Gefälschte GTX 1060 in Umlauf - Fakes mit (zu) günstigen Preisen

Derzeit kursieren auf ebay große Mengen an angeblichen Geforce-GTX-1060-Grafikkarten zu verdächtig günstigen Preisen. Dabei handelt es sich aber um Fälschungen aus China.

von Sara Petzold,
15.10.2018 13:29 Uhr

Auf ebay finden sich laut einem Testkauf der c't-Redaktion derzeit viele gefälschte Grafikkarten zu besonders günstigen Preisen, unter anderem angebliche Nvidia Geforce GTX 1060.Auf ebay finden sich laut einem Testkauf der c't-Redaktion derzeit viele gefälschte Grafikkarten zu besonders günstigen Preisen, unter anderem angebliche Nvidia Geforce GTX 1060.

Wer derzeit mit dem Kauf einer Geforce GTX 1060 liebäugelt, sollte sich vor vermeintlich günstigen Angeboten auf ebay hüten. Wie die c't im Rahmen einer Testkaufaktion herausfand, bieten Händler aus China derzeit auf der Plattform massenweise GTX 1060 zu vermeintlich besonders günstigen Preisen, die sich im Nachhinein aber als dreiste Fälschung entpuppten.

Nachdem ein betrogener Leser das Magazin auf die ebay-Angebote aufmerksam gemacht hatte, kaufte die c't am 30. Juni 2018 bei insgesamt acht verschiedenen Händlern die zum Preis zwischen 54 Euro und 80 Euro angebotenen 1060-Modelle mit 3 GByte Speicher. In der Regel kosteten diese zum Zeitpunkt d es Kaufs mindestens 200 Euro. Dabei bezahlte die Redaktion via Paypal-Gastzahlung, um gegebenenfalls den Paypal-Käuferschutz in Anspruch nehmen zu können.

Dreiste Fälschung

Nachdem Mitte August alle gekauften, angeblichen GTX 1060 eingetroffen waren, fielen dem Magazin bereits nach dem Auspacken offensichtliche Fälschungsmerkmale ins Auge: Alle Karten waren mit einem VGA-Ausgang versehen, der bei der GTX 1060 gar nicht mehr vorgesehen ist. Auch das BIOS der GPU passte nicht - zwar erkannte der Test-PC die Karten als GTX 1060, das BIOS selbst entsprach laut c't in der Version 70.26.33.00 aber dem einer Geforce GTS 450 aus dem Jahr 2012.

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Bei den Kartentreibern gab es ebenfalls Probleme. Aktuelle Treiber von Nvidia waren mit den gelieferten Karten nicht kompatibel, lediglich die Software für die GTS 450 ließ sich manuell installieren. Dabei unterstützten die Karten lediglich DX 12 FeatureLevel11_0 statt FeatureLevel12_1 sowie PCI-Express 2.0 statt PCI-Express 3.0.

Weitere Beweise dafür, dass es sich bei den gelieferten Karten um Fälschungen handelte, brachte ein Blick unter die Haube: Die verbauten GPU-Chips besaßen nur 192 Shader statt der 1.280 Shader der GTX 1060. Im Benchmark erreichten die Karten dann auch nur 1600 Punkte statt der erwarteten 10.000. Schließlich bestand die GPU aus einem quadratischen Die anstelle des rechteckigen Die der GTX 1060.

Käuferschutz mit Tücken

Nachdem die c't-Redaktion festgestellt hatte, dass es sich bei den vermeintlichen ebay-Schnäppchen aus China tatsächlich um Fälschungen handelte, kontaktierten sie die Händler, um die Käufe zu reklamieren. Die Händler leugneten zunächst, lenkten dann aber ein und baten um Rücksendung der Karten. Allerdings weigerten sie sich, die Kosten für die Rücksendung zu übernehmen.

Als die Redaktion mit dem ebay-Käuferschutz drohte, boten die Händler eine Ausgleichszahlung an, die erst 12 Euro betrug und sich dann immer weiter bis auf 45 Euro steigerte. Die gefälschten Karten sollte die Redaktion behalten. Ein Händler versprach auch die Zusendung einer garantiert echten Karte - allerdings erst nach einer Wartezeit von 25 bis 30 Tagen, nämlich dann, wenn der Käuferschutz abgelaufen wäre.

In jedem der acht Fälle schaltete die c't schließlich den ebay-Käuferschutz ein. Fünf Händler stimmten nach Öffnung des Falls bei ebay einer Rückerstattung des Kaufpreises zu, während Paypal ankündigte, die Rücküberweisung »in Kürze« vorzunehmen.

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Bei den drei verbleibenden Karten verlief die Sache deutlich komplizierter: Bei zwei Fällen wollte ebay zuerst ein Fach-Gutachten, dass es sich tatsächlich um Fälschungen handele. Allerdings garantierte ebay nur die Rückerstattung des Kaufpreises - die Kosten für Rücksendung und Gutachten müsse der Käufer tragen. Der letzte Fall endete in einer Rücksendung auf eigene Kosten.

Allerdings verlief auch die Rückerstattung der Kaufpreise nicht reibungslos: Als nach mehreren Wochen noch kein Geldeingang erfolgt war, hakte c't nach und erhielt in einem Fall die eine Rückzahlung des Betrags. Ebay selbst behauptete in den übrigen Fällen, Paypal habe das Geld bereits ausgezahlt - man solle sich doch in den Account einloggen. Weil c't die Zahlungen via temporärem Gastaccount vorgenommen hatte, war das allerdings gar nicht möglich.

Ebay ohne Sanktionen, Paypal mit »technischen Problemen«

Schließlich gab sich die Redaktion am 18. September gegenüber ebay und Paypal zu erkennen, woraufhin Paypal einem Testkäufer einen Teilbetrag erstattete. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels am 12.10.2018 waren die übrigen Rückzahlungen allerdings weiter offen.

In einer Stellungnahme gegenüber c't zu möglichen Sanktionen gegen die Händler der Fälschungen gab sich ebay ausweichend: Ebay nannte lediglich mögliche Maßnahmen und erklärte, dass die Fälle, in denen der Verkäufer der Rückerstattung zugestimmt hätte, nicht unter die Sanktionen des Käuferschutzes fielen. Als die Redaktion ebay und Paypal nach der Rückerstattung der Kaufpreise fragte, schwieg ebay sich aus, während Paypal auf technische Probleme verwies.

Entsprechend dieser Erfahrungen empfiehlt die c't-Redaktion ebay-Käufern, bei vermeintlich günstigen Angeboten von Grafikkarten besondere Vorsicht walten zu lassen. Wird eine angeblich neue Grafikkarte deutlich unter dem aktuellen Marktpreis angeboten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um Betrug handelt.

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