Wer einen Windows-Rechner verwendet, lernt ihn früher oder später kennen: den Bluescreen. Findet der Rechner ein Problem und muss neu starten, dann setzt er uns zur Information den gleichermaßen ikonischen wie gefürchteten blauen Bildschirm vor.
Und genau diesen Bildschirm umgibt seit Jahren ein ungelöstes Rätsel – so die Geschichte, die man sich im Internet erzählt. Denn auch nach 30 Jahre nach seiner Einführung in den 1990ern soll nicht klar sein, wer den Code für den Absturzbildschirm geschrieben hat.
Zur Auswahl sollen nämlich drei Autoren stehen:
- Steve Ballmer, der frühere CEO von Microsoft
- Raymond Chen, Buchautor und langjähriger Softwareentwickler bei Microsoft
- John Vert, ebenfalls Softwareentwickler bei Microsoft
Ein Missverständnis und eine Klarstellung mit Lücken
Den Ursprung des Mysteriums findet man in einem Blogbeitrag von Chen aus dem Jahr 2014.
Dort schrieb der Entwickler, dass CEO Ballmer unter Windows 3.1 den Code für das [Strg]+[Alt]+[Entf]-Menü geschrieben habe. Dadurch entstand wohl versehentlich das Gerücht, Ballmer sei auch der Autor hinter dem Code des Bluescreens.
Kurz darauf stellte Chen in einem weiteren Blogbeitrag klar: Steve Ballmer hat den Text für den Bluescreen of Death nicht geschrieben.
Später folgte die Aussage von Chen, er selbst sei es, der zumindest teilweise hinter dem Bluescreen unter Windows 95 stecke: Und ich bin der, der ihn geschrieben hat. Oder ihn zumindest modifiziert hat.
Letzterer Teil der Aussage bezieht sich darauf, dass der Bluescreen bereits vor Windows 95 existiert hat, Chen also nicht der alleinige Entwickler des Bluescreens sei.
5:00
Wir ignorieren die Windows-Warnung, den PC nicht auszuschalten und es passieren merkwürdige Dinge
Weder Chen noch Ballmer: Wer ist der Autor des Bluescreens?
Sieben Jahre lang war das der Stand: Chen modifizierte den Bluescreen, der originale Autor der Fehlermeldung blieb aber unbekannt. Erst 2021 kam wieder Bewegung in die Sache.
Ein weiterer Microsoft-Entwickler, Dave Plummer, äußerte sich zu dem Fall. Laut ihm sei ein Kollege namens John Vert der ursprüngliche Verfasser des Codes.
Er habe mit Vert selbst gesprochen und würde sogar den Grund für die blaue Farbe des Screens kennen: Auch Verts Computer und sein Editier-Programm hätten einen blauen Hintergrund genutzt und so hätte sich eine einheitliche Erfahrung
ergeben. Vert bestätigte die Aussagen später selbst.
Eine endlich geklärte Frage – oder?
Vor ein paar Tagen hat Raymond Chen, bei dem das Rätsel seinen Ursprung findet, dem Mysterium erneut einen Blogbeitrag gewidmet. Darin will er die Sache ein für alle Mal klären.
Demnach hätte es im Lauf der Windows-Historie drei verschiedene Bluescreens gegeben, alle von verschiedenen Autoren.
- Begonnen habe alles 1992 mit dem Bluescreen of Unhappiness, einem Infobildschirm, dessen Text (nicht aber der Code) direkt von Steve Ballmer stammt. Der Absturzbildschirm sei damals aber noch schwarz und nicht blau gewesen.
- 1993 habe John Vert dann den bekannten Windows NT Kernelfehler entwickelt, der als typischer Bluescreen of Death bekannt wurde.
- Er selbst habe 1995 unter Windows 95 ebenfalls einen Bluescreen of Death modifiziert, der auf einen Kernelfehler beim Betriebssystem hinweist.
Damit sei klar, je nach Betrachtung habe es keinen Originalautor des Bluescreens gegeben, sondern gleich mehrere. Das Rätsel, dass sich aus seinem Blogbeitrag unwillentlich 2014 ergab, sei also gar keines.
Mehr lesen: Windows 11: Nutzer halten Änderung im Datei-Explorer erst für einen Fehler – jetzt äußert sich Microsoft
Ende gut, alles gut? Na ja, nicht ganz, denn was Chens Beitrag nicht klärt: Wenn Ballmer 1992 nur den Text des Bluescreens verfasst hat – von wem stammt dann der Code? Wer weiß, vielleicht bekommen wir die Antwort darauf in ein paar Jahren, wenn sich unweigerlich ein weiterer Microsoft-Entwickler äußern wird und das Mysterium neu aufrollt.
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