Wer kennt es nicht? Man arbeitet konzentriert am Laptop, legt die Hand auf das Trackpad und grübelt. Wie schön wäre jetzt vielleicht die beruhigende Präsenz eines Haustiers und vielleicht das angenehme sonore Schnurren einer Katze auf dem Schoß.
Für alle, die sich in solchen Momenten nicht einfach den eigenen Stubentiger greifen können, hat der Entwickler Francesco Pavanetto eine interessante Lösung geschaffen. Seine App PurrPad
nutzt das haptische Feedback des MacBooks, um das Gefühl einer schnurrenden Katze direkt unter der Handfläche des Nutzers zu simulieren. Finden könnt ihr die Software auf der hauseigenen Homepage.
Keine Audiodatei, sondern eine haptische Illusion
Das Geheimnis von PurrPad liegt in der sogenannten Taptic Engine, dem Vibrationsmotor, der unter jedem MacBook-Trackpad ab dem Baujahr 2015 (mit Force Touch) verbaut ist. Statt einfach ein Katzenschnurren über die Lautsprecher abzuspielen, lässt die App das Trackpad vibrieren.
Pavanetto hat die Vibrationen nicht einfach geschätzt, sondern wissenschaftlich fundiert programmiert: Die Basis bildet eine gemessene Frequenz von exakt 25,75 Hertz, das entspricht einer Tonhöhe, in der auch echte Katzen schnurren. Das Besondere daran ist, dass die Vibrationen nicht als simpler Loop in Dauerschleife laufen.
Echte Katzen schnurren unregelmäßig, weshalb die App das Vibrationsmuster in Echtzeit bei jedem simulierten Atemzug
neu berechnet. Das Ergebnis soll angeblich erstaunlich organisch und überzeugend sein. Der Ressourcenverbrauch ist dabei minimal: Die App benötigt lediglich 0,5 Prozent eines einzigen CPU-Kerns.
Sechs Katzen – und jede hat ihren eigenen Kopf
PurrPad ist nicht einfach ein schnödes Programm, sondern simuliert echtes Katzenverhalten. Die kostenlose Basisversion bringt die House Cat
mit. Legt man die Hand auf das Trackpad, fängt sie meistens an zu schnurren. Doch sie hat auch ihre Launen: Manchmal will sie nicht schnurren und reagiert nicht.
Gelegentlich bekommt sie aus dem Nichts ihre verrückten fünf Minuten
. Im Gegensatz zu einer echten Katze merkt die App, wenn man sich in einem Video-Call befindet, und stellt das Schnurren automatisch ein.
Wer 5 US-Dollar zahlt, schaltet mit dem Adopted-Status
die Vollversion frei. Entwickler Pavanetto verzichtet dabei ganz bewusst auf Abo-Modelle. Die Bezahlversion bietet fünf weitere Katzen-Persönlichkeiten, die sich haptisch völlig unterschiedlich anfühlen:
- Kitten: Schneller, höher und rastlos.
- Old Tomcat: Ein alter Kater mit tiefem, schwerem Schnurren.
- Nervous: Schnurrt, aber eher aus Anspannung.
- Falling Asleep: Lange Atemzüge mit großen Pausen, kurz vor dem Einschlafen.
- Making Biscuits: Simuliert den
Milchtritt
(Kneten) der Katze auf der Hand.
Zusätzlich lassen sich Parameter wie die Vibrationsstärke und das Zuneigungsbedürfnis (von distanziert
bis anhänglich
) stufenlos einstellen.
Das Highlight: Die eigene Katze klonen
Für echte Katzenbesitzer bietet die App noch ein ganz besonderes Feature. Man kann das Schnurren der eigenen Katze über das MacBook-Mikrofon für zehn Sekunden aufnehmen. PurrPad analysiert Tonhöhe und Rhythmus lokal auf dem Gerät, übersetzt das Ganze in einen Code aus neun Zahlen und bringt dem Trackpad bei, exakt wie das eigene Haustier zu schnurren.
Datenschutz und die Sache mit Apple
In puncto Datenschutz ist PurrPad geradezu vorbildlich. Die App erfasst keine Analysedaten, nutzt keine Cloud und erfordert keinen Account. Der einzige Netzwerkzugriff ist eine simple Abfrage, ob ein Update verfügbar ist und selbst das lässt sich in den Einstellungen komplett deaktivieren. Audioaufnahmen der eigenen Katze werden ausschließlich lokal auf dem Mac verarbeitet und danach sofort gelöscht.
Wer die App sucht, wird im offiziellen Mac App Store allerdings nicht fündig. Um die Taptic Engine derart feinteilig anzusteuern, muss PurrPad auf eine versteckte, private Schnittstelle (API) in macOS zugreifen, was Apples App-Store-Richtlinien eigentlich untersagen. Dennoch ist die App offiziell von Apple signiert und notarisiert, sodass bei der Installation über die Website des Entwicklers keine Sicherheitswarnungen aufpoppen.
Entwickler Pavanetto geht mit dieser potenziellen Gefahr erfreulich transparent um. Da die App eine inoffizielle Schnittstelle nutzt, könnte Apple diese in einem zukünftigen macOS-Update theoretisch blockieren. Sollte dieser Fall eintreten und eine Reparatur nicht mehr möglich sein, verspricht der Entwickler eine unkomplizierte Rückerstattung des Kaufpreises.
Ein Hauch von Wellness
Echte Katzenbesitzer wissen: Schnurren ist gesund. Frequenzen zwischen 25 und 140 Hertz werden in der Tiermedizin und teils in der Humanmedizin mit Stressabbau, niedrigerem Blutdruck und sogar der Förderung von Knochendichte in Verbindung gebracht. PurrPad bewegt sich mit seinen 25,75 Hz genau in diesem Spektrum.
Der Entwickler fügt dem jedoch mit einem juristischen Augenzwinkern hinzu, dass das nur für echte Katzen gilt, die warm und lebendig sind.
PurrPad ist ein Trackpad, das eine Katze imitiert. Es ist kein medizinisches Gerät und hat noch nie einen Knochen geheilt. Aber es fühlt sich wunderbar an – und das ist ja auch nicht nichts.
Fazit
Schon gelesen? Mythos »unkaputtbar«: Wie widerstandsfähig sind Notebooks mit MIL-STD-810H-Zertifizierung wirklich?
Für 5 US-Dollar (oder völlig kostenlos in der Basisversion) ist PurrPad eine charmante, technisch beeindruckende Spielerei für alle Mac-Nutzer ab macOS 14. Externe Magic Trackpads werden momentan noch nicht unterstützt, aber wer oft direkt am MacBook (ab Modelljahr 2015) arbeitet und eine Schwäche für Katzen hat, bekommt hier den wohl schnurrendsten Laptop der Welt.

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