Es ist, als hätte jemand mitgehört, dass ich gerade die DJI Osmo Pocket 4 teste. Seitdem stehen sie überall: München, London, oder einfach bei mir Mitten im Nirgendwo. Ständig läuft mir jemand mit dieser kleinen Gimbal-Kamera in der Hand über den Weg.
Natürlich waren die Leute vorher auch schon da. Ich nehme sie jetzt nur anders wahr, weil ich nach vielen Wochen mit dem Gerät ziemlich genau weiß, warum sie es dabei haben.
Die Kamera ist in etwa einer Sekunde einsatzbereit, passt in jede Hosentasche und liefert trotzdem Aufnahmen, die so manche Smartphones alt aussehen lassen.
Inhaltsverzeichnis
Technische Daten: Osmo Pocket 4 vs. 3
| Kategorie / Eigenschaft | DJI Osmo Pocket 4 | DJI Osmo Pocket 3 |
| Preis | 500 Euro | 340 Euro |
| Display | 2,0" Touchscreen, 1.000 Nits (556×314 px) | 2,0" Touchscreen, 700 Nits (556×314 px) |
| Abmessungen | 144,2 × 44,4 × 33,5 Millimeter | 139,7 × 42,2 × 33,5 Millimeter |
| Gewicht | 190,5 Gramm | 179 Gramm |
| Sensor | 1-Zoll CMOS | 1-Zoll CMOS |
| Objektiv | 20 mm Äquivalent, f/2.0, Nahgrenze 0,2 m | 20 mm Äquivalent, f/2.0, Nahgrenze 0,2 m |
| Max. Fotoauflösung | 7680 × 4320 px (ca. 37 MP) | 3840 × 2160 px (ca. 9,4 MP) |
| ISO-Bereich | 50–12.800 (Low-Light Video: bis 25.600) | 50–6.400 (Low-Light Video: bis 16.000) |
| Max. Video-Bitrate | 180 MBit/s | 130 MBit/s |
| Videoauflösungen (16:9) | 4K & 1080p bei bis zu 60 fps | 4K, 2,7K & 1080p bei bis zu 60 fps |
| Zeitlupe (Slow Motion) | 4K mit bis zu 240 fps | 4K mit bis zu 120 fps |
| Farbprofile / Bit-Tiefe | 10-Bit (Normal, D-Log) | 10-Bit (Normal, HLG, D-Log M) / 8-Bit |
| Akkukapazität | 1.545 mAh (11,95 Wh) | 1.300 mAh (10,01 Wh) |
| Akkulaufzeit | Bis zu 240 Min. (bei 1080p/24fps) | Bis zu 166 Min. (bei 1080p/24fps) |
| Ladezeit | 18 Min. bis 80 Prozent / 32 Min. bis 100 Prozent | 16 Min. bis 80 Prozent / 32 Min. bis 100 Prozent |
| Mikrofone | Drei Mikrofone | Drei Mikrofone |
Preis und Verfügbarkeit
Die DJI Osmo Pocket 4 ist bereits zum Preis von rund 500 Euro im Handel erhältlich.
Der Dreh- und Angelpunkt ist die Größe
Das Konzept der Kamera ist so simpel wie treffsicher. Möglichst viel Leistung in einem kompakten Gehäuse, dessen Gimbal Verwacklungen beim Filmen wegbügelt.
Im Kopf sitzt ein 1-Zoll-CMOS-Sensor hinter einem lichtstarken Objektiv mit f/2.0. Auf dem Papier schickt das einige Flaggschiff-Smartphones mit kleineren Kamerasensoren in die Wüste (und in der Praxis auch).
Direkt darunter sitzt ein zwei Zoll großes OLED-Display, und das ist mehr als nur ein Sucher. Es ist der Hauptschalter:
- Flippt ihr den Bildschirm zur Seite, startet unmittelbar das System, bringt den Kamerakopf in Position und los geht’s! Das alles geschieht übrigens binnen einer Sekunde.
- Dabei müsst ihr nicht zwingend im Breitbild filmen. Klappt ihr das Display zurück, wechselt die Kamera in das Hochkantformat.
- Oder ihr nutzt direkt den klassischen Ein-/Ausschaltknopf, um sofort in Hochkant zu filmen. Ihr entscheidet also über das Seitenverhältnis, bevor das Gerät überhaupt an ist.
Was ich sagen will: Das Teil ist extrem schnell einsatzbereit und das auch ohne MicroSD-Karte. Die Osmo Pocket 4 verfügt nämlich über einen internen Speicher von 107 GB.
Bei 4K mit 30 FPS sind dabei fast fünf Stunden im Kasten (Bitrate: Normal).
Im kompakten Gehäuse ist ein kleiner Steuerknüppel untergebracht. Mit dem bewegt ihr den Gimbalkopf in die gewünschte Position oder ihr steuert damit wahlweise den Zoom.
