Lasst mich euch kurz in die Vergangenheit mitnehmen: zum Dezember im Jahre 2022, an einem gemütlichen Tisch in einem mexikanischen Restaurant.
Meine Freunde und ich haben uns schon lange nicht mehr getroffen, weshalb es viel zu bereden gab.
»Hast du schon von ChatGPT gehört?«, fragte ich sie. »Nein, was soll das sein?«, gaben sie mir als Gegenfrage zurück.
Die nächste Stunde verbrachten wir damit, alle möglichen Fragen diesem neuen Chatbot zu stellen, und sie konnten es kaum glauben, dass er sie alle beantworten konnte.
Tja, das ist mehr als drei Jahre her. Ich erinnere mich gerne an die leckeren Tacos und Burritos, aber ChatGPT hinterlässt bei mir inzwischen einen bitteren Nachgeschmack.
Daher bin ich zu einer europäischen Alternative gewechselt und blicke nicht mehr zurück – hier ist mein Fazit zu Lumo von Proton.
Warum ich ChatGPT gekündigt habe
ChatGPT hat mich jahrelang beeindruckt, so dass ich lange sogar für das Plus-Abo bezahlt habe.
Mittlerweile sprechen aber mindestens vier Gründe gegen den Chatbot, weshalb ich im Februar 2026 gekündigt und mein Konto gelöscht habe.
Grund Nr. 1 ist persönlicher Natur: Mehr Produkte aus Europa ausprobieren
Es ist bedauerlich, wie dominant und wichtig Tech-Unternehmen aus Übersee für uns Europäer geworden sind.
Bedauerlich deshalb, weil ich persönlich nicht mit der Richtung übereinstimme, die viele dieser Firmen eingeschlagen haben, und OpenAI, die Macher von ChatGPT, sind da keine Ausnahme.
Aus diesem Grund hat das Ausprobieren und Testen von europäischen Alternativen zu Big Tech dieses Jahr einen großen Stellenwert bei mir eingenommen.
Schnell wurde mir klar: Viele Unternehmen auf unserer Seite des Teiches legen einen großen Wert auf Datensouveränität, Privatsphäre und faire Arbeitsbedingungen.
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Grund Nr. 2: Hohe Preise treffen auf sinkende Qualität
Abos nerven und trotzdem war ich lange bereit, mehr als 20 Euro im Monat für ChatGPT Plus zu bezahlen. Mit der Zeit wurden jedoch alte Modelle eingestellt und mit den Ergebnissen der neuen war ich des Öfteren nicht mehr zufrieden.
Nach und nach habe ich mit der kostenlosen Variante von Google Gemini (ja, ich weiß, auch Big Tech) bessere Antworten erhalten als mit ChatGPT Plus.
Grund Nr. 3.: Privatsphäre und Datenschutz haben 2026 eine höhere Priorität für mich
Bei ChatGPT, Gemini, Copilot und Co. lesen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Unternehmen eure Chats mit. Außerdem werden sie auch für Trainingszwecke der Sprachmodelle verwendet.
Wenn die Nachrichtenverläufe anonymisiert sind, steht da zwar nicht euer Name, aber anhand der Inhalte lässt sich schnell eine Verbindung aufbauen (es reicht ja, wenn ich in den Chat schreiben würde »Ich bin Linh von GameStar«).
Ich mag es nicht, wenn meine Chat- und Suchanfragen nur wenige Schritte davon entfernt sind, als »öffentlich« bezeichnet zu werden und schon gar nicht, wenn meine Daten von einem Unternehmen wie OpenAI weiterverwendet werden.
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KI geht privat auch ohne lokale Hardware
Die beste Möglichkeit, KI vollständig privat zu nutzen, ist der Einsatz von lokal ausgeführten Sprachmodellen. Nicht nur habt ihr eine große Auswahl an Modellen, alle Chats bleiben bei euch auf der Festplatte gespeichert; ihr könnt euren persönlichen KI-Chatbot sogar offline verwenden.
Leider ist das keine einfache Option für viele Menschen. Die Einrichtung erfordert ein wenig technisches Know-how und die Ausführung von größeren Modellen entsprechend teure Hardware.
