Man sagt, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, was ich von mir selbst nur allzu gut kenne. Eine Folge davon ist, dass ich den Schlüssel meiner Wohnung bis vor Kurzem stets nachts im Schloss stecken ließ.
Doch seitdem ich mit meinem Bruder darüber gesprochen habe, der Schlosser ist, handhabe ich das nicht mehr so.
Dabei spielen gleich mehrere Faktoren inklusive der genauen Schlossart eine Rolle, auf die ich in diesem Artikel näher eingehe.
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Was dagegen spricht, den Schlüssel nachts stecken zu lassen
Im Gespräch mit meinem Bruder ging es vor allem um die folgenden beiden Aspekte:
- Zusätzliche Belastung der Federn im Inneren des Profilzylinders
- Irrglaube des besseren Schutzes gegen Einbruch
Zum ersten Punkt:
- Der drehbare Kern des Profilzylinders mit Schließnase wird ohne Schlüssel (oder mit dem falschen Schlüssel) blockiert. Das ist aufgrund von kleinen Federn der Fall, die Stifte verschiedener Größe oben halten.
- Steckt man den richtigen Schlüssel ins Schloss, schiebt er die Stifte über die nachgebenden Federn nach unten, so dass die Blockade aufgehoben wird und sich der Kern samt Schließnase drehen kann.
- Lässt man den Schlüssel nun nachts immer stecken, stehen die Federn viele Stunden lang unnötig unter Druck, was auf Dauer zu einer Fehlfunktion führen kann.
Grundsätzlich sind die Federn zwar auf eine Benutzung über einen langen Zeitraum hin ausgelegt. Aber je älter das Schloss ist und je häufiger die Federn aktiv im Einsatz sind, desto eher steigt laut meinem Bruder das Risiko eines Defekts.
Zum zweiten Punkt:
- Ich hatte abgespeichert, dass ein innen steckender Schlüssel es Einbrechern erschwert, ein Schloss mit passendem Werkzeug zu öffnen, weil es dann ein Stück weit blockiert ist. Doch das ist nur noch sehr bedingt der Fall, wenn ein Schloss über die so genannte
Not- und Gefahrenfunktion
verfügt. - Mit dieser Funktion ist das Schloss auch dann von außen voll zugänglich, wenn der Schlüssel von innen steckt. Das dient dazu, die Tür in Notfällen weiter von außen aufschließen zu können und zu verhindern, dass man sich aus Versehen selbst aussperrt.
Inwiefern ein Schloss sich überhaupt mit Werkzeug und ohne größere Gewalteinwirkung von Einbrechern öffnen lässt, hängt indes davon ab, um welches Modell es sich genau handelt (beziehungsweise, über welche Schutzmechanismen es verfügt).
Zwei Punkte machen die Sache mit dem Schloss komplizierter
Beim Umgang mit dem Schloss der Wohnungs- oder Haustür und dem steckenden Schlüssel sind noch zwei weitere Aspekte zu beachten, die in meinem Fall miteinander zusammenhängen.
- Versicherungen gegen Einbruchdiebstahl sind meist nur dann wirksam, wenn die Tür vor dem Einbruch abgeschlossen war.
- Mit Blick auf den Brandschutz ist es wichtig, die Wohnung im Notfall so schnell wie möglich verlassen zu können.
Wie beides miteinander zusammenhängt:
- Ich habe den Schlüssel auch deshalb nachts stecken lassen, weil ich die Tür vor dem Schlafengehen stets abschließe. Das erschwert es Einbrechern, in die Wohnung zu gelangen, und es ist wichtig, damit mein Versicherungsschutz greift.
- Gleichzeitig sorgt der steckende Schlüssel dafür, dass ich die Tür im Notfall wie bei einem Brand direkt wieder aufschließen kann, statt erst den Schlüssel zu holen (beziehungsweise zu suchen) und ins Schloss zu stecken.
Während mein Bruder bekräftigt, dass das Abschließen einen Einbruch erschwert, empfiehlt er dennoch nicht, den Schlüssel stecken zu lassen. Stattdessen bewahrt man ihn besser stets an der gleichen Stelle in der Nähe der Tür auf – oder greift auf eine besondere Art Schloss zurück.
Es gibt Schlösser, die sich im Inneren ohne Schlüssel über einen Drehknauf öffnen lassen. Bei so genannten Panikschlössern ist es außerdem so, dass das Herunterdrücken der Klinke von innen stets auch die Riegel zum Abschließen öffnet. Von außen bleibt die Tür dagegen sicher verschlossen.
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Und was ist mit einem Smart Lock?
Auch ein Smart Lock hat den Vorteil, sich im Notfall von innen ohne Schlüsselsuche öffnen zu lassen – sofern der Akku beziehungsweise die Batterien nicht leer sind. Aber wie sieht es mit der Belastung der Federn im Profilzylinder aus?
Kommt eine Variante zum Nachrüsten zum Einsatz, bei der der Schlüssel permanent an der Innenseite steckt, ist das für die Federn laut meinem Bruder nicht optimal. Da der Schlüssel dann aber immerzu im Schloss bleibt und die Federn in der richtigen Position, fällt das hier weniger stark ins Gewicht.
Außerdem gibt es Smart Locks, bei denen auch der Zylinder ausgetauscht wird und innen generell kein Schlüssel im Schloss steckt. Bedenkt aber in Mietwohnungen, dass Tür und Schloss nicht euch gehören.
Ein völlig anderes Schlossthema behandeln wir übrigens im folgenden Artikel: Wozu dient das Loch an der Unterseite von Vorhängeschlössern?
Weil ich persönlich keine Lust habe, mich mit einer weiteren App und dem Wechsel von Batterien oder dem Laden von Akkus zu beschäftigen, habe ich aktuell keinen Bedarf an einem Smart Lock. Dafür denke ich darüber nach, in Rücksprache mit meinem Vermieter ein Schloss mit Drehknauf innen zu besorgen.
Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, was für eine Art Schloss ihr habt und wie ihr das mit dem Schlüssel im Schloss nachts handhabt, sofern ihr noch ein Schloss dieser Art nutzt.
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