»Massive Nachfrage nach Eisenbahn« - Spanien zeigt: Wenn wir eine echte Wahl haben, wechseln wir gerne vom Flugzeug zum Zug

In Spanien zeigt sich ein klarer Trend: Sobald der Zug wettbewerbsfähig wird, wählen 80 bis 90 Prozent der Reisenden das Eisenbahnnetz statt des Flugzeugs.

Der Hochgeschwindigkeitszug AVE verbindet Spaniens Hauptstadt Madrid mit anderen Metropolen – und verdrängt zunehmend Flugverbindungen. (© Renfe) Der Hochgeschwindigkeitszug AVE verbindet Spaniens Hauptstadt Madrid mit anderen Metropolen – und verdrängt zunehmend Flugverbindungen. (© Renfe)

In Spanien vollzieht sich eine stille Verkehrswende. Der Zug gewinnt massiv an Bedeutung – nicht aufgrund neuer Gesetze, sondern weil Reisende ihn nach Möglichkeit bewusst auswählen.

Laut Daten des staatlichen Eisenbahnunternehmens Renfe (via El Pais) entscheiden sich 82 Prozent der Reisenden auf insgesamt sieben Hauptstrecken zwischen Flugzeug und Eisenbahn für den Zug.

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Drei-Stunden-Regel als eisernes Gesetz

Der Grund dahinter ist ziemlich simpel, wie der Renfe-Abteilungsleiter für Nachhaltigkeit und Effizienz Adrián Fernández erklärt: »Sobald der Zug eine wettbewerbsfähige Reisedauer von weniger als drei Stunden bietet, geht die Nachfrage steil in Richtung Bahn.«

Die Strecke zwischen Madrid und Barcelona dient als größtes Beispiel: Vor mehreren Jahren, als die Fahrtzeit sieben Stunden betrug, wählten nur 15 Prozent der Reisenden den Zug. Heute, mit einer Fahrtdauer von 2,5 Stunden, liegt dieser Anteil bei 83 Prozent.

  • Mit solchen Verkürzungen der Reisedauer verzeichnen die sieben zentralen Verbindungen zwischen Madrid und den Städten Barcelona, Málaga, Valencia, Alicante, Sevilla, Galicia und Asturias innerhalb von drei Jahren ein Wachstum von 66 Prozent.
  • Die Strecke Madrid–Barcelona ist so zwischen September 2022 und August 2025 von 7,5 auf 8,9 Millionen Reisende angewachsen. Madrid–Valencia kletterte indes von 4,4 auf 5,3 Millionen, während Madrid–Málaga den stärksten relativen Anstieg zeigte und von 2,1 auf 3,5 Millionen Passagiere anwuchs.

Auch die Klimabilanz ist beachtlich

Die Internationale Eisenbahn-Union UIC berechnete indes, dass 50 Prozent der aktuellen Hochgeschwindigkeits-Nutzer vom Flugverkehr kommen, 20 Prozent das Auto aufgeben und 30 Prozent sogenannte »induzierte Fahrten« darstellen – Menschen also, die vorher überhaupt nicht in dieser Form reisten. Der Zug schafft in Spanien also nicht nur Verlagerungen, sondern generiert auch zusätzliche Mobilität.

Auf den sieben Hauptkorridoren führt diese Verlagerung zu Einsparungen von 512.944 Tonnen CO₂ pro Jahr. Zum Vergleich: Das entspricht der Jahresfahrleistung von etwas mehr als 252.325 PKWs. Besonders die Strecke Madrid–Barcelona spart 185.856 Tonnen Treibhausgase jährlich ein.

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