Nach über 5 Jahren leben im Tiny House: »Was ich an Nebenkosten und Möbelausgaben spare, zahle ich mit verpassten Familientreffen und dem Verlust des Zusammengehörigkeitsgefühls, das entsteht, wenn man Platz zum Teilen hat.«

Ein besonders kleines Haus zu bauen beziehungsweise zu bewohnen, kann viele Vorteile haben – aber auch große Nachteile, wie ein Erfahrungsbericht zeigt.

Amber McDaniel schildert sehr ehrlich, wie es sich in einem Tiny House auf Dauer lebt. (Bild: Business Insider) Amber McDaniel schildert sehr ehrlich, wie es sich in einem Tiny House auf Dauer lebt. (Bild: Business Insider)

Sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, ist heutzutage durch hohe Kosten in verschiedenen Bereichen alles andere als leicht.

Eine deutlich günstigere Möglichkeit besteht darin, sich für ein sogenanntes Tiny House zu entscheiden, also für ein besonders kleines Haus mit sehr begrenztem Platzangebot.

Doch während man meinen könnte, dass wenig Raum und die dadurch geringere Zahl an Besitztümern das größte Problem dabei sind, zeigt ein Erfahrungsbericht der Amerikanerin Amber McDaniel andere zentrale Schwierigkeiten: die negativen Auswirkungen auf soziale Beziehungen.

Ihr passendes Essay wurde im Business Insider veröffentlicht. Daraus stammt auch das Zitat in der Überschrift dieses Artikels.


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Die Dinnerparty im begehbaren Kleiderschrank

McDaniel lebt seit über fünf Jahren mit ihrem Partner in einem Tiny House.

Im Business Insider weist sie zwar auf die damit verbundenen positiven Aspekte des bewussten Minimalismus, geringer Nebenkosten und weniger Reinigungsaufwands hin. Doch es ist ihr offenbar ein wichtiges Anliegen, auch die Schattenseiten klar zu benennen. Im Kern fasst sie diese folgendermaßen zusammen:

Die größte Herausforderung waren die unerwarteten Auswirkungen auf mein soziales Leben und die Art und Weise, wie mein Zuhause meine Beziehungen zu den Menschen, die ich liebe, geprägt, belastet und eingeschränkt hat.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist die stark eingeschränkte Möglichkeit, Familie und Freunde einzuladen und daheim zu bewirten. Das sei ungefähr so wie der Versuch, eine Dinnerparty in einem begehbaren Kleiderschrank zu veranstalten, so McDaniel: Es geht zwar, aber es ist nur sehr selten ein Spaß für alle Beteiligten.

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Das Wohnmobil als Gästezimmer

Auch abseits von größeren Feiern stellt sich das Tiny House von McDaniel als ein Hindernis für das Empfangen von Besuch dar.

Für Gäste steht zwar nebenan ein Wohnmobil zur Verfügung. Im Vergleich zu einem richtigen Zimmer mit Heizung und Bad in normaler Größe ist das Übernachten dort aber deutlich weniger komfortabel. Und wer stattdessen im Hotel schläft, muss höhere Kosten für den Besuch einplanen.

Erschwerend hinzu kommt, dass die Familien von McDaniel und ihrem Partner weit weg wohnen mit einer Anfahrt von über sieben Stunden. Ihre wenig erfreuliche Zusammenfassung dieser Situation lautet folgendermaßen:

Anfangs fühlte sich das Leben in einem Tiny House befreiend an. Es gab keinen Druck, Gäste einzuladen, und keinen Stress, mein Haus stets besuchsbereit zu halten. Doch nach und nach wurde mir klar, dass dies auch bedeutete, dass ich weniger Einfluss darauf hatte, wie und wann ich mit anderen Menschen in Kontakt trat.

McDaniels Mutter stört sich nicht daran, als Gast in einem Wohnmobil zu schlafen. Diese Lösung kommt aber nicht für möglichen Besucher wirklich in Frage. (Bild: Business Insider) McDaniels Mutter stört sich nicht daran, als Gast in einem Wohnmobil zu schlafen. Diese Lösung kommt aber nicht für möglichen Besucher wirklich in Frage. (Bild: Business Insider)

Auch der gemeinsame Alltag wird erschwert

Ebenfalls nicht zu vergessen und auch von McDaniel angesprochen sind die Schwierigkeiten im gemeinsamen Alltag mit ihrem Partner.

Stark begrenzter Raum bedeutet kaum vorhandene Rückzugsmöglichkeiten. Etwas, mit dem man sich zwar arrangieren kann, doch ohne Kompromissbereitschaft geht es auch hier wieder nicht:

Manchmal ist das so einfach wie ein Spaziergang oder das ruhige Zusammensein im selben Raum, wobei wir beide so tun, als wäre der andere nicht da. In anderen Fällen nutze ich meine Reiselust und die Tatsache, dass mein Partner eher ein Stubenhocker ist, indem ich alleine verreise, sodass wir beide etwas Freiraum haben.


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Wer den Erfahrungsbericht von McDaniel liest, dürfte sich danach zweimal überlegen, ob ein Tiny House wirklich die richtige Lösung für das eigene Leben ist.

Die Schwierigkeiten, die sie schildert, sind zwar allesamt keine Überraschung. Sie stellen aber dennoch ein gewisses Gegengewicht zu den unserer Wahrnehmung nach oft eher stark positiv konnotierten Berichten über Tiny Houses dar.


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