»Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage« – Was uns Märchen gelehrt haben ist eine Falle, in die wir fast alle tappen

Wann ist man eigentlich wirklich angekommen? Diese Frage stellen sich unterbewusst viele Menschen. Wissenschaftler haben dafür einen Namen.

Was bedeutet Glück? Das muss jeder für sich entscheiden. Klar ist aber: Es zu erreichen kann in eine Illusion des Ankommens münden. (Bildquelle: Foxy_a - adobe.stock.com) Was bedeutet Glück? Das muss jeder für sich entscheiden. Klar ist aber: Es zu erreichen kann in eine Illusion des Ankommens münden. (Bildquelle: Foxy_a - adobe.stock.com)

»Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage«. Diesen Satz liest man in Märchen öfter. Gerade Filme und Serien aus den 1980er und 1990ern waren geprägt vom glücklichen Familienleben. Disney-Filme oder Familien-Sitcoms à la Full House sind Beispiele.

Ein Harvard-Professor hat das sogenannte Arrival Fallacy abgeleitet, das heute viele Menschen begleitet. Am ehesten lässt sich dieses Phänomen als eine Illusion des Ankommens umschreiben.

Was ist Arrival Fallacy?

Im Grunde ist das recht leicht erklärt: Die Arrival Fallacy vermittelt den Glauben, dass wenn wir nur ein bestimmtes Ziel erreichen, wir dadurch auf lange Zeit glücklich sind. Begründet hat den Begriff der Harvard-Psychologie Dr. Tal Ben-Shahar (via Exceptional Futures).

Die Beispiele, die zur Illusion des Ankommens führen, können ganz unterschiedlich sein.

  • Durch das Erreichen einer Beförderung im Job und dadurch mehr Geld, wird man ein sorgenfreies Leben führen.
  • Wenn man eine Familie gegründet hat, dann hat man Glückseligkeit erreicht.
  • Ein Buch zu schreiben war schon immer ein Traum. Wenn man das geschafft hat, bekommt man Anerkennung von außen.

Dr. Ben-Shahar sieht das Problem bei Glück als Ziellinie. Wenn wir ein bestimmtes Ziel erreicht haben, dann stellen wir uns die Frage »Was jetzt?« – und die Antwort ist so gut wie immer: die nächste Beförderung, die Familie vergrößern oder das folgende Buch schreiben.

Die Stolperfalle ist, dass das Arrival Fallacy uns unzufrieden zurücklässt. Anstatt zu feiern, was wir erreicht haben, versuchen wir, die entstehende Leere mit noch ehrgeizigeren Zielen zu füllen.

Der Experte beschreibt es als Hamsterrad, das sich immer schneller dreht und bei dem wir doch an Ort und Stelle laufen.

Warum werden wir immer wieder Opfer der Arrival Fallacy?

Hier arbeiten zwei Dinge im Tandem: Die Signale, die wir von unserer Umwelt bekommen, beeinflussen uns darin, wie wir sie verarbeiten und unsere Ziele stecken.

Dem zugrunde liegen vor allem unsere sozialen Systeme, die sich vornehmlich auf (persönliche) Erfolge stützen. Sprich, ein angesehener Job oder gute Ergebnisse in einem Test werden geachtet, tragen aber selbst wenig zur persönlichen Erfüllung bei.

Kurz und gut: Man kann einen gut bezahlten, angesehenen Job haben und trotzdem unzufrieden sein.

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Im Grunde handelt es sich dabei um eine einfache Wenn-Dann-Gleichung: Wenn ich etwas erreiche – einen bestimmte Beförderung, eine bestimmte Anzahl an Kindern, eine bestimmte Anzahl geschriebener Bücher –, dann bin ich glücklich.

Damit beginnt der Kreislauf des Strebens nach dem nächsten Sieg, gefolgt von einem Gefühl der Leere, das so lange anhält, bis wir diesen Prozess unterbrechen.

Die Stadien lassen sich laut Psychology Today in vier mögliche Stadien unterteilen:

  1. Ständige Unzufriedenheit: Wenn wir glauben, dass Glück immer in der Zukunft liegt, schätzen wir den Moment nicht. Anhaltende Unzufriedenheit kann zu chronischem Stress und Burnout führen.
  2. Motivationsverlust: Wenn das Erreichen eines Ziels kein dauerhaftes Glück mit sich bringt, fragen wir uns: »Was bringt das überhaupt?«. Das kann zu Desinteresse oder einem Gefühl der Sinnlosigkeit führen.
  3. Negative Selbstwahrnehmung: Wenn wir ein lang ersehntes Ziel erreichen und dennoch nicht zufrieden sind, neigen wir dazu, Fehler bei uns zu suchen. In Wirklichkeit liegt der Fehler oftmals bei den Erwartungen.
  4. Angespannte Beziehungen: Wenn wir immer nur dem nächsten Meilenstein hinterherjagen, vernachlässigen wir möglicherweise die Menschen in unserem Leben. Das kann zu Isolation und Bedauern führen.

Wie kann man Arrival Fallacy hinter sich lassen?

Der erste Schritt in die richtige Richtung ist es, den Kreislauf zu erkennen. Erst dann kann man ihn durchbrechen.

Für den Rest hat Dr. Ben-Shahar praktische Tipps:

  • Vor dem nächsten Ziel oder der nächsten Etappe soll man sich fragen »Warum ist dieses Ziel so wichtig für mich?«.
  • Wenn-Dann-Gleichungen auflösen. Dadurch koppelt man das Erreichen eines Ziels nicht mit einem bestimmten Glücksgefühl.
  • Die eigene Motivation hinterfragen. Wieso will man die nächste Stufe der Karriereleiter erklimmen? Weil man es möchte oder weil die Menschen um uns herum es erwarten?
  • Beziehungen zu unseren Liebsten berücksichtigen. Erfolg ist nicht gleichbedeutend mit Glück, aber Verbindungen zu anderen Menschen können es sein.
  • Sich selbst eine Pause gönnen. Anstatt nach dem Erreichen eines Ziels, sich auf das nächste zu fokussieren, soll man innehalten und sich selbst feiern.
  • Kleine Ziele stecken – und niemandem davon erzählen. Das nimmt den Druck und kann zu einem Umdenken führen.

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Am Ende ist vor allem ein allseits bekannter Spruch zutreffend: Der Weg ist das Ziel. Die Arrival Fallacy lehrt uns, dass wir genießen sollten, was wir haben, anstatt das persönliche Glück an ein festes Ziel zu koppeln. Das Glück liegt nicht in der Zukunft, wo wir es nie erreichen können, sondern im gegenwärtigen Moment. Wir müssen nur innehalten.

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