Die Debatte um Datenschutz und künstliche Intelligenz hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Während Unternehmen wie OpenAI mit beeindruckenden und immer größeren Modellen wie GPT-4o die Möglichkeiten der KI erweitern, nimmt Apple eine besondere Position ein.
Mit der Einführung von Apple Intelligence verfolgt das Unternehmen das Ziel, eine leistungsstarke KI zu entwickeln, die gleichzeitig Datenschutzstandards entspricht, die uns gerecht sein sollten. Doch wie will Apple dieses ambitionierte Vorhaben umsetzen und was bedeutet das für uns alle?
Was ist Apple Intelligence und wie funktioniert es?
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Apple Intelligence ist ein neues, personalisiertes Intelligenz-System, das nahtlos in iOS 18, iPadOS 18 und macOS Sequoia integriert wird. Es nutzt hochentwickelte generative Modelle, die speziell für alltägliche Aufgaben der Nutzer optimiert werden.
Diese Modelle können Texte schreiben und verfeinern, Benachrichtigungen priorisieren und zusammenfassen, spielerische Bilder für Konversationen erstellen und In-App-Aktionen durchführen. Apple Intelligence hat dabei Zugriff auf den gesamten Inhalt von eurem Gerät.
Zwei Hauptkomponenten bilden das Rückgrat: Ein ~3 Milliarden Parameter umfassendes On-Device-Sprachmodell und ein größeres, serverbasiertes Sprachmodell, das auf Apple-Silicon-Servern läuft.
Euer Apple-Gerät entscheidet je nach Komplexität des Befehls, ob die On-Device-Verarbeitung ausreicht oder ob das serverbasierte Sprachmodell verwendet werden muss.
Wie werden eure Daten verwendet?
Ein zentrales Anliegen bei der Entwicklung von Apple Intelligence ist der Schutz eurer Privatsphäre. Apple verwendet mehrere Maßnahmen, um sicherzustellen, dass private Daten nicht für das Training der KI-Modelle genutzt werden:
1. On-Device-Verarbeitung
- Was bedeutet das? Viele Aufgaben werden direkt auf dem Gerät des Nutzers ausgeführt, ohne dass Daten an externe Server gesendet werden. Dies bedeutet, dass eure privaten Informationen auf eurem iPhone, iPad oder Mac bleiben.
- Beispiele für On-Device-Aufgaben: Das Schreiben und Verfeinern von Texten, die Priorisierung und Zusammenfassung von Benachrichtigungen sowie die Erstellung von Bildern für Konversationen finden alle auf eurem Gerät statt. Dadurch bleibt eure Privatsphäre geschützt und die Verarbeitung erfolgt schnell und effizient.
2. Private Cloud Compute
- Was bedeutet das? Für komplexere und rechenintensive Aufgaben nutzt Apple dedizierte Apple-Silicon-Server. Diese Server bieten zusätzliche Rechenleistung und Effizienz, während gleichzeitig strenge Datenschutzrichtlinien eingehalten werden sollen.
- Beispiele für Server-basierte Aufgaben: Bei besonders komplexen Sprachverarbeitungsaufgaben oder bei der Analyse großer Datenmengen kann euer Gerät die Apple-Server kontaktieren. Auch hier sollen eure Daten geschützt werden, indem sie anonymisiert und getrennt von den Trainingsdaten der Modelle verarbeitet werden. Es ist auch möglich, die Anfrage an ChatGPT 4o zu senden, wenn ihr das wünscht.
3. Filterung und Anonymisierung
- Was bedeutet das? Bevor Daten für das Training der KI-Modelle verwendet werden, durchlaufen sie einen Filterungsprozess. Persönlich identifizierbare Informationen wie Sozialversicherungsnummern oder Kreditkartennummern werden aus den Daten entfernt.
- Wie funktioniert das? Apple verwendet spezielle Algorithmen, um solche Informationen zu erkennen und zu entfernen. Zusätzlich werden Daten, die öffentlich verfügbar sind und von Apples Web-Crawler AppleBot gesammelt werden, auf ihre Qualität und Relevanz geprüft. Ob Menschen ebenfalls eine Prüfung vornehmen, ist bisher nicht erwähnt worden.
4. Lizenzierte und öffentliche Daten
Apple verwendet lizenziertes Datenmaterial und öffentlich verfügbare Daten, um die KI-Modelle zu trainieren. Web-Publisher haben die Möglichkeit, die Nutzung ihrer Inhalte durch Apple zu unterbinden.
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Könnt ihr Apple vertrauen?
In der Präsentation gestern hat Apple kritisiert, dass ihr beim Anvertrauen eurer Daten den Unternehmen vertrauen müsst, dass sie respektvoll mit ihnen umgehen. Auch wenn sie behaupten, dass sie eure Daten nicht speichern oder für eigensinnige Zwecke missbrauchen, können wir solche Behauptungen nur schwer verifizieren.
Apple hat sich im Laufe der Jahre einen Ruf als Unternehmen aufgebaut, das Datenschutz und Sicherheit sehr ernst nimmt. Dazu kommen drei Maßnahmen, die sicherstellen sollen, dass sie mit Apple Intelligence verantwortungsbewusst mit euren Daten umgehen:
- Transparenzberichte: Apple wird regelmäßig Berichte veröffentlichen, die detaillierte Informationen über ihre Datenschutz- und Sicherheitspraktiken enthalten.
