MacBooks sind und waren noch nie wirklich günstig, das gilt erst recht seit Tim Cook vor Kurzem ordentlich an der Preisschraube gedreht hat, um die hohen DRAM-Kosten abzufedern. Was einem Nutzer eines vollausgestatteten M5 Max MacBook Pro (14 Zoll, 128-GB-RAM, 4-TB-SSD) passiert ist, klingt aber nicht nur in Anbetracht des hohen Preises wie ein schlechter Scherz.
Er nutzt das Notebook seit 4 Monaten eigenen Angaben zufolge für anspruchsvolle Entwickleraufgaben und dabei wird das Gerät unweigerlich ziemlich heiß, das ist bei leistungsstarken Laptops nichts Ungewöhnliches.
Womit der Nutzer rinsewin
allerdings nicht gerechnet hat: Plötzlich verschwindet die Backspace-Taste unwiederbringlich im Gehäuse des MacBooks und kehrt nicht mehr in ihre Ausgangsposition zurück. Leider hat der Besitzer bei reddit (wo sonst findet man solche Kuriositäten?) keine Bilder gepostet.
Über 100 Grad Celsius und ein ungünstiges Layout
User rinsewin
lobt zwar die brachiale Arbeitsgeschwindigkeit des M5 Max, die seine bisherigen Kompilierungszeiten halbieren soll, doch die Hardware wird dabei auch extrem gefordert. Das M5 Max erreicht bei solchen Arbeitslasten innerhalb von Sekunden Temperaturen von über 100 Grad Celsius.
Der Knackpunkt liegt im Design: Die Backspace-Taste befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den Lüftungsschlitzen des MacBooks. Die stetige und enorme Hitzeabstrahlung scheint in diesem Fall das Material der Taste beziehungsweise das Tastenbett so zu verformt zu haben, dass die Mechanik blockiert. Die Taste verkantet sich im Chassis und federt nicht mehr zurück.
Fast 900 US-Dollar für eine kaputte Taste
An der Apple Genius Bar folgte für den Entwickler die nächste Ernüchterung. Da die Taste nicht einzeln repariert werden konnte und ein mechanischer Defekt am Tastenbett vorlag, sah Apple vermutlich den kompletten Austausch des sogenannten Top Case
, also der oberen Gehäusehälfte inklusive Tastatur vor.
Das würde dann auch die veranschlagten Kosten von 895 US-Dollar erklären. Da das Gerät erst wenige Monate alt war und kein Wasserschaden vorlag, griff hier die Garantie. Doch für Nutzer, deren Garantieabdeckung abgelaufen ist, dürfte ein derartiger thermischer Defekt ein massives finanzielles Ärgernis darstellen.
Fairerweise muss an dieser Stelle gesagt werden, dass es sich bei dem beschriebenen Problem bisher um einen Einzelfall zu handeln scheint. Aber warten wir mal ab, was der Sommer noch so bringt. Letztlich lässt sich also nicht mit Sicherheit sagen, ob wirklich dauerhaft hohe Temperaturen die Ursache für den Defekt sind, es scheint aber durchaus möglich zu sein. Dass die Kühlung der Pro MacBooks aber dringend ein Update benötigt, ist allerdings unstrittig.
Kühlsystem am Limit – oder schlampige Qualitätskontrolle?
Die Ursache für das beschriebene Phänomen scheint zweigeteilt. Einerseits steht das Kühldesign von Apple in der Kritik. Der Konzern vertraut beim M5 Max weiterhin auf zwei flache Lüfter und lediglich eine einzelne Heatpipe. Während die Chip-Leistungsgrenzen in den letzten Jahren drastisch angehoben wurden, blieb das Kühlkonzept weitgehend unangetastet.
Lasst euch das auf auf der Zunge zergehen: Eine Heatpipe für einen Chip, der bis zu 120 Watt verbraten kann. Bei vergleichbar leistungsstarken Windows-Laptops wird solche Hardware durch gleich mehrere Heatpipes oder eine Vapor Chamber gebändigt. Bei Apple hält man dagegen stur an der bisherigen Kühllösung fest. Und in diesem Fall auch noch in einem kleinen 14-Zoll-Gehäuse.
Bei einem mobilen Pro-Gerät das, je nach Konfiguration, in die preislichen Dimensionen eines Kleinwagens vordringt, ist das schon ziemlich gewagt. Gerüchten zufolge will Apple bei kommenden Generationen aber endlich auf leistungsstärkere Vapor Chamber-Kühlsysteme umsteigen.
In der r/macbookpro-Community wird zudem rege über mangelnde Qualitätskontrolle bei sogenannten Custom-to-Order-Modellen (CTO) spekuliert. Der Kommentator ImpressiveHair3798
berichtet, dass individuell konfigurierte und direkt aus China verschickte High-End-Modelle angeblich oft unter enormem Zeitdruck gefertigt werden.
Dabei soll die Qualitätskontrolle stellenweise scheinbar dürftig ausfallen. Ungenaue Spaltmaße oder schlecht ausgerichtete Komponenten könnten das Verklemmen der Tasten unter Hitzeeinwirkung demnach stark begünstigen. Er selbst habe erst beim vierten Austauschgerät ein makelloses Chassis erhalten. Fundierte Belege für seine Aussagen liefert der Nutzer allerdings nicht.
Fazit: Augen auf bei Custom-Macs
Dass nicht jeder Nutzer betroffen ist, zeigen andere Stimmen aus dem Reddit-Thread. Viele Anwender treiben ihre M5 Max MacBooks für Video-Renderings stundenlang bei 100 Grad ans Limit, ohne dass die Tastatur nachgibt. Viele behelfen sich dabei aber auch mit manuellen Lüfterprofilen, die dauerhaft auf 100 Prozent Leistung laufen.
Für Käufer der aktuellen MacBook-Pro-Generation bleibt als Lektion: Wer ein maßgeschneidertes High-End-Modell bestellt, sollte das Gerät direkt nach dem Auspacken penibel auf kleinste Verarbeitungsfehler prüfen.
Schon gelesen? Mythos »unkaputtbar«: Wie widerstandsfähig sind Notebooks mit MIL-STD-810H-Zertifizierung wirklich?
Bei einem Notebook, das wirklich für professionelle Aufgaben eingesetzt werden soll und das nicht gerade billig ist, sollte eine gründliche Inspektion nach der Lieferung obligatorisch sein und das natürlich nicht nur bei Apple. Zudem ist bei Geräten, die regelmäßig thermisch an ihre Grenzen gebracht werden, eine Garantieerweiterung (wie AppleCare+) dringend anzuraten.

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