Die Feststoffbatterie verspricht der Branche seit Jahren genau den Durchbruch, den Elektroautos dringend benötigen – in der automobilen Großserie sucht ihr sie bislang allerdings vergeblich.
Nun hat BYD einen konkreten Zeitplan für den ersten eigenen Vorstoß vorgelegt: Stella Li, Vizepräsidentin des Konzerns, bestätigte in einem Interview mit der spanischen Plattform carwow, dass 2027 ein erstes Fahrzeug mit dieser Technologie auf den Markt kommen soll. Dabei handelt es sich keineswegs um einen Start für die breite Masse, sondern vielmehr um einen echten Härtetest dafür, wie weit die Marke die Technologie bereits ausreizen kann.
Dieser schrittweise Ansatz ist angesichts des aktuellen Entwicklungsstands nur folgerichtig. BYD lässt bislang offen, welches Modell die neue Batterie überhaupt erhalten soll, welche Kapazität sie mitbringt und wie die Werte bei Reichweite, Leistung oder Ladegeschwindigkeit aussehen.
Ebenso wenig gibt es einen offiziellen Fahrplan für eine industrielle Großserienfertigung. Der Ersteinsatz dient primär dazu, das System in einem realen Serienfahrzeug im Alltagsbetrieb zu validieren, bevor an einen Rollout auf weitere Baureihen zu denken ist.
Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Xataka und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.
Jahrelange Forschung
BYD forscht bereits seit rund zehn Jahren an dieser Zellchemie. Schon 2016 startete das Unternehmen erste Entwicklungsreihen mit Festkörperbatterien auf Sulfid- und Oxidbasis. Zwei Jahre später konzentrierte der Konzern seine Anstrengungen ganz auf den sulfidbasierten Weg. Genau diesen Ansatz verfolgt die spezialisierte Batterietochter FinDreams Battery auch für kommende Systeme, die bereits Erprobungsfahrten in Testfahrzeugen absolvieren.
Ein Blick auf die Zielmarke des Unternehmens verdeutlicht, warum die Branche so aufmerksam hinsieht: BYD strebt eine Energiedichte von 400 Wh/kg auf Zellebene an. Dieser Wert würde die Kapazität der Zellen aus der aktuellen zweiten Generation der Blade-Batterien um mehr als das Doppelte übertreffen.
Gelingt es, dieses Niveau mit praxistauglicher Haltbarkeit und vertretbaren Produktionskosten in Serie zu bringen, könnte sich das Verhältnis von Fahrzeuggewicht zu Reichweite grundlegend verschieben.
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Ein erster Prototyp liefert bereits Hinweise auf das enorme Potenzial. Nach Messungen des China Automotive Technology and Research Center erzielte ein mit dieser Technologie ausgerüstetes Testfahrzeug 1.218 Kilometer Reichweite im kombinierten CLTC-Zyklus.
Das markiert einen neuen Rekord in China für Fahrzeuge mit Festkörperbatterie. Zwar lässt sich dieser extrem optimistische Messwert nicht direkt auf europäische Straßenverhältnisse übertragen, er zeigt euch aber eindrucksvoll, in welche Regionen BYD vorstoßen möchte.
Die größte Hürde besteht jedoch längst nicht mehr nur darin, einzelne Zellen mit höherer Energiedichte im Labor zu bauen. Die eigentliche Herausforderung liegt in der fehlerfreien Massenfertigung von Hunderttausenden oder Millionen Einheiten. BYD betreibt hierfür seit Februar 2026 eine 2-GWh-Pilotlinie in Pingshan (Shenzhen).
Dort verfeinert das Unternehmen die Fertigungsprozesse und erprobt die Zellen direkt im Fahrzeug. Die durchschnittliche Ausbeute dieser Pilotlinie liegt bereits bei über 90 Prozent – ein entscheidender Meilenstein für eine Technologie, die den Übergang zur industriellen Großserie noch vor sich hat.
Der nächste Ausbauschritt ist bereits terminiert: Im dritten Quartal 2026 plant BYD den Spatenstich für eine Produktionslinie mit 20 GWh Kapazität in Bishan (Chongqing).
Erste Anlagen für Demonstrations- und Kleinserien sollen planmäßig 2027 anlaufen – genau dann, wenn auch das erste Kundenfahrzeug mit Feststoffbatterie debütieren soll. Diese zeitliche Abstimmung verdeutlicht, dass Markteinführung und industrieller Hochlauf Hand in Hand gehen, vorerst aber noch weit von klassischen Millionenstückzahlen entfernt sind.
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Die Premiere ist folgerichtig für die absolute Spitze des Modellprogramms vorgesehen, wobei Fahrzeuge der Luxusmarke Yangwang als heißeste Kandidaten gelten. Das Produktionsvolumen dürfte sich zunächst auf wenige tausend Einheiten beschränken.
Für BYD bedeutet das Jahr 2027 daher weniger eine breite Marktexpansion als vielmehr eine Nagelprobe: Die Feststoffbatterie verlässt das Labor und geht in die Hände realer Kundschaft – der finale Testlauf, bevor 400 Wh/kg eines Tages auch für erschwinglichere Elektroautos denkbar werden.

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