Ich lege Wert auf Klangqualität, deshalb habe ich eine Art von Kopfhörern gemieden – Ich wurde eines Besseren belehrt

Anker Soundcore AeroClip 2 im Test: Die Knöpfe machen Open-Ear für mich endlich zur Alternative.

Die AeroClip 2 doppeln sich als stylisches Accessoire. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Die AeroClip 2 doppeln sich als stylisches Accessoire. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

In meiner Laufbahn als Tech-Redakteur habe ich unzählige Kopfhörer getestet. Open-Ear gingen aus einem Grund nie an mich: Sie sind nicht auf Klangqualität ausgelegt; Ihr Fokus liegt vor allem auf Sport und dass man seine Umgebung mitbekommt.

Auftritt: Anker Soundcore AeroClip 2. Nachdem mich die Liberty 5 Pro überraschenderweise weggeblasen haben, schafft es der Hersteller ein weiteres Mal – nur diesmal mit einem Open-Ear-Modell.

Perfekt sind die kabellosen Kopfhörer keineswegs, aber ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung.

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Anker Soundcore AeroClip 2
Anker Soundcore AeroClip 2
Nein, Anker erfindet das Rad mit den Soundcore AeroClips 2 nicht neu – aber sie machen die Sache erst richtig rund. Open-Ear-Kopfhörer haben nämlich selten so gut geklungen; ein kaum merkbares Tragegefühl und ordentlicher Klang gehen Hand in Hand.

Auch sonst ist alles an Bord, was man für Sportkopfhörer braucht: nach IP57 wasserfest, ein kompaktes Case für die Hosentasche, starke Akkulaufzeit und eine praktische App mit vielen kleinen Funktionen – und die glasklare Anrufqualität, die es auch bei den Liberty 5 Pro-Modellen gibt.

Viel auszusetzen gibt es nicht. Eine Trageerkennung wäre nett gewesen. Und natürlich darf man nicht viel Bass erwarten, der bei dieser Bauweise schlichtweg verloren geht. Wer dedizierte Kopfhörer zum Musikhören mit Audioqualität im Fokus sucht, wird auch in Zukunft mit In- Ears und vor allem Over-Ears sehr viel glücklicher sein.
  • Starker Klang für Open-Ears
  • Sehr angenehm zu tragen
  • Kompaktes Case
  • Große Funktionsvielfalt
  • Glasklare Sprachqualität
  • Lange Akkulaufzeit
  • Keine Trageerkennung
  • Bass ein wenig schmalbrüstig

Anker Soundcore AeroClip 2: Design und Funktionen

Anstatt mit den Hörern selbst anzufangen, gehe ich zunächst aufs Case ein. Das hat mich aus dem Stegreif mit zwei Dingen überzeugt.

  • Das Böxchen ist ein richtiger Handschmeichler. Ein mattes Finish fasse ich stets gerne an. Außerdem wirkt es dadurch hochwertig.
  • Besonders im Vergleich zu den anderen Anker-Soundcore-Kopfhörern, die ich im Test hatte, ist das Case sehr kompakt.

Entsprechend kompakt sind auch die Open-Ear-Kopfhörer selbst: ein winziger Treiber verbunden mit einem Gegengewicht, das hinters Ohr kommt.

Auf den ersten Blick mag das Einsetzen trivial wirken, wer aber noch nie Open-Ear-Kopfhörer verwendet hat, mag zunächst verwirrt sein.

So zieht man die Open-Ears an:

  • Das Ende mit dem breiten »Knopf« kommt hinters Ohr. Er dient als Stabilisator.
  • Der Bogen wird von der Hinterseite des Ohrs in die Innenseite gelegt, sodass es aussieht, als würde man einen Ohrring tragen.
  • Der kleinere der beiden Enden besitzt den Treiber, aus dem die Musik kommt. Das wird auf oder an die Ohröffnung gelegt.
  • Versucht nicht, besagtes Ende wie einen In-Ear ins Ohr zu stopfen. Das wird nicht klappen (und soll es auch nicht).

