Das 200-Millionen-Dollar-Graffiti: Wie ein Künstler mit einem absurden Facebook-Deal Geschichte schrieb

Ein Graffiti-Künstler wurde mit einer gewagten Entscheidung zum Multimillionär: Die erstaunliche Geschichte von David Choe und Facebook.

David Choe ist eine Legende im Silicon Valley, auch wenn viele von euch den Namen vermutlich noch nie gehört haben. (Bildquelle: David Choe, Meta) David Choe ist eine Legende im Silicon Valley, auch wenn viele von euch den Namen vermutlich noch nie gehört haben. (Bildquelle: David Choe, Meta)

Das Silicon Valley ist der Geburtsort von Legenden. Meist handeln die Geschichten von brillanten Codern in dunklen Garagen oder unermüdlichen Visionären mit einem fehlerfreien Businessplan. Doch eine der verrücktesten Stories der IT-Welt gehört einem Mann, der mit Computern rein gar nichts am Hut hatte, soziale Netzwerke verabscheute und heute dank ein paar Graffiti-Sprühereien Multimillionär ist.

Die Leinwand in Palo Alto

Im Jahr 2005 steckte das soziale Netzwerk Facebook noch in den Kinderschuhen. Die Plattform war erst ein Jahr alt und ausschließlich für College- und High-School-Schüler zugänglich. Weder gab es einen Gefällt mir-Button, noch generierte das junge Start-up nennenswerte Werbeeinnahmen. 

Als das Unternehmen schließlich sein erstes richtiges Büro im kalifornischen Palo Alto bezog, wollte der damalige Präsident von Facebook, Sean Parker, den sterilen Wänden etwas Leben einhauchen. Seine Wahl fiel auf den Graffiti-Künstler David Choe.

Choe war ein exzentrischer Künstler, der kaum gegensätzlicher hätte sein können, als das elitäre Silicon-Valley-Establishment. Er besprühte die Wände des Büros mit teils wilden und sexuell expliziten Motiven. Als das Werk vollbracht war, unterbreitete Sean Parker dem Künstler ein Angebot, das die Grundlage für eine filmreife Geschichte wurde. Parker bot Choe als Honorar entweder Bargeld in Höhe von rund 60.000 US-Dollar an oder aber Firmenanteile im exakt selben Wert.

Als Choe alles auf eine Karte setzte

Aus rationaler Sicht war die Entscheidung im Jahr 2005 eigentlich klar. Die Dotcom-Blase war erst wenige Jahre zuvor geplatzt und Start-ups im Silicon Valley scheiterten immer noch reihenweise. Choe selbst hielt die Idee von Facebook damals nach eigenen Angaben für absolut sinnlos und albern

So sah es damals im Facebook-Office in Palo Alto aus. (Quelle: David Choe) So sah es damals im Facebook-Office in Palo Alto aus. (Quelle: David Choe)

Da die Anmeldung zu diesem Zeitpunkt noch eine akademische .edu-E-Mail-Adresse verlangte, konnte der Künstler ohnehin wenig damit anfangen. Er hasste eigenen Angaben zufolge die Schule und nutzte zudem auch noch lieber die Konkurrenzplattform Myspace. Satte 60.000 Dollar Cash wären für den Künstler, der zeitweise am Existenzminimum lebte, eine enorm lukrative und sichere Auszahlung gewesen.

Doch Choe war eine Spielernatur. Berichten zufolge hatte er sich schon zuvor beim Blackjack ein gewisses finanzielles Polster erspielt und scheute keine Risiken. In einem späteren Interview mit der US-Radiolegende Howard Stern gab Choe zu Protokoll, dass er bei der damaligen Entscheidung weniger an das digitale Produkt glaubte, sondern vielmehr an den charismatischen Sean Parker.

Gegen jede Vernunft ging er volles Risiko und wählte die Aktienoptionen. In den Büchern des Unternehmens wurde er fortan formell als Berater (Adviser) geführt und hielt plötzlich zwischen 0,1 und 0,25 Prozent der gesamten Firma.

Der Jackpot des Jahrzehnts

Die Jahre vergingen und Facebook wuchs unaufhaltsam zu einem globalen Imperium heran. Die originalen Graffiti-Wände wurden beim späteren Umzug des Unternehmens sogar vorsichtig aus dem Mauerwerk gesägt und in das neue Hauptquartier mitgenommen. Im Jahr 2007 beauftragte Mark Zuckerberg den Künstler Choe sogar persönlich mit weiteren, etwas weniger provokanten Wandmalereien. Doch der wahre Zahltag ließ bis zum Jahr 2012 auf sich warten.

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Als Facebook schließlich an die Börse ging, offenbarte sich das astronomische Ausmaß von Choes Bauchgefühl. Seine einstigen Optionen, die anfangs nur den Gegenwert von wenigen zehntausend Dollar besaßen, wurden beim Börsengang auf einen Schlag auf unglaubliche 200 Millionen US-Dollar taxiert. Aus einem einfachen Deal für ein paar Spraydosen-Kunstwerke war eines der lukrativsten Honorare der gesamten Kunst- und Wirtschaftsgeschichte geworden.

Fazit: Eine Lektion in Intuition

Die Geschichte von David Choe wird heute oft als Paradebeispiel für das sprichwörtliche Goldgräber-Glück im Web-2.0-Boom zitiert. Doch sie erzählt dem interessierten Beobachter auch eine viel tiefere Wahrheit über den Mythos Silicon Valley.

In einer technokratischen Welt, die von Algorithmen, kühlen Datensätzen und Skalierbarkeit dominiert wird, sind es manchmal die unberechenbaren, menschlichen Instinkte, die den größten Ertrag bringen. 

David Choe hatte 2005 keinen wasserdichten Businessplan analysiert, er investierte schlichtweg in den Menschen, der vor ihm stand. Und er lieferte damit einen 200-Millionen-Dollar-Beweis, dass eine Prise Wahnsinn und freigeistiges Risiko selbst im durchkalkulierten Tech-Mekka Silicon Valley die größten Dividenden abwerfen können.


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