- Unabhängige Audits: Apple lässt seine Datenschutzmaßnahmen und Sicherheitspraktiken von unabhängigen Dritten prüfen.
- Nutzerkontrollen: Nutzer haben die Möglichkeit, Datenschutzeinstellungen auf ihren Geräten anzupassen und zu kontrollieren, welche Daten mit Apple geteilt werden.
So machen es OpenAI, Google und Microsoft
ChatGPT
26:12
OpenAI stellt die nächste Entwicklungsstufe von ChatGPT vor: GPT-4o
Was zeichnet OpenAI auf? Die ChatGPT-Macher sammeln und speichern Kontoinformationen (und alle darin enthaltenen Daten), eure Unterhaltungen mitsamt Dateiuploads, Gespräche mit Mitarbeitern (Feedback-Nachrichten inkludiert) und Social-Media-Daten, wenn ihr mit den Social-Media-Seiten von OpenAI interagiert.
Darüber hinaus sammelt und speichert OpenAI persönliche Daten von öffentlich verfügbaren Quellen im Internet. Die Daten werden auch für das Verbessern der OpenAI-Diensten verwendet – also für das Trainieren von Sprachmodellen.
Allerdings werden alle gesammelten Informationen von den persönlichen Informationen entkoppelt und anonymisiert, bevor sie weiterverarbeitet werden.
Werden eure Unterhaltungen von Prüfern gelesen? OpenAI speichert eure Unterhaltungen und Aktionen in deren Apps und Diensten und prüft sie. Dies dient unter anderem zur Verbesserung der Funktionen, aber auch um kriminelle Aktivitäten und andere Missbräuche zu verhindern.
Opt-Out verfügbar? Ihr habt bei OpenAI vier Optionen, eure Daten zu verwalten:
- Ladet eure Daten herunter
- Die Nutzung eurer Daten für Trainingszwecke widersprechen
- Löschung eures OpenAI-Kontos
- Eure persönliche Daten aus KI-Modell-Antworten entfernen
Gemini
Was zeichnet Google auf? Das Unternehmen zeichnet eure Unterhaltungen und eure Aktionen in Gemini-Apps auf. Die erhobenen Daten werden für die Verbesserung und Entwicklung von Google-Produkten und Diensten verwendet – also auch für das Trainieren von Sprachmodellen.
Werden eure Unterhaltungen von Prüfern gelesen? Ja, das werden sie. Eure Unterhaltungen mit Gemini-Apps werden gelesen, mit Anmerkungen versehen und verarbeitet. Die Verknüpfung der Unterhaltungen mit eurem Konto wird jedoch aufgehoben, bevor Google-Mitarbeiter die Unterhaltung sehen.
Google empfiehlt keine vertraulichen Informationen und Daten in Gemini-Gesprächen anzugeben, die ein Prüfer nicht sehen sollte oder die nicht für das Trainieren von Sprachmodellen verwendet werden sollen.
Opt-Out verfügbar? Wenn ihr 18 Jahre oder älter seid, dann ist die Einstellung für »Aktivitäten in Gemini-Apps« standardmäßig aktiviert. In den Einstellungen von eurem Google-Konto könnt ihr sie deaktivieren.
Copilot
Was zeichnet Microsoft auf? Wie auch bei den anderen beiden Diensten sammelt auch Microsoft personenbezogene Informationen über euch. Der Umfang der Datensammlung ist individuell von euren Kontoeinstellungen abhängig. In Copilot selbst werden eure Unterhaltungen gespeichert.
Wenn die »Personalisierung« aktiviert ist, lässt ihr zu, dass Microsoft euren Chatverlauf verwendet, um Rückschlüsse auf Interessen, Hobbys und mehr zu machen. So sollen Antworten generiert werden, die besser zu euch passen.
Werden eure Unterhaltungen von Prüfern gelesen? Ja, menschliche Prüfer können eure Copilot-Konversationen lesen, kommentieren und verarbeiten. Auch hier gilt, dass ihr keine persönlichen Informationen in den Unterhaltungen preisgeben solltet, die nicht von den Augen anderer Personen gesehen werden sollten. Die Unterhaltungen werden auch für das Training von Sprachmodellen verwendet.
Opt-Out verfügbar? Ihr könnt die Personalisierung euer Ergebnisse über die Einstellungen in eurem Microsoft-Konto deaktivieren.
Ein Blick in die Zukunft
Mit Apple Intelligence will Apple einen Umschwung einleiten, mit personalisierter künstlicher Intelligenz, die nicht nur leistungsstark, sondern auch Datenschutz orientiert sein soll.
In der Zukunft plant Apple, das Spektrum seiner generativen Modelle zu erweitern, einschließlich Sprach-, Diffusions- und Codierungsmodellen.
Apples Ansatz zeigt, dass es möglich sein kann, die Vorteile fortschrittlicher KI-Technologien zu nutzen, ohne die Privatsphäre der Nutzer zu gefährden. Indem Apple einen starken Fokus auf Datenschutz legt, stellen sie sich der Herausforderung, eines der drängendsten Probleme von KI zu lösen.
Was haltet ihr von den Datenschutz-Versprechen von Apple? Vertraut ihr dem Tech-Riesen oder habt ihr weiterhin Sorgen um die Nutzung eurer Daten?
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