Und so sieht das dann aus:

Der Tragekomfort ist und bleibt eine der größten Stärken von Open-Ear-Modellen. Im Falle der AeroClip 2 sind sie so leicht, dass man sie kaum bemerkt – und ich meine das wortwörtlich. Würde keine Musik dudeln, dann würde ich vermutlich vergessen, dass ich sie trage.

Die AeroClip 2 besitzen außerdem eine Handvoll Features, die sie in der Summe richtig vielseitig machen.

  • Krasse Akkulaufzeit von rund 8 Stunden mit einer Ladung. Aus dem Case bekommt ihr nochmal bis zu 32 on top. Dieser hervorragende Wert liegt natürlich am fehlenden Noise Cancelling.
  • Bluetooth 6.0 erlaubt höher auflösende Audiocodecs wie LDAC.
  • Ein Nickerchen-Modus liefert White-Noise verschiedenster Geschmacksrichtungen zum besseren Einschlafen. Das finde ich wahnsinnig clever bei Kopfhörern, die man sowieso kaum merkt beim Tragen.
  • Simultan Übersetzungen mittels KI sind ebenfalls an Bord.

Ich habe mir jetzt vier Dinge herausgepickt, in den AeroClip 2 stecken allerhand clevere Features. Einstell- und konfigurierbar sind die über die Anker Soundcore-App. Dazu zählt unter anderem auch die bockstarke Sprachqualität, die man von den Liberty 5 Pro kennt.

Equalizer, personifizierbare Gestensteuerung oder 3D-Sound gehören ebenfalls zu den Funktionen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Equalizer, personifizierbare Gestensteuerung oder 3D-Sound gehören ebenfalls zu den Funktionen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Aus dem Stand sind die AeroClip 2 vollgepackt mit Funktionen. Klar, einige wie das Übersetzungs-Feature sind nicht für jeden interessant, aber die schiere Masse finde ich beeindruckend. Anker hätte sich all das locker auch sparen können, da es sich bei Open-Ears um eine spitze Nischenzielgruppe handelt – aber das haben sie nicht und das finde ich sehr löblich.

Anker Soundcore AeroClip 2: So klingen sie

Allein wegen der Funktionsvielfalt könnte man sich die Open-Ears schon zulegen. Man bekommt hier einfach ein dickes Paket. Für mich persönlich ist und bleibt der Klang aber wichtigsten – und da haben mich Open-Ear-Konzepte nicht überzeugen können.

Bis jetzt.

Das Problem ist Folgendes:

  • Open-Ear-Kopfhörer sitzen am Hörkanal und nicht daran. Weil sie auch nicht die Ohren umschließen, gehen Klangdetails verloren. Das liegt zum einen an der Verbreitung des Schalls, zum anderen an den Außengeräuschen, für die das Ohr offen ist.
  • Hinzu kommt, dass Bass darunter am meisten leidet, weil tiefe Töne sich am ehesten sprichwörtlich in Luft auflösen.

Als jemand, der sehr viel Wert auf astreinen Klang legt, sind das No-Gos. Die AeroClip 2 konnten mich jetzt aber zum ersten Mal vom Klang von Open-Ear überzeugen.

Lieder, die wenig basslastig sind und einen Fokus auf Gesang haben oder recht poppig sind, schaffen die AeroClip 2 mit Bravour.

  • Lieder wie Pharrell Williams’ Get Lucky (Spotify) oder Queens Don’t Stop me Now (Spotify) sind kein Problem für die Knöpfe.
  • Auch Songs mit Fokus auf den Gesang – Balladen wie Hello von Adele (Spotify) – bringen die AeroClip 2 nicht ins Schwitzen.

Damit decken die Open-Ears bereits eine Palette ab, vor allem Lieder, die man vermutlich beim Sport oder draußen hören würden. Solche, die gut ins Ohr gehen.

