Elektroschrott oder einfach nur die falsche Schnittstelle: Laptop-Nutzer verzweifelt an seiner SSD

Warum wird die SSD sowohl im BIOS als auch in zwei Laptops nicht erkannt?

Diese SSD funktioniert an zwei Rechnern nicht. Ist sie defekt oder besteht noch Hoffnung? (Bildquelle: SweatySir9774Reddit) Diese SSD funktioniert an zwei Rechnern nicht. Ist sie defekt oder besteht noch Hoffnung? (Bildquelle: SweatySir9774/Reddit)

Es ist der Albtraum jedes Computer-Nutzers: Ein funktionierendes System verweigert plötzlich den Dienst. Kein bootfähiges Gerät gefunden, meldet der Bildschirm. Was wie ein kleiner Software-Schluckauf beginnt, entpuppt sich im Fall eines Reddit-Nutzers als technisches Rätsel, das auch vor zwei verschiedenen Laptops nicht Halt macht. Was könnte die Lösung für das Problem sein?

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von Reddit, der den Artikel ergänzt.
Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Reddit angezeigt werden.

Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Link zum Reddit-Inhalt

Doch bevor wir uns an eine Diagnose wagen, müssen wir über den M.2-Anschluss sprechen. Er ist kompakt, extrem schnell, aber nicht jede M.2-SSD passt auch in jeden Slot. 

Die Tücken der verschiedenen Keys

Wer heute eine SSD kauft, blickt auf eine kleine Platine mit einer gezackten Kontaktleiste. Diese Zacken, die sogenannten Keys, entscheiden darüber, ob die Hardware passt oder im schlimmsten Fall den Steckplatz blockiert. In der Welt der M.2-SSDs gibt es drei gängige Codierungen:

  • Der M-Key (Aussparung an Pin 59-66): Dies ist das Kraftpaket. Er unterstützt das NVMe-Protokoll über bis zu vier PCIe-Lanes. Wer maximale Geschwindigkeit für Videoschnitt oder Gaming sucht, greift hierzu.
  • Der B-Key (Aussparung an Pin 12-19): Ein Auslaufmodell. Er wurde primär für langsamere SATA-Verbindungen oder PCIe x2 genutzt. In modernen Laptops findet man ihn fast nur noch für Erweiterungskarten wie LTE-Module.
  • Der B+M-Key (Zwei Aussparungen): Die Universal-Variante. Diese SSDs besitzen zwei Einkerbungen und passen physisch in beide Slot-Typen. Aber Vorsicht: Meist handelt es sich hierbei um SATA-SSDs. Nur weil sie mechanisch in einen modernen M-Key-Slot passen, heißt das nicht, dass das Mainboard das alte SATA-Protokoll an diesem Port noch versteht.

Das sind die gebräuchlichen Keys für SSDs. (Bildquelle: Delock) Das sind die gebräuchlichen Keys für SSDs. (Bildquelle: Delock)

Doch es gibt noch weitere Keys, die allerdings nicht für SSDs, sondern für WLAN und Bluetooth-Module genutzt werden. Das wären der Vollständigkeit halber:

  • Der A-Key (Aussparung an Pin 8-15): Dieser Slot ist primär für Wireless-Lösungen gedacht. Er bietet Schnittstellen für PCIe x2, USB 2.0 und DisplayPort. Man findet ihn häufig in Systemen, die spezifische Erweiterungskarten für Funktechnologien benötigen.
  • Der E-Key (Aussparung an Pin 24-31): Ähnlich wie der A-Key ist auch der E-Key auf Konnektivität spezialisiert. Er unterstützt ebenfalls PCIe x2 und USB 2.0, bietet aber zusätzlich Support für SDIO (Secure Digital Input Output) und UART. Dies macht ihn ideal für kombinierte Bluetooth- und WLAN-Module.
  • Der A+E Key (Zwei Aussparungen): Dies ist der heute gängige Standard für WLAN- und Bluetooth-Karten in fast allen modernen Laptops. Durch die doppelte Codierung ist das Modul extrem flexibel und passt in reine A-Slots, reine E-Slots oder kombinierte Steckplätze.

Und hier seht ihr die Keys, die in der Regel für Kommunikationsmodule (WLAN, Bluetooth) verwendet werden. (Quelle: Delock) Und hier seht ihr die Keys, die in der Regel für Kommunikationsmodule (WLAN, Bluetooth) verwendet werden. (Quelle: Delock)

Ist die SSD des Reddit-Nutzers Elektroschrott?

