ChatGPT hatte vor wenigen Wochen eine kleine, scheinbar harmlose Funktion eingeführt: das Chat-Sharing-Feature. Wenn ihr ein Gespräch mit ChatGPT teilen wolltet, konntet ihr einen öffentlichen Link erstellen – soweit noch unproblematisch.
Doch zusätzlich bot das System eine Option namens »Make this chat discoverable« an, die auf Deutsch etwa »Mache diesen Chat auffindbar« bedeutet. Und genau dieser kleine Haken sorgte nun dafür, dass mehr als 4.500 private Chats über einfache Google-Suchen auffindbar waren.
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Wenn private Gedanken öffentlich werden
Denn die erwähnte Formulierung führte zu einem verhängnisvollen Missverständnis. Viele Nutzer interpretierten den Haken als notwendige Voraussetzung, damit der Sharing-Link überhaupt funktionierte. Stattdessen aktivierten sie damit die Indexierung ihrer Gespräche durch Suchmaschinen wie Google, wie The Fast Company berichtet.
Unter den öffentlich zugänglichen Unterhaltungen fanden sich:
- Detaillierte Beschreibungen des Sexuallebens und persönlicher Beziehungsprobleme
- Vollständige Lebensläufe mit Namen, Telefonnummern und Arbeitshistorie
- Diskussionen über psychische Gesundheit, Traumata und Suchtprobleme
- Interne Unternehmensdokumente und Geschäftsstrategien
- Sogar Gespräche, die kriminelle Aktivitäten zu beinhalten schienen
Ironischerweise warnte OpenAI-CEO Sam Altman in einem Podcast davor, ChatGPT als privaten Therapeuten zu benutzen. Man habe beim Chatbot im Gegensatz zu menschlichen Ärzten keinerlei rechtlich abgesicherte Schweigepflicht, die die intimen Geheimnisse schützen müsse. Immerhin: Altman betont, dass diese Problematik dringend angegangen werden muss.
OpenAI mit schneller Reaktion auf das »kurzlebige Experiment«
Immerhin reagierte OpenAI kurzfristig. Dane Stuckey, Chief Information Security Officer des Unternehmens, kündigte am 31. Juli 2025 über die X-Plattform die sofortige Einstellung der Funktion an.
»Wir haben gerade eine Funktion von ChatGPT entfernt, die es Nutzern ermöglichte, ihre Gespräche für Suchmaschinen wie Google auffindbar zu machen«, erklärte Stuckey. Er bezeichnete das Feature als »kurzlebiges Experiment«, das dabei helfen sollte, nützliche Unterhaltungen zu entdecken.
Das Unternehmen räumte ein, dass die Funktion »zu viele Gelegenheiten für Menschen geschaffen hat, versehentlich Dinge zu teilen, die sie nicht beabsichtigt hatten«. OpenAI arbeitet nun daran, bereits indexierte Inhalte aus den Suchmaschinen zu entfernen.
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