China hat eine Wüste mit Sonnenkollektoren bedeckt und bestätigt, dass es das Ökosystem dort für immer verändern kann [Best of GameStar]

Große Solarfarmen in Wüstengebieten anzulegen, ist ein naheliegender Gedanke. Das kann sich aber wohl auch vorteilhaft auf das lokale Ökosystem auswirken.

Man erahnt auf diesem Symbolbild, was ohnehin klar ist: Große Solaranlagen spenden dem Boden vor Ort viel Schatten. Das kann sich positiv auf das Ökosystem auswirken. (Bild: stock.adobe.com - Nick). Man erahnt auf diesem Symbolbild, was ohnehin klar ist: Große Solaranlagen spenden dem Boden vor Ort viel Schatten. Das kann sich positiv auf das Ökosystem auswirken. (Bild: stock.adobe.com - Nick).

Energie aus erneuerbaren Quellen wie der Kraft der Sonne zu erzeugen, ist bekanntermaßen im Gegensatz zu Kohle & Co. ein nachhaltiges Konzept.

Doch wenn so etwas in großem Stil in einem Wüstengebiet geschieht, hat es potenziell gleich noch einen weiteren Vorteil, wie eine jüngere Studie zeigt.

Worum geht es? Die Studie wurde Ende 2024 auf Nature.com veröffentlicht und beschäftigt sich mit dem Fotovoltaik-Park Qinghai Gonghe. Er liegt recht zentral in China beziehungsweise östlich der Millionenstadt Lanzhou.

  • Die Studie setzt auf ein von der Europäischen Umweltagentur empfohlenes Modell namens Driving Pressure-State-Impact-Response (DPSIR). Es wurde dazu verwendet, ökologische und umweltbezogene Auswirkungen des Solarparks mithilfe eines Indikatorensystems zu bewerten.
  • Das geschah in diesem Fall anhand von insgesamt 57 Indikatoren, die drei verschiedene Bereiche bewertet haben: Das Gebiet der Solarfarm (bezeichnet als WPS), den Bereich, der an die Solarfarm angrenzt (TPS) und ein außerhalb liegender Kontrollbereich der ursprünglichen Ökologie (OPS).
  • Das Ergebnis ist eindeutig: die lokale Flora profitiert von der großen Solarfarm. Während der angrenzende Bereich und der Kontrollbereich auf Basis des DPSIR mit schlecht bewertet wurden (Werte von 0,286 beziehungsweise 0,28), kam der Bereich der Solarfarm auf ein üblich (Bewertung von 0,439).

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Wo und wie die Solarpanels helfen

Konkret sprechen die Forscher davon, dass der Solarpark in den folgenden drei Bereichen messbar positive Auswirkungen hatte:

  1. die lokalen Mikroklimate, also die klimatischen Bedingungen in Bodennähe und bis zu zwei Metern Höhe
  2. die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Bodens
  3. die Diversität der Pflanzen- und Mikroben-Gemeinschaften

Die Verbesserungen sind vor allem auf den Schatten zurückzuführen, der durch die vielen Solarpanels gespendet wird. So heißt es in der Studie beispielsweise folgendermaßen:

Die Photovoltaikmodule absorbieren direkte Sonneneinstrahlung, was zu einer geringeren Bodenfeuchtigkeitsverdunstung führt.

Module blockieren langwellige Strahlung vom Boden in die Atmosphäre, was das Strahlungsgleichgewicht der Erdatmosphärenschnittstelle beeinflusst.

Gleichzeitig erhöht die nötige Reinigung der Module die Bodenfeuchtigkeit in dem Gebiet und damit auch die Luftfeuchtigkeit unterhalb der Solarpanels.

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Nur ein erster Fingerzeig

Trotz der in der Studie festgestellten positiven Auswirkungen der großen Solarfarm auf das lokale Ökosystem bleibt das Gesamtbild komplex, wie auch die Forscher betonen.

Zudem müssen diese positiven Effekte möglichst genau und langfristig untersucht werden, um sicherzustellen, dass es keine gravierenden negativen Nebeneffekte gibt, die im Rahmen dieser Studie nicht entdeckt wurden.


Best of GameStar: Dieser Artikel ist in einer früheren Version bereits auf GameStar.de erschienen.