Der betroffene Nutzer berichtet, dass seine SSD von heute auf morgen weder in der Datenträgerverwaltung noch im BIOS auftaucht. Selbst in einem zweiten Laptop bleibt sie unsichtbar. Einzig ein rotes Blinken einer LED, die sich auf dem Laufwerk befindet, scheint noch ein Lebenszeichen zu geben. Folgende Symptome liegen vor:

  • SSD wird im BIOS nicht mehr erkannt: Wenn ein Laufwerk nicht einmal mehr auf der untersten Hardware-Ebene (BIOS/UEFI) gemeldet wird, ist die Kommunikation zwischen dem Controller der SSD und dem Mainboard unterbrochen.
  • Cross-Check: Dass zwei verschiedene Laptops das Laufwerk ignorieren, schließt einen Defekt am Mainboard des ersten Laptops nahezu aus. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass beide Geräte denselben spezifischen Defekt im M.2-Slot aufweisen.
  • Rotes Blinken der LED: Während LEDs oft Aktivität signalisieren, ist ein konstantes oder spezifisches rotes Blinken bei vielen SSD-Controllern ein Fehlercode. Es deutet darauf hin, dass die SSD zwar noch Strom erhält (daher das Licht), der interne Controller aber ein Problem hat oder die Firmware nicht geladen werden kann.

Die letzte Hoffnung

Bei der SSD die auf dem Bild des Reddit-Nutzers zu sehen ist, handelt es sich um ein SATA-Laufwerk mit B+M-Key. Man kann sie problemlos in einen M.2-Slot mit M-Key einstecken, nur funktionieren wird sie dort natürlich nicht, da ein M-Key-Slot über PCIe angebunden ist. In der Theorie ist das zumindest so. Speziell bei älteren Notebooks gab es in der Vergangenheit aber durchaus Abweichungen. 

Eine SATA-SSD mit B+M-Key des Herstellers Ramsta. (Bildquelle: Ramsta) Eine SATA-SSD mit B+M-Key des Herstellers Ramsta. (Bildquelle: Ramsta)

Es kam vor, dass die Hersteller einen M-Key-Slot verbaut, diesen aber elektrisch nur mit SATA-Leitungen verdrahtet haben. Das war zwar selten und widerspricht dem modernen Standard, ist aber in der Übergangsphase (um 2015/2016) bei einigen Budget-Laptops vorgekommen.

Und dann gab es da noch die sogenannten Combo-Slots. Das bedeutet, der Controller auf dem Mainboard erkennt automatisch, ob eine NVMe-SSD (PCIe) oder eine SATA-SSD (mit B+M Key) eingesteckt ist. 

Aber zurück zu unserem Reddit-Nutzer: Es könnte sein, dass sein erster Laptop einen M.2-Anschluss für SATA-SSDs hat und er dieses Laufwerk im zweiten Notebook in einen M-Key-Slot gesteckt hat. Dann würde das Laufwerk im zweiten Rechner nicht funktionieren und auch nicht erkannt werden. Das wäre wohl noch der letzt kleine Hoffnungsschimmer für die SSD.

Video starten Sponsored 0:30 Lexar SSD ARES PRO Gen 5 & die NM990

Abschließende Worte

Wenn ein Laufwerk einwandfrei funktioniert hat und plötzlich nicht mehr vom Betriebssystem erkannt und selbst im BIOS nicht mehr erkannt wird, ist das gewöhnlich ein schlechtes Zeichen. In diesem Fall sollte man von einem klassischen Hardware-Tod ausgehen. 

Wenn ihr auf der Suche nach einer relativ günstigen externen SSD seid, werft doch mal einen Blick auf das folgende Angebot, dass mein Kollege Dennis euch hier näher vorstellt: SSD-Preishit zum Mitnehmen: Crucial X9 2TB günstiger als interne Laufwerke

Vermutlich liegt ein Defekt des Flash-Controllers oder ein kritischer Fehler im NAND-Speicher vor, wirklich prüfen lässt sich das jetzt aber bestenfalls noch von Spezialisten. Für den Nutzer bedeutet das: Datenrettung ist jetzt ein Fall für Profis, und für die Hardware bleibt wohl nur noch der Gang zum Elektroschrott. Ein schmerzhafter Reminder, dass Backups die einzige Versicherung gegen die Launen der Technik sind.

zu den Kommentaren (2)

Kommentare(1)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.