Wer ein Buch aufschlägt – so richtig oldschool, eins mit Seiten aus Papier, nicht die elektronische Version auf einem Reader – kann sich entspannt zurücklehnen, denn man ist vor aufdringlicher Werbung sicher. Kein plötzlicher Spot, der einem die Gedankenreise unsanft unterbricht, herrlich.
Oder?
Tatsächlich gab es früher buchstäblich Werbeunterbrechungen in Büchern. Die haben unter anderem den Scheibenwelt-Autor Terry Pratchett in den 1990er Jahren so geärgert, dass er seinen deutschen Verlag von Heyne zu Goldmann wechselte.
Zur Klarstellung: Wir meinen damit nicht die Anzeigen, die auf den letzten Seiten eines Buchs manchmal zu finden sind und andere Werke des Verlags vorstellen. Nein, die Rede ist wirklich von einer Seite mitten im Text, die mit einem »Zwischendurch…« beginnt.
Moment, was? Wie sah das denn aus?
Die Scheibenwelt-Romane erschienen auf Deutsch ursprünglich beim Verlag Heyne. Der baute damals gerne Maggi-Werbung mitten in Bücher, nicht nur in die von Pratchett – und ohne den Schriftstellern vorher Bescheid zu geben.
Die Autorin dieses Artikels hatte einen Geistesblitz, als sich die Redaktion über diese scheinbar absurde Gepflogenheit unterhielt, und tatsächlich: Hier der Beweis aus Steffis eigenem Bücherregal, in einem Fantasy-Roman von Autorin Freda Warrington, erschienen 1991 bei Heyne.
Genauso, inklusive auffallender Schwärzungen und Maggi-Logo, sah die Werbung aus, die Pratchett zum Verlagswechsel bewegte. Nur mit einer leicht anderen Hinleitung, denn die Verleger machten sich immerhin die Mühe, die Werbung ein wenig an die Geschehnisse im Buch anzupassen. Was die Unterbrechung allerdings nicht weniger störend machte.
Gerade liest man von epischen Abenteuern in einer fantastischen Welt und dann… wird man an die Existenz von Fünf-Minuten-Terrinen erinnert. Da fühlt man sich ja fast, als ob man Prime Video ohne Vollpreis abonniert hat.
Das Thema Werbung in Büchern ist vielschichtiger, als man auf den ersten Blick meinen könnte – zum Beispiel beim Thema Produktplatzierungen. Wird ein Markenname in einem Roman deshalb genannt, weil es zur Immersion beiträgt, oder wurde der Autor oder die Autorin vielleicht bezahlt? Ändert sich diese Praxis mit dem Zeitalter der Influencer, die vielleicht langfristige Sponsoren-Verträge am Laufen haben? Offen darüber gesprochen wird bisher kaum.
Aber wenigstens sind wir die Fünf-Minuten-Terrine im Fantasy-Roman seit der Mitte der 90er los. Bisher.
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