Der Hype um Cyber Week und Black Friday - Was steckt hinter dem Schnäppchen-Wahnsinn?

Cyber Week, Black Friday, und gefühlt das halbe Internet dreht durch. Unser Schnäppchen-Experte erklärt, was es mit dem Sales-Hype auf sich hat.

von Florian Klein,
23.11.2018 15:12 Uhr

Wohl kein anderer Versandhandel steht so sehr für den Schnäppchen-Hype wie Amazon.Wohl kein anderer Versandhandel steht so sehr für den Schnäppchen-Hype wie Amazon.

Wer erinnert sich noch, wie er bei seinem ersten Steam Sale vor Weihnachten täglich mehrmals - die Spezialangebote wechselten alle paar Stunden - nachgesehen hat, welche Spiele-Schnäppchen es als nächstes gibt? Und bei wem lief auch der folgende Steam Summer Sale genau so ab, so dass die Spielebibliothek immer weiter anwuchs? Wehe, jemand sagt »Pile of Shame«!

Selbst der Black Friday wurde hierzulande über die letzten Jahre zum Begriff. Während er ursprünglich nur in den USA für das (analoge) Shopping am Brücken-Freitag nach dem Erntedankfest stand, ist er bei uns schon primär für digitale Schnäppchen bekannt.

Auf den Black Friday folgt dann auch gleich der Cyber Monday, eine rein von Online-Händlern erfundene Verkaufsgelegenheit. Beide Tage markieren den Start des Weihnachtsgeschäftes, das traditionell umsatzstärkste Quartal quer durch die meisten Branchen.

Black Friday - Unser Guide für PC-Spieler: Die besten Schnäppchen und worauf ihr achten müsst

Black Friday und Cyber Monday dauern subjektiv mittlerweile beide jeweils eine gute Woche und die Anlässe für (reale oder vermeintliche) Schnäppchen sprießen geradezu aus dem virtuellen Boden – Singles Day, Winter/Summer/Halloween Sale & Co lassen grüßen.

Aber werden wie auch immer geartete und genannte Sales wirklich immer zahlreicher? Und sind Schnäppchen nur ein Hype, um dem Käufer ein gutes Gefühl zu vermitteln, denn Geld ausgeben und sparen gleichzeitig - wer will das nicht? Oder überwiegen unterm Strich tatsächlich Aktionen mit außergewöhnlichen Rabatten, die man so das sonstige Jahr über kaum findet? Und warum haben wir auf GameStar und GamePro auch regelmäßige Deals- und Schnäppchen-News?

Im Gespräch mit unserem Kollegen und Schnäppchen-Experten Matthias Hohn versuchen wir, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Er hat täglich mit digitalen Sonderangeboten zu tun, da er auf unseren Webseiten verantwortlich für die Deals-News ist.

Die Angaben zu der Ersparnis bei vermeintlichen Schnäppchen beziehen sich in der Regel auf die unverbindliche Preisempfehlung, die oft deutlich über den tatsächlich üblichen Preisen im Handel liegt.Die Angaben zu der Ersparnis bei vermeintlichen Schnäppchen beziehen sich in der Regel auf die unverbindliche Preisempfehlung, die oft deutlich über den tatsächlich üblichen Preisen im Handel liegt.

Werden die Schnäppchen-Anlässe tatsächlich immer zahlreicher oder ist das nur unser Bauchgefühl?

Matthias: Ja, werden sie. Das gilt für Games, aber auch für Shops wie Amazon. Jeder Feiertag wird zu einem Event. Das führt dann dazu, dass die Chinesen an Weihnachten günstige Kopfhörer bekommen und wir am Singles Day erfahren, wie groß dieser Tag in Asien ist und dass Alibaba pro Sekunde 150.000 Bestellungen verarbeitet.

Auch im Gaming-Bereich gibt es immer mehr. Oster-Sale, Summer-Sale, Halloween, Cyberweek, Weihnachten. Die Kunst ist, da den Überblick zu behalten. Nicht jedes Produkt oder Spiel wird zu jedem Sale reduziert, aber es gibt schon ein oder zwei Tage im Jahr, an denen man mit einem bestimmten Produkt ein richtiges Schnäppchen machen kann.

Kommt man als Händler, zumindest online, gar nicht mehr um solche Deals-Aktionen herum? Kaufen die meisten - überspitzt ausgedrückt - nur noch bei solchen Schnäppchen-Aktionen?

Matthias: Ich denke, diese Termine haben sich bei vielen eingeprägt. Ich habe gestern versucht, einen Kollegen zu einem super Deal zu überreden. Es ging um ein Smartphone, das so unglaublich günstig war, ich hätte zehn kaufen sollen. Er meinte nur: »Ich kaufe nichts vor dem Black Friday. Da wird alles günstig.«

Alle Shops, mit denen wir zu tun haben, legen großen Wert auf diese Events und versuchen, sie zu pushen. Und manchmal schwimmen sie gegen den Strom und halten sich nicht an allgemein bekannte Daten.

MediaMarkt bringt zum Beispiel die 19-Prozent-Aktion an Tagen, mit denen man nicht wirklich rechnen kann. Aber die Kunden kaufen, denn die Angebote sind wirklich gut. Und ja, ich weiß, dass es nicht exakt 19 Prozent Ersparnis sind.

