Neue Gebühr bei AliExpress und Temu: Welcher Tech-Kleinkram aus China nicht mehr lohnt

Seit November werden China-Bestellungen für Händler teurer. Wir rechnen vor, wann sich Kabel, Hüllen und Smart-Home-Zubehör noch lohnen – und wann nicht.

Online-Shopping und kleine Pakete: Neue EU-Abgaben können den Preisvorteil günstiger Direktimporte schmälern. Symbolbild. (Bildquelle: Nataliya Vaitkevich Pexels) Online-Shopping und kleine Pakete: Neue EU-Abgaben können den Preisvorteil günstiger Direktimporte schmälern. Symbolbild. (Bildquelle: Nataliya Vaitkevich / Pexels)

Ein USB-Kabel für vier Euro, dazu ein günstiger Adapter und ein Sensor fürs Smart Home: Bei AliExpress oder Temu ist der Warenkorb schnell gefüllt.

Seit dem 1. November müssen Händler bei Importen in die EU allerdings eine weitere Gebühr einkalkulieren. Gerade kleine Schnäppchen geraten unter Druck.

Warum aus drei Euro plötzlich fünf werden

Seit Juli gilt bei Direktimporten bis 150 Euro ein Zoll von drei Euro je Warenposition. Nun kommen zwei Euro EU-Bearbeitungsgebühr hinzu – ebenfalls je Position, aber unabhängig vom Warenwert. Das bestätigt die Europäische Kommission.

Entscheidend ist die zollrechtliche Einordnung: Mehrere gleiche Produkte können als eine Position gelten. Unterschiedliche Waren im selben Paket werden dagegen getrennt berechnet. Ein voller Warenkorb spart deshalb nicht automatisch Gebühren.

Video starten 6:25 Mit so einem Riesenpaket hätte ich nicht gerechnet – der neue Asus-Handheld im Unboxing

Wichtig: Die Abgaben schulden zunächst Händler beziehungsweise Importeure, nicht automatisch ihr als Käufer. Ob die Kosten über höhere Preise weitergegeben werden, hängt vom Anbieter ab.

Welche Gadgets sich noch rechnen

Gerade bei günstigem Technikzubehör können die neuen Abgaben den Preisvorteil vollständig aufzehren. Zwei vereinfachte Modellrechnungen zeigen, wie deutlich der Unterschied ausfallen kann. Dabei gehen wir davon aus, dass die Händler sämtliche Abgaben weitergeben. Tatsächliche Shop-Preise und mögliche Versandkosten bleiben unberücksichtigt.

  • Ein USB-Kabel für vier Euro: Bei einer Warenposition fallen insgesamt fünf Euro Abgaben an. Aus dem ursprünglichen Preis von vier Euro würden rechnerisch neun Euro – mehr als doppelt so viel. Die Gebühren wären damit sogar höher als der Warenwert.
  • Ein gemischter Warenkorb: Ein Adapter für vier Euro, Controller-Zubehör für sechs Euro und ein Smart-Home-Sensor für acht Euro kosten zusammen 18 Euro. Werden alle drei Produkte unterschiedlichen Zollpositionen zugeordnet, kommen 15 Euro Abgaben hinzu. Der Gesamtpreis steigt damit auf 33 Euro – fast das Doppelte des ursprünglichen Warenwerts.

Die Faustregel: Je günstiger die einzelnen Produkte und je unterschiedlicher die Warenarten, desto stärker können die Gebühren ins Gewicht fallen. Bei mehreren gleich eingestuften Artikeln verteilt sich die Belastung dagegen auf die Stückzahl. Ob der Direktimport tatsächlich günstiger bleibt, entscheidet letztlich der Gesamtpreis beim Händler.

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Hilft der Versand aus einem EU-Lager?

Ja, wenn die Ware bereits in der EU verzollt und im freien Verkehr ist. Ein EU-Lager allein garantiert das nicht: Bei unverzollter Ware aus einem Zolllager können Importabgaben weiterhin anfallen. Prüft daher den endgültigen Bestellpreis.

Auch bei Rücksendungen lohnt ein Blick: Die EU-Bearbeitungsgebühr wird vom Zoll nach Annahme der Anmeldung nicht erstattet. Ob ein Händler sie euch trotzdem zurückzahlt, ist eine andere Frage.

Wie Billigplattformen arbeiten, haben wir im Temu-Ratgeber erklärt. Und die bisherige Drei-Euro-Regel war erst der Anfang.

Fazit: Nicht der Artikelpreis entscheidet

Günstige Hüllen, Kabel und Adapter aus China können sich weiterhin lohnen – insbesondere als Sammelbestellung gleichartiger Ware oder bei bereits verzolltem EU-Bestand.

Bei einzelnen Kleinteilen und bunten Warenkörben würde ich heute zuerst den EU-Preis prüfen. Was zählt, ist der Betrag an der Kasse samt Versand und möglichen Abgaben. Das vermeintliche Schnäppchen ist sonst schnell keines mehr.


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