Nehmen Sie einen Sack. Stopfen Sie alle Uhren hinein, die Sie besitzen. Armbanduhren, Taschenuhren, Küchenuhren. Alle. Dann schleudern Sie den Sack aus dem Fenster. Gut. Jetzt können Sie in aller Ruhe World of WarCraft spielen. Und werden nicht ständig daran erinnert, wie spät es schon wieder ist. Sie bekommen kein schlechtes Gewissen, wenn Sie mal wieder bis nachts um fünf Uhr Oger durch Ruinenstädte jagen. Oder wenn Sie den Bus verpassen, weil Sie noch drei Gorillas schnetzeln müssen. World of WarCraft macht süchtig.

Zugegeben, das mag auch für andere Online-Rollenspiele gelten. Doch Blizzards Hit ist runder, schneller, besser. Wir stürzten uns mit der US-Verkaufsversion in den Langzeittest. Fett im Krieg Was ist ein Oger? Ein Fettsack mit Keule. Aber das müssen Sie nicht wissen.

World of WarCraft Geflügelter Löwe

In World of WarCraft finden Sie sich auch zurecht, wenn Sie die Strategieserie nicht kennen. Zwei Bündnisse bekriegen einander: Allianz (Menschen, Zwerge, Nachtelfen, Gnome) und Horde (Orcs, Tauren, Untote, Trolle). Zu Beginn wählen Sie ein Volk und eine von neun Klassen: Krieger, Paladin, Schamane, Priester, Druide, Schurke, Jäger, Hexer oder Magier. Das Aussehen Ihres Charakters passen Sie an, indem Sie aus wenigen vorgegebenen Gesichtern und Frisuren wählen – so dass pro Rasse nur wenige Varianten möglich sind. Und Sie irgendwann einem Charakter begegnen, der genauso aussieht wie Ihrer.

Dennoch identifizieren Sie sich mit Ihrem Helden. Weil Sie bestimmen, wie er sich verhält. Ob er als netter Krieger oder mürrischer Magier durchs Land zieht. Als Solist oder in einer Gruppe. Ihre Entscheidung. Ihr Charakter. Nicht jedes Volk bietet jede Klasse. Naturverbundene Orcs etwa bilden keine Priester aus. Die Fähigkeiten der Charaktere sind gut abgestimmt. Krieger eignen sich gut als Nahkämpfer (»Tanks« im Onliner-Slang). Auch Paladine teilen ordentlich aus und setzen zudem Heilzauber sowie Auren ein, die Verbündete stärken. Schlagkräftige Schamanen pflanzen Totems in die Erde – Statuen, die zum Beispiel den Verteidigungswert naher Freunde erhöhen. Priester heilen und nutzen »Buffs«: Verzauberungen, die unter anderem mehr Lebenspunkte spendieren. Druiden verwandeln sich in Bestien, etwa Raubkatzen. Schurken pirschen unsichtbar an Feinde heran. Jäger zähmen ein Tier und hetzen es auf Gegner, während sie selbst mit dem Bogen schießen. Hexer beschwören einen Dämon. Magier bearbeiten Gegner mit Feuer–, Eis- oder arkaner Magie.

Gemetzel unter Freunden

World of Warcraft : Beim Ausflug unserer Dreiergruppe in die Ausgrabungsstätte Uldaman greift ein schlagkräftiger Obsidian-Golem an. Beim Ausflug unserer Dreiergruppe in die Ausgrabungsstätte Uldaman greift ein schlagkräftiger Obsidian-Golem an. Egal, welche Klasse Sie wählen: Alle Abenteuer können Sie alleine bestreiten, auch in höheren Levels. Denn selbst klassische Unterstützer kämpfen ordentlich solo. Priester etwa richten mit Offensivzaubern und ihrer Keule schon zu Beginn viel Schaden an. Zudem regenerieren Lebens- und Manapunkte sehr schnell – Leerlauf gibt's fast keinen. Daher spielt sich World of WarCraft schneller, actionreicher als die Konkurrenz (Dark Age of Camelot, Everquest 2 & Co.).

Einer Gruppe müssen Sie sich nur anschließen, wenn Sie starke Monster metzeln oder für Ihren Level eigentlich zu schwere Quests lösen wollen. Da das massig Erfahrungspunkte bringt, steigen Gruppenmitglieder schneller im Level auf als Solisten. Tolle Idee: Wenn Sie sich in einer Stadt ausloggen und längere Zeit nicht spielen, startet Ihr Charakter »ausgeruht « und verdient kurzfristig mehr Erfahrung. So schließen Sie zu Freunden auf, falls die fleißig weiter gespielt haben. Das Spielerlebnis hängt davon ab, welche Serverart Sie wählen. Auf PvP-Servern kämpfen Sie häufig gegen menschliche Spieler. Hoffentlich nicht gegen Paladine oder Schamanen, die teilen im Nahkampf kräftig aus und können sich auch noch selbst heilen: zu mächtig für faire Kämpfe zwischen Spielern. Auf PvE-Servern geht's gegen Monster. Und Rollenspiel-Server sind etwas ganz Besonderes. Aktionen sprechen Sie über die unkomfortable Chatfunktion ab. Statt per Karteikarte à la Dark Age of Camelot wählen Sie den Chatkanal über kryptische Befehle: »/1 Jemand für die ›Goldzahn‹-Quest?« schickt Ihre Anfrage beispielsweise über den allgemeinen Kanal.