Zum Thema » Mods für Skyrim - Guide So wird Skyrim noch schöner » Skyrim im Test So gut ist das Originalspiel » The Elder Scrolls Online - Test Online-Skyrim ohne Abo Skyrim ab 4,99 € bei Amazon.de The Elder Scrolls V: Skyrim für 13,49 € bei GamesPlanet.com Es ist ein lauschiger Abend, als ich das erste Mal in Enderal vor den Toren der Hauptstadt Ark stehe und in die Landschaft schaue. Die Sonne versinkt als feuerroter Ball in der Ferne hinter dichten Baumreihen, ihre vorwitzigen Strahlen piksen mir angenehm in die Augen. Vögel zwitschern, das Wasser eines mächtigen Flusses rauscht unter einer nahen Brücke. Darauf flanieren die Stadtwachen in entspannten Schritten.

Fast so, als sei die Gefahr, die über dem Reich Enderal schwebt, nur ein Hirngespinst, ein abstraktes Konzept, das sich ein kranker Geist in einer schlaflosen Nacht ausgedacht hat. Es könnte ein in seiner Schönheit fast schon erhabener Augenblick sein. Wenn mich nicht ein »Boah, wie das aussieht!« in Sekundenbruchteilen wieder in die schnöde Bürorealität zurückschleudern würde. Ja, die Kollegen, die haben's immer wieder drauf, in den ungünstigsten Momenten ins Zimmer zu latschen und unqualifizierte Kommentare über das Geschehen auf dem Monitor abzulassen.

Skyrim: Enderal : Enderal zeichnet sich durch eine immense Detailverliebtheit aus. Die Vegetation beispielsweise ist um einiges üppiger als in Skyrim. Enderal zeichnet sich durch eine immense Detailverliebtheit aus. Die Vegetation beispielsweise ist um einiges üppiger als in Skyrim.

Ich bin ungerecht und überdramatisiere. Es gibt's nämlich kaum etwas Tolleres im Leben, als die eigene Begeisterung auf jemanden anderes überschwappen zu sehen. Kollege Michael Graf hat nämlich vollkommen Recht: Enderal sieht stellenweise einfach zum Niederknien aus. Und dort, wo es nicht mit fantastischen Aussichten um sich wirft, ist es immer noch mindestens hübsch.

Ich schließe mich also den verbalen Begeisterungsstürmen an und will Michael prompt noch meinen aktuellen Lieblingsort zeigen, den unfassbar schönen Goldenforst, wo sich die Bäume gefühlte Kilometer in den Himmel schrauben und mit ihren roten Blättern ein neues Firmament über einem reißenden Fluss und einem alten Herrensitz (der teilweise verdächtig nach Elronds Bude in Bruchtal aussieht) spannen. Aber nachdem ich den Befehl zum Mapwechsel in die Konsole eingegeben habe, kachelt mir Enderal ab. Mist! Aber so etwas kann vorkommen, immerhin befindet sich die Total Conversion zu Skyrim noch mitten in der Entwicklung.

Mehr Story als Skyrim

Wer bisher im Dunkeln gestochert hat, dem dürfte jetzt ein Licht aufgehen. Enderal ist (leider) noch kein Name, bei dem jeder wissend nickt, in Kombination mit Bethesdas Skyrim und dem Begriff »Total Conversion« entsteht aber ein Bild. Teile dieses Bilds waren schon vor rund einem Jahr auf GameStar.de in einer ersten Preview zu Enderal zu sehen, inzwischen ist das ambitionierte Projekt weiter gewachsen, und ich kann's nun endlich deutlich länger spielen. Sogar von Anfang an. Über den Anfang werde ich allerdings kein Sterbenswörtchen verraten, immerhin steckt in den paar Minuten schon mehr wichtige Story drin als in der gesamten ersten Stunde von Skyrim.

Skyrim: Enderal : Konstantin Funkenschlag ist ein Magier und hat es nicht so mit Namen. Unseren Wegbegleiter Jespar nennt er beispielsweise immer Josef. Konstantin Funkenschlag ist ein Magier und hat es nicht so mit Namen. Unseren Wegbegleiter Jespar nennt er beispielsweise immer Josef. Das 15-köpfige Mod-Team von SureAI (viele Mitglieder stammen aus Deutschland, die Leiter wohnen sogar gleich bei uns um die Ecke in München) hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus Skyrim nicht nur ein neues Spiel mit neuen Landschaften, neuen Quests und neuen Heldentalenten zu machen. SureAI will in Enderal auch eine intensive Geschichte mit Anfang und vor allem Ende erzählen und damit eine der Hauptschwächen Skyrims ausbügeln. Der kleine Demo-Vorgeschmack von vor einem Jahr hat mir bereits gehörig Lust auf mehr gemacht.

