Mal ehrlich, ein Elder-Scrolls-Kartenspiel? Wer braucht das denn? So oder so ähnlich fiel so manche Reaktion auf The Elder Scrolls: Legends aus. Was uns sofort bekannt vorkam: Ein Free2Play-Warcraft-Sammelkartenspiel brauchte damals ja auch niemand.

Bis Hearthstone zu einem der erfolgreichsten Spiele auf Twitch wurde, einen weltweiten Kartenboom lostrat und überhaupt einen Rekord nach dem anderen brach. Legends hat sich Blizzards Titel klar zum Vorbild genommen und mit ihm einiges gemein - inklusive der Tatsache, dass es richtig gut geworden ist!

Ein Test für eine Open Beta?
The Elder Scrolls: Legends befindet sich derzeit in der Open Beta, ist also noch nicht final. Aber das Spiel ist bereits für alle Spieler frei zugänglich, die sich einen Bethesda-Account anlegen, und der Boostershop steht weit offen. Wie damals bei Hearthstone halten wir es daher für legitim, es einem Test zu unterziehen und zu bewerten, was den zahlenden Kunden geboten wird. Wann die fertige Version oder die geplante Variante für iOS und Android erscheinen sollen, steht noch nicht fest.

The Elder Scrolls: Legends
Kreaturen in der linken Feldreihe können nur Feinde in der gleichen Lane angreifen, in der rechten Schattenreihe haben wir bereits alle Verteidiger eliminiert.

Clever kombiniert

Wer Hearthstone oder Magic: The Gathering kennt, fühlt sich in The Elder Scrolls: Legends sofort zuhause. Und nicht nur, weil alle drei Sammelkartenspiele sind. Legends bedient sich tatsächlich sehr ausgiebig bei diesen beiden Inspirationen. Dreißig Lebenspunkte pro Spieler, drei Startkarten und dann eine Karte und ein Mana pro Zug, das ist genau die gleiche Ausgangssituation wie in Hearthstone. Viele Mechaniken erkennen wir eins zu eins wieder. Spottkreaturen, die vor allen anderen attackiert werden müssen, heißen hier etwa Wächter, funktionieren aber exakt genauso.

The Elder Scrolls: Legends : Im Karteneditor basteln wir ein Deck, das bis zu zwei von fünf Farben enthalten darf und zwischen 50 und 70 Karten fasst. Im Karteneditor basteln wir ein Deck, das bis zu zwei von fünf Farben enthalten darf und zwischen 50 und 70 Karten fasst. Aus Magic kommt die Unterteilung der Karten in fünf Farben, hier als Rollenspielattribute präsentiert: Rote Stärkekreaturen setzen etwa auf schnelle Angriffe, blaue Intelligenzspieler schleudern eher mit Zaubern. Ein Deck darf entweder auf eine Farbe setzen oder zwei kombinieren. Das lässt uns deutlich mehr Experimentierfreiraum als Hearthstones neun rigide Klassen - sehr schön! Zumal es mit 405 Karten jede Menge Material für Deckbaukünstler gibt.

Dazu kommt, dass unsere Decks zwischen 50 und 70 Karten fassen und wir damit noch mehr Optionen haben. Überhaupt ist Legends vielleicht keine Kartenspielrevolution, schweißt seine Vorbilder aber sehr geschickt zusammen. Die Matches spielen sich ähnlich flott wie in Hearthstone, das Spiel wagt aber etwas mehr Komplexität der Marke Magic. Wer also nach Hearthstone die nächste Kartenherausforderung sucht, aber Magic auf dem PC unnötig umständlich findet, der könnte mit Legends richtig glücklich werden.

Wie der Kartenboom begann: Making of Hearthstone (Plus)

Alles der Reihe nach

Und es ist nicht so, als brächte Legends gar keinen frischen Wind ins Genre. Es setzt auf zwei große Innovationen: Die Reihen und die Runen. Wir spielen unsere Kreaturen nicht einfach aufs Schlachtfeld, sondern postieren sie entweder in der Feld- oder der Schattenreihe.

Die Feldreihe bringt keine besonderen Eigenschaften mit sich, in der Schattenreihe können unsere Jungs eine Runde lang nicht angegriffen werden. Die Lanes klingen zunächst nur nach einem ganz netten, wenn auch bemühten Gimmick - aber sie bringen doch jede Menge Taktik ins Spiel! Diener dürfen nämlich nur Kreaturen in der gleichen Reihe angreifen.

The Elder Scrolls: Legends : Manche Karten haben Effekte auf alle Kreaturen oder Feinde in einer bestimmten Reihe. Manche Karten haben Effekte auf alle Kreaturen oder Feinde in einer bestimmten Reihe.

Haben wir eine Lane freigeräumt, geben wir dem feindlichen Spieler ungestört von dort auf die Mütze, egal, ob er noch eine mächtige Armee in der anderen Reihe hat. So müssen wir stets abwägen, wo wir unsere Ressourcen nutzen.

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Wollen wir um beide Reihen kämpfen? Eine aufgeben und versuchen, den Feind in der anderen zu überrennen, bevor er das gleiche mit uns tut? Oder rechts ein Bollwerk aufbauen, während wir links vorpreschen? Und für welche Kreaturen ist der Anfangsschutz der Schattenreihe besonders wichtig? Der Zweifrontenkrieg kann enorm spannend sein und das Spiel sich jederzeit wenden, wenn wir dem Feind die Kontrolle über eine Reihe abtrotzen. Ein sehr gelungenes System also.