Einfacher geht es mit einer ChatGPT-Alternative, die Privatsphäre großschreibt, wie etwa Lumo.
Lumo stammt von Proton aus der Schweiz. Das Unternehmen ist für seinen VPN und andere Dienste bekannt, die allesamt Datensouveränität und Privatsphäre sich auf die Fahne geschrieben haben; so ist das auch bei Lumo.
Zwei Dinge, die ich besonders an Lumo schätze
Echte Privatsphäre
Meine Chats können nur auf meinem Gerät entschlüsselt und gelesen werden. Nicht einmal Proton kann sie lesen. Das Unternehmen verwendet dafür eine »Null-Zugriff-Verschlüsselung«.
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Da echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung KI-Antworten derzeit noch quälend langsam machen würde, nutzt Proton für Lumo einen hybriden Sicherheitsansatz.
Das Herzstück ist die sogenannte User-to-Lumo (U2L) Verschlüsselung: Euer Gerät generiert für jede Anfrage einen symmetrischen AES-Schlüssel, der wiederum per PGP-Schlüssel sicher an den LLM-Server übertragen wird. Das bedeutet einfach ausgedrückt, dass sämtliche Proton-Systeme dazwischen nur undurchsichtige Payloads sehen.
Nur die KI selbst kann die Nachricht im RAM kurzzeitig auspacken, verarbeiten und die Antwort mit demselben Schlüssel wieder versiegeln. Sobald die Antwort generiert ist, agiert der Server komplett »stateless«, also ohne Protokollierung: Er vergisst die Anfrage sofort und nutzt eure Daten explizit nicht für das Training der Modelle.
Für die dauerhafte Archivierung (etwa für die Chats) wechselt Lumo dann in das bekannte Zero-Access-Modell von Proton: Eure Chatverläufe werden mit eurem privaten Schlüssel verschlüsselt in der Cloud gespeichert. So bleibt der Zugriff exklusiv bei euch.
Selbst wenn die Server kompromittiert würden, lägen dort für Angreifer nur unlesbare Datenfragmente.
Der Quellcode der Client-Apps von Lumo ist außerdem offen, sodass jeder und jede sich ein Bild von der Funktionsweise machen kann.
Der Privatsphäre-Aspekt ist das stärkste Argument für Lumo. Meine Daten und meine Chats gehören mir, werden nicht für Trainingszwecke verwendet und nicht mit Unternehmen oder Regierungen geteilt.
Lumo Plus ist günstiger als ChatGPT Plus und werbefrei
Obendrein spare ich etwas Geld im Vergleich zu ChatGPT Plus.
ChatGPT Plus kostet inzwischen 23 Euro im Monat; Lumo Plus kostet im Monat 13 Euro (bei jährlicher Zahlung kommt man im Schnitt auf 10 Euro im Monat). Im Jahr spare ich gegenüber ChatGPT also etwa 120 Euro.
Außerdem muss ich bei Lumo keine Werbeanzeigen sehen, was ich zuletzt nicht von ChatGPT behaupten konnte.
Bekomme ich zu dem Preis sogar ein besseres Produkt? Sicherer ist es auf jeden Fall, aber »besser« liegt im Auge des Betrachters.
Fünf Dinge, die mir bei Lumo noch fehlen
Europäische Alternativen sind oft zwar sicherer, aber nicht selten mit Einschränkungen verbunden. Leider gibt es bei Lumo noch einiges an Aufholbedarf, auch wenn die schlaue Katze schon einiges auf dem Kasten hat.
Keine Bildgenerierung: Lumo ist noch nicht in der Lage, aus Befehlen Bilder zu generieren, allerdings ist die Funktion für die Zukunft geplant, was mich etwas wundert. Um so etwas anbieten zu können, muss das Modell mit unzähligen Fotos und Bildern trainiert werden – und nicht selten sind viele davon urheberrechtlich geschützt.
ChatGPT, Gemini und Co. können zwar realistische Fotos von echten Personen des öffentlichen Lebens generieren, allerdings würde ich hier sehr stark anzweifeln, dass sämtliche Urheberrechte für das Training der Modelle dafür eingeholt wurden.
Ich bin gespannt, wie Proton das lösen will.
