Atari VCS Retrokonsole scheint vor dem Aus, Chefentwickler schmeißt hin

Die per Crowdfunding finanzierte Atari VCS Konsole hat offenbar mit massiven Problemen zu kämpfen. Der Chefentwickler des Projekts hat bereits seinen Abschied verkündet.

von Sara Petzold,
10.10.2019 20:07 Uhr

Ataris neu per Crowdfunding aufgelegte VCS Retrokonsole scheint sich gerade für Unterstützer und Entwickler zum Desaster zu entwickeln.Ataris neu per Crowdfunding aufgelegte VCS Retrokonsole scheint sich gerade für Unterstützer und Entwickler zum Desaster zu entwickeln.

Die Hiobsbotschaften für Atari-Fans und Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne für die Atari VCS Konsole reißen nicht ab: Nachdem Atari den Release der Hardware mehrfach verschieben musste, hat jetzt offenbar Rob Wyatt, der Chefentwickler des Projekts hingeschmissen.

Gegenüber The Register erklärte Wyatt, er habe als »Architekt des Atari VCS« am 04. Oktober 2019 gekündigt. Außerdem sagte er, Atari habe seit mehr als einem halben Jahr keine der ausstehenden Rechnungen an seine Firma Tin Giant (welche die technische Entwicklung im Auftrag von Atari übernahm) bezahlt. Letztere habe als »kleines Unternehmen Glück, solange überlebt zu haben«.

Die Konzeptbilder von Ataris neuem VCS ließen noch auf den Charme des Originals in modernem Gewand hoffen - nun scheint das eigentlich 2020 erwartete Ergebnis mehr als fraglich.Die Konzeptbilder von Ataris neuem VCS ließen noch auf den Charme des Originals in modernem Gewand hoffen - nun scheint das eigentlich 2020 erwartete Ergebnis mehr als fraglich.

Nur ein PC in kleinem Gehäuse

The Register erfuhr darüber hinaus von Entwicklern, die mit dem VCS-Projekt vertraut sind, dass Atari offenbar »keine Ahnung hat, wie Spielekonsolen oder das auf Linux basierende Betriebssystem im Herzen der VCS funktioniert«.

Ein Beteiligter bezeichnete die Entwicklung insgesamt als »shit show« - also als ein Projekt, bei dem einfach alles schief läuft.

Anstelle einer echten Konsole mit eigenem Ökosystem hat Atari die VCS demzufolge als simplen x86-PC mit einer Standard Linux-Distribution entworfen - und zwar mit dem Ziel, Geld bei der Entwicklung zu sparen.

Probleme und Verfehlungen geben sich laut The Register gegenseitig die Klinke in die Hand:

  • Atari hat keinen Store, kein eigenes Betriebssystem und dementsprechend keine Kontrolle über Spiele und Software.
  • Die Atari-Controller, für die der Hersteller extra Geld verlangt, funktionieren möglicherweise nicht mit allen Spielen, es gibt keine Standardisierung der Steuerung.
  • Atari hat keine Einigung mit Unity und Unreal erreicht, sodass die Engines nicht auf die neue VCS-Konsole angepasst sind.
  • Die VCS besitzt keine eigenen nativen Apps: Netflix, Amazon Prime Video und Co. funktionieren nur über einen modifizierten Chrome-Browser.
  • Atari weigert sich, Geld an Entwickler für Spieleports auf die VCS zu bezahlen, für die sich das aufgrund der geringen erwarteten Nutzerzahl nicht per se lohnt.

Atari selbst hat sich zu den offenkundigen Problemen mit der Entwicklung der VCS bislang nicht geäußert. Es bleibt außerdem fraglich, ob und inwiefern es dem Unternehmen überhaupt noch gelingt, die Konsole fertigzustellen und auszuliefern.

Selbst wenn Atari den aktuellen Release-Termin im März 2020 halten kann, wird das neue Atari VCS allem Anschein nach nicht mehr als ein kleiner Linux-PC und keine Retrokonsole.


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