häufiger auf den Straßen sieht, aber irgendwie nicht so recht spielen will. Egal, denn schnell wird das ehrwürdige Motiv von Alex klar. Sein Bruder Dayton wurde hinterhältig von einem Mitglied der Autogang 510 erschossen und Alex dafür unschuldig in den Knast gesteckt. Nach fünf Jahren hinter schwedischen Gardinen bietet ihm das FBI in Form der attraktiven Agentin Zoe einen Deal an. Alex hilft, den korrupten Cop Coburn ans Messer zu liefern, dafür gibt's 510-Boss Shiv auf dem Silbertablett.

Gierig auf Rache willigt Alex ein und lässt sich in die Autogang einschleusen. Sein Weg führt ihn nach und nach quer durch die USA, über Detroit und Chicago geht es nach New York, Miami und schließlich über Las Vegas nach Los Angeles, wo es zum Showdown mit Shiv kommt. Zwischendurch trifft Alex einige wichtige Charaktere, zum Beispiel Schrauber Omar, die hübsche Alita und die mysteriöse Roxanne.

Doch auch wenn die Geschichte als roter Faden durchaus taugt, ist die Story von The Crew den größten Teil der Zeit vollkommen klischeebeladen und sprunghaft. Die Charaktere bleiben blass, die Dialoge größtenteils dünn bis dämlich. Das liegt maßgeblich auch an den unmotivierten deutschen Sprechern, die den düsteren Gang-Jargon nicht wirklich glaubhaft rüberbringen. Wir haben uns beim Test jedenfalls eher fremdgeschämt als überzeugt gefühlt. Optional gibt's auch die englische Vertonung, die ist deutlich besser.

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The Crew
Das Schadensmodell hat nur optische Auswirkungen auf unser Fahrzeug, das Fahrverhalten wird nicht beeinträchtigt.

Um sich Respekt bei den 510-Mitgliedern zu verschaffen und seinen Verbündeten zu helfen, muss Alex jede Menge Storymissionen erledigen. Die sind in The Crew recht vielfältig, von klassischen Straßenrennen über Zeitfahrten reicht die Missionspalette bis hin zu Aufträgen, in denen wir eine Person möglichst schnell zu einem Ziel kutschieren oder in der Pampa eine gewisse Anzahl von Kisten zerstören müssen. In der knapp 20-stündigen Story wiederholen sich die Aufgaben zwar nach einer Weile, durch die abwechslungsreichen On- und Offroad-Umgebungen wird das aber geschickt kaschiert.

The Crew hätte hier ein rundes Paket schnüren können, wären da nicht die extrem nervigen Verfolgungsmissionen. Relativ regelmäßig müssen wir nämlich einem gegnerischen Fahrzeug hinterherhetzen und es zerstören. Das endet meist in beschwerlichem Trial & Error, weil das Spiel den Kontrahenten immer wieder unrealistisch weit davonziehen lässt, um ihn dann kurz vor einer Rammattacke in eine Seitenstraße abbiegen zu lassen. Besonders ungeduldige Spieler werden hier auf eine harte Probe gestellt, eine gewisse Frustresistenz ist deshalb Pflicht.

The Crew : Doof: In der Cockpitperspektive bleiben Innen- und Außenspiegel tot. Doof: In der Cockpitperspektive bleiben Innen- und Außenspiegel tot.

Auch ansonsten zeigt die Gegner-KI starke Gummiband-Tendenzen, was vor allem in den Gangrennen deutlich wird. Diese können bis zu einer Stunde dauern, bei unserem Test blieb das komplette Feld aber über die gesamte Renndistanz zusammen, ein Davonfahren war nicht möglich. Das wirkt nicht nur vollkommen unglaubwürdig, sondern kann bei einem Fehler kurz vor der Ziellinie richtig übel frustrieren, zumal eine Rückspulfunktion à la Grid Autosportfehlt.