Keine Bildanalyse: Dieses Feature fehlt mir eher. Bei Lumo könnt ihr keine Fotos und Bilder hochladen und dazu eine Frage stellen. Das ist unter anderem nützlich, um einen Ort oder ein abgebildetes Produkt zu finden. Vorreiter dieser Funktion ist Circle-to-Search von Google Gemini.
Keine Erinnerungen: Jeder Chat in Lumo ist momentan ein unbeschriebenes Blatt. Das ist selbst bei angelegten Projekten der Fall. Es gibt aber zwei Übergangslösungen:
- In den Personalisierungs-Einstellungen lassen sich Informationen eintragen, die für alle Chats gelten, wie etwa euer Name, Beruf, Details zu eurer Person und wie Lumo mit euch sprechen soll.
- Bei jedem Projekt lässt sich ein Prompt eingeben, der für alle Chats in diesem gilt (ähnlich wie Gems bei Google Gemini). Außerdem lassen sich TXT-Dateien als Projektinformationen hinterlassen, auf die Lumo für jedes Gespräch zurückgreifen kann. So kann man händisch ein Gedächtnis aufbauen.
Erinnerungen sind auf der Roadmap für Lumo. Proton will sie genau wie die Chats verschlüsseln, sodass sie nur vom Nutzer oder der Nutzerin verwendet werden können.
Keine Vorlesefunktion und sprachliche Konversationen: Bei ChatGPT gibt es eine ganz praktische Funktion, mit der ihr mit gesprochener Sprache mit der KI redet. Das funktioniert überraschend gut und kann insbesondere praktisch sein, wenn man in der Küche beim Kochen alle Hände voll hat. Auch für Menschen mit Behinderungen kann das nützlich sein.
Lumo hat zwar ein Speech-to-Text-Feature, aber die Antworten können nicht per Sprache ausgegeben werden. Eine Konversation wird auch nicht simuliert, da ihr nach jeder Nachricht auf den Senden-Button tippen müsst. ChatGPT erkennt hingegen ganz zuverlässig, wann die KI antworten und wann sie zuhören soll.
Keine Modellauswahl: Ich nutze KI-Assistenten vor allem für Ideen-Ping-Pong, Brainstorming, detaillierte Suchanfragen und Zusammenfassungen. Ich bin mit der Qualität und Genauigkeit von Lumos Antworten größtenteils zufrieden, aber nicht immer. Die Art und Weise, wie der Chatbot antwortet, unterscheidet sich oft von Chat zu Chat.
Das liegt daran, dass unter der Haube viele verschiedene Sprachmodelle zum Einsatz kommen und Lumo selbst entscheidet, welches das am besten geeignete für die aktuelle Anfrage ist.
Diese Modelle verwendet Lumo (laut Proton alle in der eigenen und abgeschotteten Infrastruktur):
- Nemo
- OpenHands 32B
- OLMO 2 32B
- GPT-OSS 120B
- Qwen
- Ernie 4.5 VL 28B
- Apertus
- Kimi K2
Ich wünschte, es gäbe eine Möglichkeit, selbst auszusuchen, welches Modell verwendet wird, da sich die Qualität und der Stil der Antworten zu oft ändern.
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Ich nutze Lumo jetzt seit etwa vier Monaten und obwohl es noch Ausbaubedarf gibt, überwiegt der große Vorteil der verschlüsselten Chats die Einschränkungen; dafür bezahle ich gerne 13 Euro im Monat und verzichte auf Bildgenerierung und anderes.
Trotzdem kommt mir Lumo manchmal wie eine launische Katze vor. Die Qualität und Genauigkeit der Antworten schwankt und ist von Chat zu Chat unterschiedlich. Halluzinationen sind auch nicht ausgeschlossen – so ist das mit KI-Chatbots.
Wenn ChatGPT für euch inzwischen auch eher bitter schmeckt, kann ich euch aber nur empfehlen, die kostenlose Variante von Lumo mal auszuprobieren.
Zum Schluss möchte ich von euch wissen, ob ihr interessiert seid an der Ausführung von lokalen KI-Modellen? Also jenen, die auf eurem PC installiert sind und gar nicht nach außen kommunizieren; privater geht es nicht. Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

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