»Die horizontalen Hassverbrechen dauern schon viel zu lange an«: Google beendet, was die Bahn vor 130 Jahren begonnen hat, zumindest ein wenig

Ein von unbeugsamen Briten bewohntes Dorf hört seit über 100 Jahren nicht auf, dem Eindringling in Form von Bindestrichen Widerstand zu leiten – und das jüngst mit Erfolg!

Ja was denn nun? Mit Bindestrichen oder ohne?! (Bild: Google Maps, Colin Peachey) Ja was denn nun? Mit Bindestrichen oder ohne?! (Bild: Google Maps, Colin Peachey)

Oft genug sind es die kleinen Dinge im Leben, die uns zum Schmunzeln bringen. Wie zum Beispiel Bindestriche. Aber sagt das so besser nicht den Einwohnern von Bradford-on-Avon! Pardon, ich meine natürlich Bradford on Avon.

Denn die Frage, ob ihre geliebte Stadt im Südwesten von England mit oder ohne Bindestriche geschrieben wird, quält sie schon viel zu lange völlig unnötig. Und wer ist mal wieder schuld an der Misere? Die Bahn! Oder genauer gesagt: Great Western Railway (GWR).

Den Stein, der durch ein Bahnhofsschild mit Bindestrichen im Jahr 1899 ins Rollen gebracht wurde, will Google nun ein für alle Mal ins eigene Glashaus werfen: Bei Google Maps sollen die Bindestriche endlich wieder entfernt werden – während die Google-KI Gemini vorerst weiter fröhlich von Bradford-on-Avon sprechen dürfte.


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Wie bitte was?

Fassen wir die letztlich trivialen, aber tatsächlich so abgelaufenen Geschehnisse kurz zusammen (via Talker News):

  • Der Stadtrat von Bradford on Avon sowie der Bürgermeister und lokale Unternehmen sind überzeugt davon, dass die einzig richtige Schreibweise des Namens der Stadt die ohne Bindestriche ist.
  • Dennoch ist die Schreibweise mit Bindestrichen weitverbreitet. Dazu soll auch die Hinzufügung der Bindestriche auf dem Bahnhofsschild im Jahr 1899 beigetragen haben. Die GWR ergänzte sie damals, um eine Verwechslung mit anderen ähnlich benannten Gebieten zu verhindern.
  • Eine kürzlich ins Leben gerufene Kampagne mit dem Namen Die große Bindestrich-Debatte (The Great Dash Debate) trägt jetzt erste Früchte: Google hat zugestimmt, die Bindestriche im Stadtnamen bei Google Maps zu entfernen. Gleiches gilt für andere Unternehmen wie beispielsweise Tripadvisor.

Noch findet sich sowohl bei Google Maps als auch bei Tripadvisor die Schreibweise mit Bindestrichen. Das sollte sich aber zeitnah ändern.

Bürgermeister Sam Blackwell sagte zu dem Thema gegenüber der BBC Folgendes:

Die große Bindestrich-Debatte zieht sich schon seit Jahrzehnten hin, aber als Stadtrat sind wir uns einig, dass der Name unserer Stadt ohne Interpunktion perfekt ist.

Humorvoll aufgegriffen, aber mit ernstem Hintergrund

KI-Agenten wie Gemini, ChatGPT und Claude sprechen von »Bradford-on-Avon«. Ihnen das wieder abzugewöhnen, dürfte schwer werden. KI-Agenten wie Gemini, ChatGPT und Claude sprechen von »Bradford-on-Avon«. Ihnen das wieder abzugewöhnen, dürfte schwer werden.

Zu den lokalen Unternehmen, die sich der Kampagne des Stadtrats angeschlossen haben, zählt auch das SEO-Unternehmen Varn. Laut CEO Tom Vaughton tauchen online 5.800 fehlerhafte Nennungen der Stadt auf.

KI-Agenten wie Google Gemini verschärfen das Problem seiner Ansicht nach nur noch, er nimmt es insgesamt allerdings mit typisch-britischem schwarzem Humor:

Die horizontalen Hassverbrechen dauern schon viel zu lange an. Jetzt bezieht Varn Stellung [...]. KI liebt Gedankenstriche, und sie liebt es auch, dem Namen unserer Stadt fälschlicherweise Bindestriche hinzuzufügen. Wir können die Roboter diesen Kampf nicht gewinnen lassen, also tun wir, was wir können, um die Daten zu ändern, die sie verwenden.

Doch es steckt ein wahrer und bedenklicher Kern dahinter. Schließlich kann KI auch Falschinformationen verbreiten, die deutlich relevanter sind als unerwünschte Bindestriche in einem Stadtnamen.

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Was wird jetzt aus dem Bahnhofsschild?

Beim Schicksal des Bahnhofsschildes fühlen wir uns abschließend stark an die Deutsche Bahn beziehungsweise an deutsche Behörden erinnert.

So begrüßt die GWR die Kampagne des Stadtrats gegen die Bindestriche im Namen von Bradford on Avon zwar laut Äußerungen gegenüber der BBC. Doch auf dem Bahnhofsschild werde man die Striche vorerst nicht entfernen.

Der Grund: jede Änderung an solchen Schildern müsse eine Fülle branchenweiter Systeme durchlaufen – hat da jemand Passierschein A38 gesagt?


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