China verfügt bereits über einen Damm, der die Erdrotation verlangsamen kann, doch es hat ein neues, noch beeindruckenderes Projekt gestartet

Ein riesige Bauprojekt in Tibet hat begonnen und soll die berühmte Drei-Schluchten-Talsperre nochmal deutlich übertreffen. Aber es ist nicht unumstritten.

Riesige Wassermassen in Talsperren können die Erdrotation minimal beeinflussen. (Symbolbild: KI-generiert mit Adobe Firefly) Riesige Wassermassen in Talsperren können die Erdrotation minimal beeinflussen. (Symbolbild: KI-generiert mit Adobe Firefly)

Update, 29. Juli 2025: Laut Angaben von Reuters haben die Arbeiten Chinas an der gigantischen Talsperre in Tibet begonnen. Der chinesische Premier Minister Li Qiang nannte es Das Projekt des Jahrhunderts und ergänzte, der Schwerpunkt müsse auf dem ökologischen Schutz liegen, um Umweltschäden zu verhindern.

Kritik daran wird teils auch in der entsprechenden Berichterstattung deutlich. So titelt die Webseite 3djuegos dazu mit: Wir dachten, China hätte seine Lektion gelernt, als es mit einem seiner Bauwerke die Erdrotation veränderte. Jetzt will es ein noch größeres Bauwerk errichten.

Die geschätzten Kosten liegen bei 170 Milliarden US-Dollar, es wird von einer Bauzeit im Bereich von zehn Jahren ausgegangen.

Die Drei-Schluchten-Talsperre in China ist ein gigantisches, aber auch häufig kritisiertes und umstrittenes Bauwerk, das nach Baubeginn im Jahr 1995 erst 2012 alle 32 Turbinen in Betrieb nehmen konnte.

Wie Reuters berichtet, ist nun ein noch größeres Projekt dieser Art geplant, genauer gesagt in Tibet.

  • Die neue Talsperre dort soll sich das teils sehr große Gefälle des Flusses Yarlung Tsangpo zunutze machen: In einem Bereich von 50 Kilometern sinkt er 2.000 Höhenmeter tiefer.
  • Laut einer ersten Schätzung ist es auf diesem Weg möglich, jährlich etwa 300 Milliarden Kilowattstunden an Strom zu erzeugen.
  • Zum Vergleich: Die Drei-Schluchten-Talsperre kommt laut Reuters auf circa 88 Milliarden Kilowattstunden Strom.

Der Konflikt zwischen China und Tibet: Die chinesische Volksbefreiungsarmee ist 1950 in Tibet einmarschiert. Während China das Gebiet seitdem für sich beansprucht, sehen sich die Tibeter unter ihrem geistigen Oberhaupt in Person des Dalai Lamas oft als autonomes Volk an. Der Dalai Lama übernimmt die Führung Tibets durch eine Exilregierung mit Sitz in Indien, die von China allerdings nicht anerkannt wird. Tibet steht damit weiterhin unter der Kontrolle Chinas. Das wurde international bereits oft kritisiert, letztlich ist die Situation aber seit Jahrzehnten unverändert.

Video starten 5:15 NASA-Video aus dem Jahr 2009: Wie der Klimawandel die Ozeane beeinflusst

Riesige Talsperren und ihr Einfluss auf die Erdrotation

  • In einem NASA-Bericht zu den Auswirkungen von Erdbeben auf unseren Planeten und seine Rotation gab die Weltraumbehörde im Jahr 2005 zum Vergleich an, dass auch die Drei-Schluchten-Talsperre in China minimalen Einfluss darauf hat.
  • Komplett gefüllt würden die riesigen Wassermassen von 40 Milliarden Kubikmetern die Erdrotation um 0,06 Mikrosekunden verlängern. Es geht also nicht einmal um eine Millionstelsekunde, aber immerhin um einen berechenbaren Wert.
  • Sowohl bei Erdbeben als auch bei großen Talsperren entsteht der Effekt laut der NASA durch die große Masse, die dabei in Bewegung gesetzt wird. Im Gegensatz zu der komplett gefüllten Talsperre hat das verheerende Erdbeben im Indonesischen Ozean Ende 2004 die Tageszeit um 2,68 Mikrosekunden verkürzt, statt sie minimal zu verlängern.

Genauer hieß es dazu damals im NASA-Bericht folgendermaßen:

Physikalisch ist dies vergleichbar mit einer Eiskunstläuferin, die die Arme näher an den Körper zieht und dadurch schneller rotiert. Das Beben beeinflusste auch die Form der Erde. Sie [die Forscher] stellten fest, dass die Abplattung der Erde (Abflachung an den Polen und Ausbeulung am Äquator) um einen kleinen Betrag abnahm. Es reduzierte sich um etwa einen Teil in 10 Milliarden, was den Trend fortsetzt, dass Erdbeben die Erde weniger abgeplattet machen.

Die Angaben basierten auf Werten der Centroid Moment Tensor-Datenbank der Universität von Harvard, die die NASA-Wissenschaftler Dr. Richard Gross und Dr. Benjamin Fong Chao ausgewertet haben.

Da die neue Talsperre in Tibet noch größer werden soll, dürfte sie mehr potenziellen Einfluss auf die Erdrotation haben. Während es dabei aber wohl erneut nur um minimale und bloß mess- statt spürbare Auswirkungen geht, gibt es auch wesentlich greifbarere mögliche Folgen.

Kritik an Chinas neuer Mega-Talsperre

Die tibetanische Bevölkerung vor Ort muss sich auf Umsiedelungsmaßnahmen und Auswirkungen auf die lokale Umwelt einstellen. Dazu zählen laut smartup-news.com auch große befürchtete Probleme wie Erdtusche und Schlammlawinen.

Außerdem gibt es Kritik an dem Projekt aus Indien, weil der Yarlung Tsangpo den großen Fluss Brahmaputra mit Wasser speist. Er fließt durch Indien und Bangladesch und stellt den wasserreichsten Strom in Asien dar.

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