Intel-Chef muss nach nur drei Jahren gehen: Der Grund steht zwischen den Zeilen

CEO Pat Gelsinger scheidet offiziell und mit sofortiger Wirkung zum 1. Dezember 2024 aus dem Vorstand aus.

Pat Gelsinger ist nicht mehr CEO von Intel. Pat Gelsinger ist nicht mehr CEO von Intel.

Paukenschlag bei Intel: In einer offiziellen Pressemitteilung gibt der Technologiekonzern den Rücktritt von CEO Pat Gelsinger bekannt.

Die beiden Top-Manager David Zisner (Executive Vice President) und Michelle Johnston Holthaus (CEO Intel Products) übernehmen vorübergehend das Ruder. Die Suche nach einem adäquaten und dauerhaften Nachfolger sei bereits im Gange, teilt Intel mit.

Trennung erfolgte schon einen Tag vor der Mitteilung

Wie in der Intel-Nachricht weiter konkretisiert wird, erfolgte das Aus von Gelsinger bereits am 1. Dezember, die offizielle Mitteilung erfolgte also einen Tag später. Einen Grund für die Verzögerung nennt Intel nicht. Der ehemalige CEO äußerte sich indes positiv zu seinem Rücktritt:

»Intel zu leiten, war die Ehre meines Lebens – diese Gruppe von Menschen gehört zu den besten und klügsten in der Industrie, und ich fühle mich geehrt, jeden von ihnen einen Kollegen nennen zu dürfen«.

  • Pat Gelsinger begann seine Karriere bei Intel im Jahr 1979 und stieg innerhalb des Unternehmens zum ersten Chief Technology Officer auf.
  • Im Jahr 2021 kehrte er nach einer Unterbrechung »zu einem kritischen Zeitpunkt für das Unternehmen« zurück, wie Vorstandsvorsitzender Frank Yeary mitteilt.

Unter der vorübergehenden Führung von Dave Zisner und Michelle Johnston Holthaus will Intel die Marktführerschaft zurückgewinnen und das Vertrauen der Investoren wiederherstellen, so das Unternehmen.

Intel-Vorstand: »Wir müssen unsere Produkte wieder in den Mittelpunkt stellen«

Gelingen soll dies mit einer »Rückkehr zur Prozessführerschaft«, die von zentraler Bedeutung für die Produktführerschaft sei. Auf dieser Aufgabe liege der Fokus, während zeitgleich »eine größere Effizienz und verbesserte Rentabilität« angestrebt wird.

Zuletzt hatte das Unternehmen mit Problemen zu kämpfen, darunter enttäuschenden und problembehafteten Prozessoren, einem schweren Start in den Grafikkarten-Markt und einem strauchelnden Halbleiterfabrik-Geschäft. Insbesondere in letztgenanntem Aspekt schimmert in den Yeary-Erklärungen ein möglicher Grund für das Gelsinger-Aus durch.

  • So habe man zwar erhebliche Fortschritte bei der Intel-Foundry gemacht, die das Unternehmen auch innerhalb der Chiphersteller wieder relevant gestalten sollte – doch habe man noch viel Arbeit vor sich.
  • Zeitgleich wisse der Vorstand, dass man bei Intel in erster Linie »die Produktgruppe in den Mittelpunkt stellen muss«. Die Ernennung von Michelle Johnston Holthaus stelle sicher, dass diese Abteilung »über die notwendigen Ressourcen verfügt, um für Intel-Kunden zu liefern«.

Dementsprechend ist denkbar, dass Intel seine Zukunft wieder stärker in den eigenen Produkten sieht – und nicht, wie von Gelsinger vorangetrieben, in Prestigeprojekten wie neuen Chipfabriken. In Deutschland sollte ebenfalls eine solche Fabrik in Magdeburg gebaut werden, deren Baupläne aber vorerst auf Eis liegen.

Auch finanziell hat sich Gelsingers Marschroute hin zu einer unabhängigeren Intel-Foundry bisher nicht bezahlt gemacht. Im zweiten Quartal 2024 lag in diesem Bereich ein Betriebsverlust von etwa 2,8 Milliarden US-Dollar vor – da auch das restliche Geschäft strauchelte, wurden mehr als 15.000 Stellen gestrichen.

  • Angesichts der bisher fehlgeschlagenen Investitionen in diesen Foundry-Bereich und dem erfolglosen Bemühen, sich als Konkurrenz zum taiwanesischen Chiphersteller TSMC aufzubauen, ist damit zumindest ein Indiz für die Gelsinger-Entlassung zwischen den Zeilen zu sehen.
  • Zudem deutet die Tatsache, dass erst jetzt mit der offiziellen Suche nach einem neuen CEO begonnen wird, auf ein vergleichsweise kurzfristiges Ziehen der Reißlinie hin.
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