Android verliert bald sein Alleinstellungsmerkmal – und wird ein Stück mehr wie Apple

Google kündigt an, dass demnächst Sideloading von Apps eingeschränkt wird, wenn die Entwickler sich vorher nicht verifiziert haben.

Android verschärft die Bestimmungen zum Einreichen von Apps. Android verschärft die Bestimmungen zum Einreichen von Apps.

Google bereitet eine grundlegende Änderung für das Android-Ökosystem vor, die eine der wichtigsten Unterscheidungen zu Apples iOS aufhebt.

Ab September 2026 müssen sich alle Entwickler bei Google registrieren und ihre Identität verifizieren lassen, bevor ihre Apps auf Android-Geräten installiert werden können – unabhängig davon, ob die Installation über den Google Play Store oder durch Sideloading erfolgt.

Video starten 0:38 Material 3 Expressive: Google stellt das neue Design für Android 16 vor

Das Ende der anonymen App-Entwicklung

Die Neuerung betrifft zunächst Brasilien, Indonesien, Singapur und Thailand ab September 2026, bevor sie 2027 schrittweise weltweit eingeführt wird. Bisher war eine Registrierung bei Google nur für Apps erforderlich, die über den Play Store vertrieben werden sollten. Apps, die direkt installiert oder über alternative App-Stores bezogen wurden, konnten vollständig anonym bleiben.

Künftig müssen Entwickler eine »Android Developer Console« einrichten und dabei umfangreiche persönliche Daten preisgeben.

  • Dazu gehören Name, Adresse, E-Mail-Adresse und Telefonnummer, die durch Belege wie Rechnungskopien nachgewiesen werden müssen.
  • In vielen Ländern ist zusätzlich das Hochladen eines behördlichen Lichtbildausweises erforderlich. Für Entwickler im deutschsprachigen Raum schreibt Google vor, dass der Ausweis von einer Behörde im Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz stammen muss – wer das nicht erfüllt, bleibt außen vor.

Zusätzliche Hürden für Unternehmen

Juristische Personen stehen vor weiteren Anforderungen: Sie müssen bei der Firma Dun & Bradstreet eine sogenannte DUNS-Nummer beantragen. Obwohl dieser Vorgang gebührenfrei ist, kann er bis zu 30 Tage dauern. In manchen Ländern ist eine kostenpflichtige Expressbearbeitung möglich, die dennoch mehrere Werktage in Anspruch nimmt.

Die Registrierung kostet einmalig 25 US-Dollar und muss mit einem Google-Zahlungsprofil verknüpft werden. Google kündigt zwar einen weniger aufwendigen Prozess für »Studenten und Hobby-Entwickler« an, Details dazu sind jedoch bisher nicht verfügbar.

iOS-Vorgaben als Blaupause

Googles Entscheidung orientiert sich stark an Apples langjährigem Modell der strikten Entwicklerkontrolle:

  • Apple verlangt seit jeher von allen iOS-Entwicklern eine kostenpflichtige Mitgliedschaft im Apple Developer Program für 99 US-Dollar jährlich. Jede App muss mit einem von Apple ausgestellten Zertifikat signiert werden, und die Identität aller Entwickler wird vor der Zertifikatserstellung überprüft.
  • Dieses System der verpflichtenden Code-Signierung hat Apple jahrelang als Sicherheitsvorteil vermarktet. Es stelle sicher, dass alle Apps aus bekannten und vertrauenswürdigen Quellen stammen und nicht manipuliert wurden, argumentiert der Konzern.

EU-Regulierung zwingt Apple zur Öffnung

Ironischerweise durchläuft Apple durch EU-Regulierung gerade den umgekehrten Prozess. Der Digital Markets Act (DMA) zwang den Konzern dazu, iOS in der Europäischen Union für alternative App-Stores und Sideloading zu öffnen. Seit iOS 17.4 im März 2024 können EU-Nutzer erstmals Apps außerhalb des App Stores installieren, allerdings nur unter strengen Auflagen.

Googles Malware-Argument – Entwickler ziehen MS-Vergleich

Google rechtfertigt die neuen Beschränkungen in der Ankündigung mit Sicherheitsbedenken. Eine interne Analyse habe ergeben, dass über »internet-sidegeloadete Quellen« mehr als 50-mal häufiger Malware verbreitet werde als über den Google Play Store. Die Verifizierung solle es Kriminellen erschweren, nach der Entfernung einer schädlichen App schnell eine neue zu verbreiten.

  • Produktmanagerin Suzanne Fey betont, Android bleibe trotz der neuen Anforderungen ein offenes System. Entwickler behielten »dieselbe Freiheit, ihre Apps direkt an Nutzer zu verteilen oder jeden bevorzugten App-Store zu verwenden«.
  • Die Maßnahme entspreche einer »Ausweiskontrolle am Flughafen« – sie bestätige lediglich die Identität des Entwicklers, ohne den Inhalt der App zu prüfen.

Die angesprochenen Entwickler selbst sehen die Änderungen indes deutlich kritischer.

Im Androiddev-Subreddit fasst »yaaaaayPancakes« die Gemütslage zusammen: »Ich kann eine App auf einem Windows-Computer aus jeder Quelle installieren, ohne dass Microsoft sie verifiziert. Ein Android-Gerät ist ein Computer wie jeder andere. Es muss nicht so sein. Es ist so, weil ein Riesenkonzern es kontrolliert«.

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