Inzwischen bin ich unterwegs zu Lashiri, einer mysteriösen Dame, die mich von meinem Arkanistenfieber befreien soll. Denn kaum hatten meine Füße Enderaler Boden berührt, überfiel mich ein befremdliches Unwohlsein, meine Augen vermochten Dinge zu sehen, die gar nicht da waren und meine Hände konnten mit einem Mal Feuer werfen. Sackzement, ich hatte plötzlich Visionen und konnte zaubern!

Krank durch Heiltrank

Zumindest Letzteres ist aber nichts Ungewöhnliches in Enderal, die Menschen dort kennen Magiehansel wie mich zu genüge. Und deshalb wissen sie auch, mit diesem Arkanistenfieber umzugehen. Das Bizarre daran: Das Fieber bricht aus, wenn ich Substanzen in mich reinkippe, die mir helfen sollen, zu überleben, konkret: Heiltränke. Je mehr lebensspendenden Saft ich also in mich hineinschütte, desto mehr steigt das Fieber an. Bis ich schließlich endgültig umkippe. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich wahnsinnig vorsichtig mit dem Zeug umgehen und hin und wieder den zumindest in der ersten Machtstufe doch sehr schwachen Zauber der Lebensabsorption einsetzen muss.

Skyrim: Enderal : Drei Straßendiebe wollen uns ans Leder. Aber gegen unser magisches Feuer haben sie nichts entgegenzusetzen. Drei Straßendiebe wollen uns ans Leder. Aber gegen unser magisches Feuer haben sie nichts entgegenzusetzen.

Normalerweise lernt ein Magiebegabter in einem langwierigen Prozess, diese Gefahr zu bannen. Aber für Jahre des Trainings ist keine Zeit, denn da sind ja noch die Visionen. Die irgendwie mit dem Roten Wahnsinn zu tun haben, der Enderal seit circa zwei Jahren in Angst und Schrecken versetzt. Roter Wahnsinn, welch passender Name! Wer von ihm befallen wird, der metzelt wahllos drauflos, unbescholtene Bürger werden über Nacht zu blutrünstigen Bestien.

Nur eine kurze Verfärbung der Augen ins Rote deutet kommende Gräueltaten an und wird deswegen oft übersehen. Aber was hat das alles mit mir zu tun? Ich bin doch nur ein Flüchtling aus einem von einem Krieg zerrütteten Land, der sich von Enderal Friede und vielleicht sogar ein bisschen Wohlstand erhofft hatte!

Was in der Populär-Fantasy bereits spätestens seit Der Herr der Ringe erfolgreich immer wieder aufs Neue durchexerziert wird, kommt also auch in Enderal zum Zuge: Normalo mutiert scheinbar binnen Sekunden zum Auserwählten und muss eine ganze Welt retten. Das stört mich aber nicht weiter; ich bewege mich so durch vertrautes Fahrwasser und kann mich ganz aufs Eintauchen in die famose Landschaft und die Erzählung konzentrieren.

Für Wissbegierige

SureAI nimmt sich gehörig viel Zeit fürs Erzählen, für meinen Geschmack hin und wieder sogar fast schon zu viel. Die Gespräche mit den wichtigen Nebencharakteren ufern zuweilen ganz schön aus. Vor allem, wenn man wie ich alles mitnehmen will (unter anderem, weil ich dafür belohnt werde, möglichst viel über meine neue Heimat zu erfahren). Mein neuer Freund und temporärer Wegbegleiter Jespar beispielsweise verrät mir auf Wunsch so viel über Enderal, dass ich mir zuweilen wie im Geschichtsunterricht vorkomme.

Und auch wenn ich hin und wieder ungeduldig in den Gesprächen mit den Füßen scharre, weil ich wieder auf Wanderschaft und Abenteuersuche möchte, kann ich doch meine Ehrfurcht vor der Akribie bei der Welterschaffung durch das Mod-Team nicht verhehlen. Meine Güte, welche Arbeit allein in die Texte geflossen ist!

Enderal
Enderal macht vieles anders als Skyrim. Der Look erinnert aber immer noch stark an das Rollenspiel von Bethesda.

Das Entwicklerteam hat sich sogar nicht davor gescheut, für den Helden unterschiedliche Völker und Geschlechter anzubieten, was darin gipfelt, dass mich die Menschen, denen ich begegne, als Frau und Halb-Kilénin ansprechen. Wohlgemerkt ansprechen! Denn auch wenn jetzt noch nicht alles vertont ist, so soll doch im fertigen Enderal jeder Dialog zumindest auf NPC-Seite hörbar sein. In Deutsch oder wahlweise Englisch, umgesetzt von Profis und ambitionierten Hobbysprechern. Und wenn man sich jetzt noch vor Augen führt, dass allein die Hauptquest mit rund 25 Stunden zu Buche schlagen soll, Heidewitzka! Apropos Buch: Dass in fast jeder Bude obendrein ein Buch rumliegt, in dem ich schmökern kann, versteht sich dabei fast von selbst.