Obwohl die AeroClip 2 Bass für ihre Bauart gut darstellen, fehlt es ihnen letzten Endes natürlich trotzdem an Druck. Billie Eilishs bad guy oder 99.9 von Mob Choir wird auf In-Ears oder Over-Ears immer besser klingen. Das kann man den Ankers nicht zum Vorwurf machen, angemerkt sei es dennoch.

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Klar ist auch, dass Klangbühne und Details im luftleeren Raum verloren gehen. Hier sprechen wir aber von Elementen eines Songs, die man in Ruhe und bewusst genießt und nicht beim Sport oder auf der Straße.

Wissenswertes zum Test
So habe ich getestet

Ich habe die Anker Soundcore AeroClip 2 etwa drei Wochen in diversen Lebenslagen getestet, sowohl drinnen als auch draußen.

Spezifikationen
  • Bauform: Open-Ear, Clip-on
  • Treibereinheit: 12 mm, dynamisch, titanbeschichtet
  • Bluetooth: 6.0
  • Audio-Codecs: SBC, AAC, LDAC
  • Multipoint: Ja, bis zu 2 Geräte gleichzeitig
  • Frequenzbereich: 20 Hz – 20 kHz
  • Mikrofone: 4 Mikrofone und 2 Vibrationssensoren (VPU)
  • Wasser- und Staubschutz: IP57
  • Akkulaufzeit: Bis zu 8 Stunden
  • Akkulaufzeit mit Ladecase: Bis zu 32 Stunden
  • Telefonie-Akkulaufzeit: Bis zu 5 Stunden
  • Schnellladen: 10 Minuten für bis zu 4 Stunden Wiedergabe
  • Ladeanschluss: USB-C
  • Gewicht: Ca. 6,2 g pro Ohrhörer
  • Besonderheiten: 3D-Surround-Sound, KI-Übersetzung, KI-Aufnahme
Preis und Verfügbarkeit

Die Anker Soundcore AeroClip 2 bekommt ihr für 180 Euro. 

Die Anker Soundcore AeroClip 2 sind für euch, wenn …

  • … ihr Open-Ear-Kopfhörer für Sport oder draußen sucht, die ebenfalls gut klingen.
  • … ihr Kopfhörer sucht, die ihr beim Tragen kaum bemerkt.
  • … euch eine hohe Funktionsvielfalt wichtig ist.

Mögliche Alternativen zu den Anker Soundcore AeroClip 2:

  • Shokz OpenDots 2: Die Open-Ears von Shokz schlagen in dieselbe Kerbe: leicht auf dem Ohr, ein ähnliches Klangbild zu den AeroClip 2. Shokz stellt solche Kopfhörer seit Jahren her und hat deshalb mehr Erfahrung gesammelt. Preislich liegen die Open-Ears bei 200 Euro.
  • Anker Soundcore Liberty 5 Pro: Wenn euch die Funktionen angesprochen haben und ihr großen Wert auf Soundqualität legt, dann sind diese In-Ears für euch. Da bekommt ihr dann das klassische Erlebnis mit ANC und allem Brimborium – nur eben mit geschlossenem Formfaktor. Die normale Pro-Version kostet ebenfalls 180 Euro.

Für den persönlichen Gebrauch werde ich mir wohl keine Open-Ears zulegen, da habe ich auf absehbare Zeit meine beiden Favoriten. Für mich zählt Klangqualität einfach über allem, da grätscht der offene Formfaktor einfach rein.

Wenn ich jedoch in Zukunft Sportkopfhörer empfehle, dann die hier. Ich bin nicht die Zielgruppe, aber die Zielgruppe für die AeroClip 2 werden auf jeden Fall gut bedient sein. Als ich mit meinem Kollegen Linh über die Kopfhörer sprach, hatte er aber ein gutes Argument für Open-Ears. Er empfinde Musik darüber zu hören wie als liefe ein Soundtrack zum Alltag – und das ist schon ziemlich cool.


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