»HDR-Gaming ist bislang gescheitert«: Entwickler-Veteran rechnet mit Industrie ab und will »einheitliche Lösung«

HDR sollte das Spielerlebnis revolutionieren. Doch die Realität sieht düster aus. Ein erfahrener Entwickler erklärt, warum die Industrie versagt – und wie es besser werden kann.

Grafikprogrammierer Filippo Tarpini erklärt in einem Interview, warum HDR in Spielen bislang enttäuscht. Grafikprogrammierer Filippo Tarpini erklärt in einem Interview, warum HDR in Spielen bislang enttäuscht.

Der hochdynamische Bildbereich – kurz: HDR (High Dynamic Range) – sollte eigentlich eine kleine technische Gaming-Revolution vom Zaun brechen. Hellere Lichter, dunklere Schatten, eine breitere Farbpalette: All das hätte PC-Spiele grundlegend verändern sollen.

Doch was sich in der Theorie wunderbar anhört, zeigt sich in der Praxis als fragmentiert, kompliziert und häufig enttäuschend. In einem Interview mit Wccftech fasst Filippo Tarpini, ein Grafikprogrammierer mit Stationen bei FireSprite und Remedy Entertainment, die Lage wie folgt zusammen: »HDR im Gaming ist bislang gescheitert, seine Versprechen einzulösen.«

Zwischen fehlendem und mangelhaften Support

Um seinen Vorwurf zu untermauern, führt Tarpini die These an, dass »etwa die Hälfte der 25 größten Spiele des Jahres 2025 HDR nicht unterstützen«. Die restlichen Titel leiden zumindest teilweise unter einer mangelhaften Implementierung.

Aus Entwicklersicht fehlen zu diesem Zweck umfangreiche Dokumentationen für die Implementierung von HDR-Inhalten. Daraus folgt laut Tarpini, dass jedes Studio das Rad neu erfinden muss oder bestenfalls externe Expertise zukauft.

Ein in diesem Kontext kritischer Punkt liegt dem Entwickler zufolge in den zugrundeliegenden Architekturen. Die Unreal Engine etwa bietet in den Augen von Tarpini von Haus aus unzureichende HDR-Unterstützung. Hier wird HDR vielen Studios als »zuschaltbares Feature« präsentiert, das man wie einen Toggle-Schalter aktiviert – mit entsprechend schlechten Resultaten.

Standard im Chaos: Welche HDR-Norm gilt?

Ein weiteres Durcheinander betrifft den HDR-Standard, der nicht wirklich ein einziger ist, sondern sich in einige Teile aufteilt. »HDR10«, »Dolby Vision«, »HGiG«, »HDR10+ Gaming« – die Liste ist lang und verwirrt mindestens die Endnutzer, wenn nicht auch die Entwickler selbst.

Ebenfalls problematisch: Viele auf dem Markt beworbene HDR-Monitore und -Fernsehgeräte erfüllen die Spezifikationen dem Entwickler zufolge nur mangelhaft. DisplayHDR 400-Zertifizierungen etwa bescheinigen Displays oft Helligkeitswerte, die kaum über Standard-SDR-Monitoren liegen.

Modding als Notfalllösung – schnelle Besserung ausgeschlossen

Aktuell sind laut Tarpini lediglich Mods eine mögliche, wenn auch nur temporäre Rettung des HDR-Gaming. An der »Luma« genannten Modifikation für Starfield war Tarpini etwa selbst beteiligt, zudem arbeitet er daran, einen einheitlichen HDR-Werkzeugkasten für Entwickler aufzubauen.

Auch hierfür hat der Ex-Remedy-Entwickler den »HDR_Den«-Subreddit ins Leben gerufen, der unabhängig vom Hintergrund als Anlaufstelle für alle Fragen und Informationen rund um HDR dienen soll.

Dennoch sieht Tarpini für die kommenden Jahre zudem wenig Grund für Optimismus. Solange Entwickler HDR nicht als Grundbestandteil ihrer Pipeline verstehen und Probleme wie der uneinheitliche Standard bestehen, wird sich wenig am HDR-Versprechen ändern.

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