Pixel 11 ohne wichtige Sicherheitsfunktion? Google-Feature erst geplant, dann gestrichen – und mit neuer Wendung dank Firmware-Fund

Das Pixel 11 startete mutmaßlich ohne wichtige Sicherheitsfunktion, die die GrapheneOS-Entwickler zu scharfen Worten veranlasste. Ein Firmware-Fund bringt eine (leichte) Korrektur.

Hat es MTE oder nicht? Um das Pixel 11 und GrapheneOS hat sich eine kleine Saga entwickelt. (© Google) Hat es MTE oder nicht? Um das Pixel 11 und GrapheneOS hat sich eine kleine Saga entwickelt. (© Google)

Seit dem Pixel 8 gehört »MTE« fest zum Fundament von GrapheneOS. Das freie Android-Derivat markiert hiermit jeden Speicherzugriff im gesamten Betriebssystem und schließt so ganze Angriffskategorien aus, bevor sie überhaupt richtig loslegen können.

Für das aktuelle Pixel 11 ist dieser Baustein ersatzlos weg: Wie das GrapheneOS nach einer einwöchigen Untersuchung feststellte, lässt sich die Übertragung auf den genutzten Tensor G6 aufgrund von fehlender, hardwareseitiger MTE-Unterstützung nicht umsetzen.

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Grundsätzlich funktioniert MTE so, dass für jeden 16-Byte-Speicherblock und zugriffsberechtigten Pointer eine unsichtbare Notiz angelegt wird. Stimmen diese Notizen nicht überein, bricht der Chip den Prozess ab.

Für GrapheneOS ist das elementar wichtig: In praktisch jedem Prozess inklusive der Kernelebene kommt MTE zum Einsatz, um so gegen ein Gros der Angriffsszenarien gewappnet zu sein. Mit dem Pixel 8 war das erstmals möglich, auch wenn Google selbst die Funktion bei seinen Handys nicht standardmäßig aktiviert.

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Vom Pflichtfeature zum durchgestrichenen Punkt

Mehrere von Notebookcheck geleakte interne Dokumente von Googles Chipteam »gChips« zeichnen nach, wie es dazu kam. So hatte eine frühe Folie einer Roadmap für den unter dem Codenamen »Malibu« entwickelten Tensor G6 die MTE-Funktion als festen Bestandteil eingeplant.

  • Eine weitere Folie vom Mai 2022 listet die MTE-Unterstützung noch unter den P0-Features, also der höchsten Priorität – allerdings rot durchgestrichen.
  • Wann genau der Rotstift angesetzt wurde, geht nicht hervor; als gesichert gilt jedoch, dass die Umsetzung erst geplant und dann verworfen wurde.

GrapheneOS verdächtigt in einem längeren Beitrag, dass dies schlicht am schnöden Mammon liegt und Entwicklungskosten einsparen solle ...

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... doch ganz weg ist das Feature scheinbar nicht

Zumindest war das die Ausgangslage, bis GrapheneOS selbst sich im entscheidenen Punkt korrigierte. In einem neuen Beitrag auf X heißt es nun, der Tensor G6 verfüge doch über minimale MTE-Unterstützung.

Der Verdacht des Teams hat sich dabei etwas verschoben: Ausschlaggebend für die Abschaltung dürfte demnach ein massiver Leistungseinbruch sein, den sich Google mutmaßlich selbst eingebrockt hat, weil ein Großteil der MTE-Beschleunigung aus dem CPU-Cache gestrichen wurde, um Kosten zu sparen.

Mit der am 28. August veröffentlichten Beta 4 von Android 17 QPR2 – der ersten Beta-Version mit Pixel-11-Unterstützung – kehrte MTE immerhin in die Firmware zurück. Eine aktive Nutzung ist trotzdem nicht drin, da das Betriebsystem die Funktion weiterhin blockiert.

  • Dass die miese Performance tatsächlich der Auslöser ist, hält GrapheneOS sogar für wahrscheinlich. Immerhin lässt sich das inzwischen nachprüfen.
  • Über den Befehl »fastboot oem mte on« und einen inoffiziellen Kernel kann MTE reserviert und genutzt werden, auch wenn das Team noch untersucht, ob das zuverlässig funktioniert und welche Leistungseinbußen dabei auftreten.
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Google selbst hat sich offiziell kein einziges Mal zu den Vorwürfen seitens GrapheneOS geäußert. Steckt hinter der auf das Grundgerüst heruntergezogenen MTE-Feature tatsächlich eine schwache Performance, halten die Entwickler eine eingeschränkte Unterstützung für das Pixel 11 für möglich.

Eine Empfehlung gibt es hier dennoch nicht: Die aktuelle Generation der Google-Handys hat bei den Pro-Modellen in der Basis deutlich weniger RAM sowie eine schwächere GPU im Vergleich zum Vorgänger.

Wie stark der Leistungseinbruch durch MTE am Ende wirklich ausfällt, wird sich erst noch zeigen müssen. Bis dahin dürfte die bisherige Zurückhaltung von GrapheneOS gegenüber dem Pixel 11 Bestand haben – zumal man ohnehin bereits mehr als nur ein Auge auf Alternativen wirft.


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