Erst gestern sind mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als ich das Heimkino im Wert eines Sportwagens von einem Filmfan auf Reddit gesehen habe. Der größte Hingucker ist da nämlich eine 208-Zoll-Leinwand, die die gesamte Zimmerwand einnimmt.
Und dann las ich auf Nordbayern, dass das Nürnberger Cinecitta die in seinem Cinemagnum-Kinosaal die weltgrößte LED-Kinoleinwand bekommen soll. Jup, gegen eine Breite von 30 Metern sehen auch die 5,5 Meter im eben genannten Heimkino zwergisch aus.
In dieser Kolumne schaue ich mir die Technik hinter der LED-Kinoleinwand ein. Als Stammkunde des Cinemagnum und Wahl-Nürnberger freue ich mich darauf noch mehr als auf Kloß mit Soß’ – und das will was heißen.
Das Cinemagnum und die Technik
Auch ohne die LED-Leinwand – um die es gleich geht –, ist das Cinemagnum eine längere Anreise wert. Der gesamte Saal liegt nämlich teilweise bis zu 35 Meter unter der Erde – und das mitten in der Stadt. Ein unterirdischer Riesenkinosaal, der teilweise in Bunkeranlagen und unterirdische Gänge gebaut ist (Nürnberg ist unter anderem bekannt für seine Felsengänge), ist auf jeden Fall eine Reise wert.
Nun aber zur Technik. Bisher war die Kinoleinwand 600 Quadratmeter groß. Schwer vorzustellen, wenn man nicht davor steht, aber sagen wir so: Von meinem Stammplatz aus, ungefähr in der Mitte des Saals, muss ich den Kopf drehen, um die Ränder zu sehen, was bei Gravity damals überragend war. Herkömmliche, große Kinosäle sind in der Regel mit einer Leinwand zwischen 50 und 100 Quadratmeter ausgestattet.
Die bisherige Leinwand wird jetzt gegen einen riesigen LED-TV getauscht.
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Ihr habt richtig gelesen: Ich sprach von einem Fernseher, denn etwas anderes ist die LED-Leinwand nicht (wobei es einen gravierenden Unterschied gibt, darauf gehe ich weiter unten im Text ein). Eingebaut wird der Screen von GDC Technology, einem Unternehmen, das sich auf LED-Leinwände spezialisiert hat.
- Die neue Leinwand im Cinemagnum wird 30 x 16 Meter messen und gewölbt sein.
- Sie wird ohne sichtbaren Rahmen an Decke, Boden und den Rändern installiert.
- Das Bild wird eine native Auflösung von 8K bieten.
Bei letzterem zucken wir Filmfans zusammen, denn wir wissen: 8K-Filme gibt es nicht.
Oder doch?
Nun, Kinofilme werden oftmals mit noch höherer Auflösung als 8K gedreht – professionelle Filmkameras geben das her –, dann aber für den (Heim-)Kinogebrauch herunterskaliert. Es kann also sein, dass das Cinecitta in seinem Cinemagnum höher aufgelöste Filme zeigt; die Technik macht es möglich.
Selbst, wenn Filme in 4K gezeigt werden, hat 8K auf diese gigantische Größe einen immensen Vorteil: die Pixel sind kleiner. Sprich, die Pixelstruktur auf der 30-Meter-Leindwand bleibt ziemlich fein, sodass man das Korn nicht sehen wird.
Mittlerweile sind LED-Leinwände keine Seltenheit mehr; das Cinecitta hat im Deluxe-Kinosaal 4 selbst ein 55 Quadratmeter großes Exemplar. Ich selbst war 2018 bei der ersten Installation eines solchen Screens im Traumpalast in Esslingen (Heise berichtete) und kann sagen, dass diese Technik einige Vorteile gegenüber dem klassischen Duo von Projektor und Leinwand hat.
- Schwarzwerte sind besser als bei einem Projektor, der konstant Licht auf die Leinwand wirft.
- Kontraste profitieren aus demselben Grund ebenfalls.
- HDR ist klar sichtbar, etwas, womit klassische Projektion hadert.
- Das Bild ist homogener, weil die Leinwand im Laufe der Zeit einfach altert und so die Bildqualität beeinflusst.
- Deutlich weniger Streulicht, das die Farben verfälscht.
Natürlich hat so eine LED-Leinwand auch Nachteile gegenüber Projektion. Der markanteste dürfte sein, dass das Bild bei Beamern einfach weicher wirkt, was einige von uns als »Kinofeeling« wahrnehmen. Es gibt einfach keine Pixelmatrix, die man sehen könnte.
Ein wichtiges Feature habe ich euch bisher verschwiegen. Kinoleinwände haben den unschlagbaren Vorteil, dass sie den Schall durchlassen – dort kommen meist sogenannte Akustikleinwände zum Einsatz, damit Stimmen und andere Geräusche korrekt verortet werden können. Das bedeutet: Der Ton strahlt direkt auf die Zuschauerinnen und Zuschauer ab.
Die LED-Panels der Riesenleinwand werden mikroperforiert sein – und damit akustisch durchlässig. Ich kann mir das nur schwer vorstellen, aber wenn dadurch der Klangvorteil von Akustikleinwänden erhalten bleibt, wäre das ein immenser Gewinn.
Habt ihr jetzt Lust bekommen, euer Heimkino selbst aufzubrezeln, dann habe ich fünf Orte für euch, wo ihr hochwertiges Equipment findet. Wenn euch ein neuer TV reicht, werdet ihr in unserer Kaufberatung fündig.
Der Bau der größten LED-Kinoleinwand hat gerade begonnen. Bis Mitte Dezember soll das Projekt abgeschlossen sein, sodass wir Dune 3 und Avengers: Doomsday in maximaler Größe genießen können. Einen der beiden Filme werde ich mir auf jeden Fall im Cinemagnum gönnen. Vielleicht sehen wir uns ja vor Ort und können gemeinsam staunen. Ich würde mich freuen!







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