Standardmäßig leitet sich die Bewegung der Kamera von einem bestimmten Muster ab, das ihr frei wählen könnt. Abhängig von der Filmsituation ist es sogar von Vorteil, den Modus zu ändern.
Während ich etwa Kameraschwenks mache, setze ich auf »Folgen«. Damit geht der Kopf meinen Handbewegungen sowohl in der Horizontalen als auch in der Vertikalen nach.
Laufe ich mit der Cam durch die Stadt, aktiviere ich »Neigen gesperrt«. Damit folgt der Gimbal meiner Hand nur nach links oder rechts. Der Horizont bleibt starr ausgerichtet, selbst wenn ich die Osmo Pocket nach oben oder unten neige.
In Kombination mit der Bildqualität und den weiteren Möglichkeiten ergibt sich ein vielseitiges Werkzeug zum Filmen.
So filmt die Osmo Pocket 4
Die Bildqualität hat mich positiv überrascht. Überrascht deshalb, weil ich hier über ein Gerät rede, das in die Hosentasche passt. Und trotzdem zieht die Pocket 4 am iPhone 17 Pro und Galaxy S26 Ultra vorbei, die ich beide derzeit im Regal liegen habe.
Woran ich das festmache:
- Die Farben (10-Bit-Farbtiefe) wirken durchweg natürlich, egal ob in der Innenstadt oder bei dichtem Blattwerk.
- Letzteres bekommt die Kamera außerdem sauber aufs Bild, ohne Artefakte oder grobkörniges Rauschen – daran hat die eine oder andere Action-Cam durchaus zu knabbern.
- Schatten bleiben außerdem
gerne aucheinfach mal Schatten. Viele Smartphones hellen dunkle Bildpartien aggressiv auf, bisdas Bildes flach und leblos wirkt. Die Pocket macht das weniger.
Auch beim Dynamikumfang liefert die Kamera ab. In den Schatten gibt es feine Abstufungen, und der Himmel zeigt selbst bei gleißendem Sonnenlicht noch Zeichnung in den Wolken. Sogar bei zunehmender Dunkelheit liefert die kleine Kamera solide Aufnahmen. Zu den Rändern hin nimmt das Rauschen allerdings deutlich zu. Kein Wunder, die Pocket 4 dreht die ISO dann ordentlich hoch.
Im folgenden Video habe ich einige Beispielaufnahmen zusammengeschnitten (inklusive Mikrofontest):
3:27
DJI Osmo Pocket 4: So filmt die Kamera
Wem das nicht reicht, schaltet im Pro-Modus auf das flache Bildprofil D-LOG. Das holt in extrem hellen und dunklen Bereichen nochmal Zeichnung raus, verlangt dafür aber zwingend eine Farbkorrektur im Schnittprogramm.
Wie die meisten Hersteller liefert auch DJI passende LUTs mit, die ihr im Schnitt über den Clip legt, damit ihr nicht bei null anfangt.
Meckern muss ich, sobald ich die Kamera auf mich selbst richte. Die Haut wird aggressiv weichgezeichnet, so wie bei Smartphones und Action-Cams auch. Das sieht unnatürlich aus und abschalten lässt es sich nicht.
Für eine Kamera, die so offensichtlich auf Vlogging ausgelegt ist, ist das der ärgerlichste Punkt im ganzen Test.
In der Praxis ein Schweizer Taschenmesser
Haken dran, die Bildqualität stimmt ansonsten. Bleibt die Frage, was ihr stattdessen damit anfangt – und da wird es interessant.
Als Reise- und Städtetrip-Kamera ist sie ein No-Brainer. Rausholen, drauflos filmen, fertig. Dank Gimbal bekommt ihr wackelfreie Aufnahmen, ohne über Stabilisierung auch nur nachzudenken. Das klingt banal, ist aber genau der Grund, warum am Ende des Urlaubs brauchbares Material auf dem Speicher liegt statt zwei Stunden Gewackel.
Ob ihr alleine unterwegs seid, spielt dabei keine Rolle. Die Motivverfolgung ist richtig gut: Sie hält euch im Bild, auch wenn ihr kurz aus dem Rahmen lauft und wieder zurückkommt. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt sich vorab als bevorzugtes Motiv fest.
Ein Fingertipp dreht die Kamera zu euch und ein magnetischer Aufsatz liefert bei Bedarf Selfie-Licht dazu. Und wer ohnehin im DJI-Ökosystem steckt, koppelt eines der Funkmikrofone.
Richtig überzeugt hat sie mich aber bei der Arbeit. Auf dem Samsung-Unpacked-Event in London hatte ich sie statt meiner deutlich größeren Sony ZV-E1 im Rucksack – als eine Art Experiment. Im Showroom habe ich sie per Ministativ auf den Tisch gestellt und die Geräte einfach vor die Linse gehalten.
