Das erste große Atlantik-Glasfaserkabel verabschiedet sich in den Ruhestand: Am Ende war es einfach zu teuer, es zu reparieren

Das erste Glasfaserkabel zwischen den USA und Europa mit einer Länge von rund 6.000 Kilometern wird vom Meeresgrund hochgeholt.

Heutige Unterseekabel sind speziell gegen Haiattacken geschützt, die dem ersten Kabel große Probleme gemacht haben sollen. (Bildquelle: Negro Elkha - adobe.stock.com) Heutige Unterseekabel sind speziell gegen Haiattacken geschützt, die dem ersten Kabel große Probleme gemacht haben sollen. (Bildquelle: Negro Elkha - adobe.stock.com)

Tief auf dem Grund des Atlantiks wird gerade ein Stück Technik-Geschichte demontiert, das unsere moderne Welt erst möglich gemacht hat. Fast vier Jahrzehnte nachdem das erste Glasfaserkabel zwischen den USA und Europa verlegt worden ist, holen Spezialschiffe die Überreste von TAT-8 an die Oberfläche, berichtet das Magazin Wired.

Was im Jahr 1988 als technische Revolution begann, wird nun von Bergungsteams wieder aufgewickelt, um recycelt zu werden.

Video starten 1:46 Der erste große Hollywood-Film über das Internet namens Das Netz ist heute 30 Jahre alt

6.000 Kilometer Internetgeschichte

TAT-8 war das achte transatlantische Telekommunikationskabel, das zwischen den Vereinigten Staaten und Europa gelegt wurde. Anders als die sieben Kabel zuvor setzen die Ingenieure nicht mehr auf Kupfer, sondern Licht als Technologie zur Übertragung von Daten.

Anstatt Strom flossen bei TAT-8 daher Lichtimpulse durch haarfeine Glasfasern. Die Technologie verbesserte die Kommunikation zwischen den beiden Kontinenten nachhaltig.

Der Vorgänger, TAT-7, schaffte bis zu 4.000 Gespräche gleichzeitig zu übertragen. Mit TAT-8 wurde diese Zahl verzehnfacht. Mit 40.000 gleichzeitigen Gesprächen, was einer Datenrate von etwa 280 Mbit/s entspricht, legte das erste Glasfaserkabel im Atlantik im Jahr 1988 einen Grundstein für das heutige Internet.

AT&T, eine der Firmen, die an dem Unternehmen beteiligt waren, veröffentlichte im Jahr 1989 einen Werbespot für dieses Kabel.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt.
Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden.

Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Link zum YouTube-Inhalt

Bereits im Jahr 2002 wurde das Kabel endgültig abgeschaltet. Die kurze Zeitspanne lässt sich durch zwei Ereignisse erklären:

  • Mit TAT-9 bis TAT-14 wurden bis 2001 sechs leistungsstärkere Kabel mit höheren Kapazitäten gelegt. So stieg die Übertragungsrate mit TAT-14 auf 640 GB/s an.
  • Schon kurz nach Inbetriebnahme kam es zu Störungen, die einer Legende nach durch Haibisse im Kabel verursacht worden sind.

Genau konnte nie geklärt werden, ob Haie tatsächlich für die Störungen verantwortlich waren. Allerdings wurden alle nachfolgenden Kabel mit einem Haifischschutz ausgestattet. Neben einer zusätzlichen Schicht aus Draht wurde auch die Isolierung verbessert, um die elektromagnetische Strahlung zu minimieren und Haie weniger anzulocken.

Die Bergung des Kabels

Die Bergung des rund 6.000 Kilometer langen Kabels wird von einem Spezialschiff vorgenommen. Um das Kabel in mehreren tausend Metern Tiefe zu finden, nutzen die Techniker an Bord einen Schleppanker, der über den Meeresboden gezogen wird. Da Präzision wichtig ist, bewegt sich das Schiff beim Aufspüren des Kabels nur sehr langsam voran.

Ziel ist es, das Material, das vor allem aus Kupfer besteht, zu recyceln. Bei einer Länge von rund 6.000 Kilometern ergeben sich so mehrere tausend Tonnen Kupfer, was heutzutage einem Wert von rund 12 Millionen Euro pro tausend Tonnen entspricht.

Der schnellste Ozeanliner aller Zeiten wird übrigens im nächsten Jahr zum größten Korallenriff der Erde.

Bis August 2025 konnten bereits rund 1.000 Kilometer Kabel geborgen werden. Bei gleichbleibendem Tempo dürfte das gesamte Kabel 2029 oder 2030 geborgen sein. Der Zeitplan kann sich aber verzögern, etwa wenn das Kabel durch Bewegung nicht mehr so einfach aufzufinden ist oder wenn das Wetter auf hoher See nicht immer mitspielt.

zu den Kommentaren (29)

Kommentare(29)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.