Rollenspiel auf Rollen

The Crew : Silber- und Goldbauteile verbessern die Fahrzeuge meist erheblich. Je höher der Wert, desto besser das Auto Silber- und Goldbauteile verbessern die Fahrzeuge meist erheblich. Je höher der Wert, desto besser das Auto Jede absolvierte Mission bringt uns Erfahrungspunkte, die nach und nach unseren Fahrerlevel steigen lassen. Außerdem gibt's abhängig von der Qualität unseres Missionsabschlusses ein bronzenes, silbernes oder goldenes Bauteil für unser Auto, das dann wiederum unseren Fahrzeugrang erhöht. Ähnlich wie in einem Rollenspiel leveln wir die einzelnen Komponenten wie Übersetzung oder Getriebe unserer Karre auf und machen unseren Untersatz kontinuierlich immer besser. Das hebt The Crew wohltuend von anderen Rennspielen ab, weil es die Bindung zum Fahrzeug erhöht und es zu einem einzigartigen Avatar macht.

Wir saßen beim Test fast die gesamte Spielzeit in einem Chevrolet Camaro und hatten zu keinem Zeitpunkt das Bedürfnis, den Wagen zu wechseln, sondern wollten unser Baby immer einen Tick besser machen. Viel zu wechseln gibt's in The Crew ohnehin nicht, denn der Fuhrpark fällt mit knapp 40 lizenzierten Fahrzeugen (hauptsächlich Muscle-Cars, Coupés und Supersportwagen) recht überschaubar aus.

Um die Variation trotzdem zu wahren, lässt sich jedes Fahrzeug mit unterschiedlichen Kits (Street, Gelände, Performance, Rallye oder Racing) ausrüsten und dann separat aufleveln. Damit dieses System auch genutzt wird und wir nicht immer mit einem Kit durch die Gegend gurken, sind für manche Missionen bestimmte Kits notwendig. Praktisch: Haben wir nicht das passende Fahrzeug gewählt, erledigt das das Spiel für uns.

Bauteile lassen sich aber auch in anderen Events verdienen. Überall auf der riesigen Karte verteilt sind kleinere Herausforderungen, die meist nur ein paar Sekunden dauern, bei Erfolg aber satte Boni einbringen. Mal müssen wir möglichst viele Ziele zerstören, mal Tore präzise durchfahren, einen Berggipfel erklimmen oder einer Ideallinie folgen. Dass wir den Fortschritt für Bronze, Silber und Gold dabei immer im Blick haben, motiviert zusätzlich und spornt an, noch eine kleine Schippe draufzulegen. Und das Gefühl, wenn das ersehnte Bauteil aufploppt und unser Autolevel in die Höhe schnellt - super!

Durch das Bauteilesystem entsteht schnell eine Suchtspirale, ganz nach dem Motto: »Ach, die eine Herausforderung geht noch!« Überflüssige oder schlechtere Bauteile können wir übrigens in eines unserer Hauptquartiere schicken oder direkt zu (wenn auch wenig) Geld, im Spiel »Bucks« genannt, machen. Ganz perfekt ist das System aber nicht. Wir sehen zwar, welcher Bereich unseres Autos sich verbessert, einen Gesamtüberblick bekommen wir aber nur in unseren Basen (in Detroit, New York, Miami, Las Vegas und Los Angeles).

Ich glaub, ich fahr auf Seife

Bauteile sammeln, aufleveln, Werte verbessern - spürt man das denn auch? Glücklicherweise ja, denn jedes Auto und jedes Kit in The Crew steuert sich anders, die Unterschiede zwischen einem Performance- und einem Rallye-Fahrzeug sind zum Beispiel deutlich spürbar. Allerdings haben wir ein generelles Problem mit dem Fahrverhalten der Autos. Im Vergleich zu anderen Rennspielen fühlen sich die Karren im Ubisoft-Renner nämlich seltsam schwammig und nicht sonderlich direkt an. Das lässt sich später mit entsprechenden Handling-Verbesserungen zwar etwas abschwächen, ideal ist das arcadige Spielgefühl aber nicht.

Zumal die Kollisionsabfrage oft herumzickt und uns nicht klar ist, welche Hindernisse wir in der Spielwelt umfahren können und welche nicht. Während manche Zäune zum Beispiel wie Spielzeug unter der Wucht unseres Autos zerbersten, prallen wir an anderen wundersamerweise ab. Die Steuerung mit Controller und Lenkrad funktioniert hingegen wunderbar und auch die fünf Perspektiven sind gut gewählt - uns stört lediglich, dass die Innenspiegel in der Cockpit-Perspektive tot sind und wir uns so per Stick oder Knopfdruck umschauen müssen.