Ein Doppeltipp aufs Motiv, der Fokus sitzt, filmen, weiter geht's.
Für eine One-Man-Show ist das schwer zu schlagen: Ich brauchte weder eine zweite Hand noch jemanden, der mitkommt. Was mit der ZV-E1 einen Aufbau bedeutet hätte, war hier eine Sache von Sekunden. Klar, die Bildqualität der Pocket 4 kann mit der einer Vollformatkamera nicht mithalten. Den Zahn muss ich euch leider ziehen. (schön wär's!).
Davon abgesehen empfinde ich das Gerät zum Sammeln von Filmmaterial als sehr praktisch und wertvoll. Neben dem starren Videomodus gibt es die Möglichkeit, Timelapse-Aufnahmen zu erstellen, etwa von Menschenmassen oder Wolken. 4K-Zeitlupe mit bis zu 240 FPS gibt die Kamera ebenfalls her.
DJI Osmo Pocket 4: Die Akkulaufzeit
DJI gibt 240 Minuten Aufnahmezeit an. Diese Zahl gilt allerdings für Full-HD mit 24 FPS. Also für einen Modus, in dem vermutlich niemand filmt, der sich diese Kamera kauft.
Realistischer wird es in 4K mit 30 FPS. Hier lande ich bei rund 170 Minuten. Wer mehr Kapazität benötigt, greift wahlweise zum kostenpflichtigen Akkugriff. Der packt nochmal bis zu 150 Minuten drauf, laut Hersteller.
Aber selbst ohne den Griff hatte ich etwa in London nicht das Gefühl, mich stressen zu müssen. Denn in knapp 20 Minuten war der Akku wieder von 20 auf 80 Prozent aufgeladen. Optimal für eine kleine Kaffeepause.
Audio der DJI Omso Pocket 4
Der Ton so aus der Kamera ist ordentlich. Immerhin stecken im Gehäuse drei Mikrofone, Spatial Audio und ein Windfilter, dem ihr aber nicht zu viel abverlangen solltet. Bewegt ihr euch zudem weiter weg, nimmt die Qualität logischerweise spürbar ab.
Das geht also besser, aber der Weg führt (zwingend) über DJIs eigene Funkmikrofone. Mit dem Mic-Mini-Serie oder Mic 2 und 3 bekommt ihr sofort sauberen und schönen Ton, aber eben nur dann.
Andere Funkmikros könnt ihr nicht direkt koppeln und ein vorhandenes Lavalier (Ansteckmikrofon) mit Klinke lässt sich ebenfalls nicht ohne Weiteres anstöpseln.
Das ist eine bewusste Entscheidung von DJI – und sie macht Sinn, solange ihr Teil des Ökosystems oder bereit seid, in dieses einzusteigen.
In einer perfekten Welt könnte ich meine Funkmikros herstellerübergreifend nutzen. Funkmikrofone von anderen Herstellern kann ich, wie so oft, also auch hier nicht benutzen.
Für wen lohnt sich die DJI Osmo Pocket 4?
Die DJI Osmo Pocket 4 lohnt sich für euch, wenn ihr …
- … Hobbyfilmer seid.
- … noch keine Immer-dabei-Videokamera im Repertoire habt.
- … fast immer alleine filmt.
- … schon länger mit dem Gedanken einer Osmo Pocket spielt.
Mögliche Alternativen zur DJI Osmo Pocket 4
- Die dritte Generation zeigt auf dem Papier keine allzu großen Nachteile. Leider habe ich sie für einen direkten Vergleich nicht bei mir. Andere Testberichte sprechen von keinen gravierenden Qualitätssprüngen. Neben der Bildqualität müsst ihr Abstriche bei der Akkulaufzeit sowie dem fehlenden internen Speicher machen.
- Insta360 hat vor wenigen Monaten seine Luna Ultra auf den Markt gebracht. Sie ist zusätzlich mit einer Telekamera ausgestattet und bietet ein abnehmbares Display. Mit 730 Euro UVP ist sie allerdings auch nochmal teurer als die Osmo Pocket 4.
Mein Fazit
Das war mein erstes Rodeo mit der DJI Osmo Pocket. Ich verstehe jetzt, warum mir ständig Leute damit begegnen und warum das Ding auf Events zur Creator-Grundausstattung gehört.
Die Bildqualität ist stark, die Bedienung radikal einfach, und ohne helfende Hände ist der Gimbal schlicht ein Segen. Für rund 500 Euro (UVP) bekommt ihr ein Werkzeug, das euch Aufnahmen ermöglicht, für die ihr sonst eine Kameratasche und eine zweite Person bräuchtet.
Perfekt ist sie nicht. Die Hautglättung im Selfie-Modus ist aggressiv und wer besseren Ton will, landet zwangsläufig im DJI-Ökosystem. Beides sind keine Dealbreaker, aber beides sollte man vor dem Kauf wissen.

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