Die großen Shops machen das ganze Jahr über viel Umsatz, aber ohne Events würde einiges wegfallen. Am Cyber Monday 2017 wurden weltweit über sechs Milliarden Euro umgesetzt. Der Singles' Day ist der größte Shopping-Tag weltweit und bei uns kennt ihn kaum jemand.

Steam veranstaltet immer häufiger Rabatt-Aktionen. Das hilft nicht gerade dabei, den eigenen »Pile of Shame« an nicht ein Mal gestarteten (oder überhaupt installierten) Titeln zu reduzieren.Steam veranstaltet immer häufiger Rabatt-Aktionen. Das hilft nicht gerade dabei, den eigenen »Pile of Shame« an nicht ein Mal gestarteten (oder überhaupt installierten) Titeln zu reduzieren.

Sind die ganzen Deals und Schnäppchen echte Sonderangebote mit ungewöhnlich guten Rabatten oder werden da auch viele, eigentlich reguläre Angebote darunter gemischt, die mit im Vorfeld künstlich erhöhten Preisen dann vermeintlich großzügig reduziert angeboten werden? Oder anders ausgedrückt: Wie viele echte Schnäppchen sind wirklich darunter?

Matthias: Zuerst einmal ist nicht jeder Deal ein guter Deal. Aber gerade zu den großen Events gehen die Preise deutlich runter. Was die Ersparnis angeht, die wird meist übertrieben, denn als Ursprungspreis gilt dann die UVP. So werden aus 50 Prozent schnell 15 Prozent, aber auch das kann noch ein gutes Angebot sein. Wichtig ist, dass Kunden die Preise vergleichen.

Bemerkenswert finde ich, dass viele Kunden einen Deal nur dann als Deal sehen, wenn er auf Amazon stattfindet. Andere Shopping-Portale nutzen sie nicht. Daran erkennt man die Bedeutung von Amazon. Wir versuchen aber regelmäßig, auch Shops wie Notebooksbilliger, MediaMarkt, Saturn oder Alternate zu platzieren, die ebenfalls oft gute Angebote machen.

Ein wichtiger Faktor ist dabei außerdem, dass die richtig guten Angebote oft nur stark begrenzt zu haben sind, sowohl zeitlich als auch mit Blick auf die Stückzahl. Ich wollte beispielsweise mal am Prime Day unbedingt einen bestimmten Lautsprecher kaufen, bin aber einfach nicht dazu gekommen. Immer war irgendwas und als ich endlich daran gedacht habe, war der Deal nicht mehr gültig.

Auf diesem Weg können die Händler den Druck, sich für einen Kauf zu entscheiden, natürlich zusätzlich erhöhen. Man muss also aufpassen, nicht durch eine vermeintlich hohe Ersparnis und ein ablaufendes Angebot bei Ware zuzuschlagen, die man eigentlich gar nicht wirklich braucht - auch wenn der nächste Sale garantiert kommt.

Warum machen wir auf den Webedia-Webseiten überhaupt separate Deals-News? Kannst Du das System erklären?

Matthias: Was wir machen, nennt sich Affiliate Marketing. Wenn User über einen unserer Links ein Produkt kaufen, bekommen wir einen kleinen Anteil. Diese Transparenz ist uns wichtig, deshalb sind unsere News auch als Deals gekennzeichnet, haben »Deals« im Autorennamen stehen und am Ende jedes Artikels gibt es einen Affiliate-Hinweis.

Der User bekommt einen Deal, wir bekommen einen Anteil am Verkaufspreis, da gewinnen beide. Affiliate-Links sind ein wichtiger Bestandteil unserer Seiten, denn sie helfen uns schlicht und einfach, Geld zu verdienen. Im Online-Bereich ist das nicht immer einfach, aber wir wollen die User natürlich nicht vergraulen.

Deshalb versuchen wir auch, nur wirklich gute Deals vorzustellen. Aber viele User haben dazu unterschiedliche Meinungen. Die einen wollen mehr PC-Komponenten und interessieren sich nicht für Konsolen, die anderen haben keine Lust auf TVs. Deshalb diskutieren wir häufig über unsere Artikel und verwerfen auch mal Ideen.

Bei solchen Diskussionen machen sich auch im Team immer wieder persönliche Vorlieben bemerkbar. Ich bin zum Beispiel ein Xbox-Fanboy und jedes Mal, wenn ich einen wirklich guten Deal dazu sehe, kommt von den Autoren nur zurück: »Gibt's das auch mit der PlayStation 4?«.

Unser Ziel ist letztendlich stets, uns zu finanzieren, und das funktioniert nur, wenn auch die User etwas davon haben. Ich denke, das gelingt uns fast immer, allerdings kann ich da natürlich nicht ganz unvoreingenommen sein.

Wie sind eure Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema? Habt ihr schon echte Schnäppchen an den Sales-Tagen und -Wochen gemacht? Oder nimmt das Ganze zu sehr Überhand, so dass man immer wieder Produkte und Spiele kauft, die man eigentlich gar nicht braucht? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.

Auch eher lokale Händler wie in diesem Fall das Möbelhaus Segmüller springen vermehrt auf den Sales-Zug mit auf.Auch eher lokale Händler wie in diesem Fall das Möbelhaus Segmüller springen vermehrt auf den Sales-Zug mit auf.


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