Seit 2017 benutze ich das iPad Pro, das letzte Modell mit A-Chip habe ich mir 2020 gekauft. Eigentlich wäre es wieder Zeit für ein neues Gerät. Passend zu meinem Wunsch hat Apple kürzlich das große Update mit M4-Chip, neuem Kameradesign und vielem mehr angekündigt.
Von Apple erhielt ich das 13-Zoll-Modell mit 2 TByte Speicher, so dass ich das absolute Top-Tablet des kalifornischen Unternehmens nutzen durfte.
Obwohl es mir schnell Appetit auf mehr machte, werde ich eine Bestellung so schnell nicht aufgeben. Warum ich vorerst bei meinem alten Tablet bleibe und für wen sich das Upgrade trotzdem lohnt, verrate ich in meinem ausführlichen Test.
Transparenzhinweis: Apple hat mir das iPad Pro für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Apple hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Ein neues Design – für Kamera und Zubehör
Legt man die letzten drei Modelle neben das 2024er Upgrade, dann fällt auf den ersten Blick kein Unterschied auf. Es gibt auch keine spannenden neuen Farben wie etwa beim iPhone 15.
Erst bei genauerem Hinsehen fällt ein wichtiger Punkt auf: Die Kamera ist von der Seite auf den oberen Rand im Querformat gewandert, so dass FaceTime »besser« funktioniert. Apple folgt damit einem Trend, den ich nur bedingt gut finde.
So habe ich getestet
Ich habe das iPad Pro mit M4-Chip 14 Tage im Alltag getestet. Dabei hat es mich unterwegs, im Garten oder auch beim Schreiben dieses Tests begleitet.
Technische Details
- Verfügbar mit 11-Zoll- und 13-Zoll-Ultra Retina XDR Display (Tandem OLED)
- Farben: Silber, Space Schwarz
- Kapazitäten: 256 GByte, 512 GByte, 1 TByte, 2 TByte
- Gewicht der Wi-Fi-Modelle: 444 Gramm (11 Zoll), 579 Gramm (13 Zoll)
- Gewicht der 5G-Modelle: 446 Gramm (11 Zoll), 582 Gramm (13 Zoll)
- Abmessungen (LxBxH): 249,7x177,5x5,3 mm (11 Zoll), 281,6x215,5x5,1 mm (13 Zoll)
- M4-Chip:
- Modelle bis 512 GByte mit 9-Core CPU mit 3 Performance-Kernen und 6 Effizienz-Kernen und 8 GB RAM
- Modelle mit 1 TByte und 2 TByte mit 10-Core CPU mit 4 Performance-Kernen und 6 Effizienz-Kernen und 16 GByte RAM
- Kameras: 12-MP-Weitwinkelkamera mit f/1,8 und 12-MP-Frontkamera mit Ultraweitwinkel und f/2
- 4-Lautsprecher-Audio
- WLAN 6E, Bluetooth 5.3
Lieferumfang
- iPad Pro
- USB-C-Ladekabel
Ich nutze meine Tablets am liebsten im Hochformat, um im Netz zu surfen, etwas zu lesen, E-Mails zu checken, Notizen zu machen und eben auch für FaceTime. Bei Letzterem bin ich nun nicht mehr in der Mitte, was wirklich merkwürdig wirkt und sich nicht richtig anfühlt. Jedoch spürt man an dieser Entscheidung, dass Apple das iPad näher an den Mac bringen will.
Ich muss zugeben, dass sich das Schreiben dieses Textes mittels Magic Keyboard tatsächlich anfühlt, als würde ich mein MacBook verwenden. Es hat nämlich ein sehr angenehmes Tastengefühl und die neue Reihe mit Funktionstasten macht den Schnellzugriff auf Einstellungen leichter.
Natürlich habe ich auch den neuen Apple Pencil Pro ausprobiert. Optisch unterscheidet er sich nicht von seinem Vorgänger. Allerdings wurde die Hardware vollständig überarbeitet und mit zahlreichen neuen Features wie der »Taptic Engine« ausgestattet.
Sie gibt ein Vibrationsfeedback, wenn ich die neue Druckfunktion verwende, um etwa in Notizen eine Werkzeugpalette aufzurufen. Darüber hinaus erkennt er jetzt auch Drehungen, so dass man den digitalen Pinsel noch präziser schwingen kann. Auch die Integration in die »Wo ist?«-App ist großartig.
Sowohl der Apple Pencil Pro als auch das neue Magic Keyboard sind wunderbare Erweiterungen für das iPad Pro, die bei verschiedenen Aufgaben ihre Stärken ausspielen. Leider sind sie vergleichsweise teuer.
Für die meisten Anwender dürfte daher der Apple Pencil (USB-C) ausreichen, während auch Tastaturen von Drittherstellern ihren Dienst verrichten.
Leistung ohne Ende, aber es fehlt etwas
Apple hat viel Wert auf die Leistung des neuen M4-Chips gelegt. Ein echter Gamechanger ist er aber nicht. Das ist nach wie vor der M1, der das iPad auf ein völlig neues Leistungsniveau gehoben hat.
Dennoch ist der Leistungszuwachs im Vergleich zu den Vorgänger-Chips deutlich zu erkennen, verändert dabei aber keine grundlegenden Mechaniken. Vielmehr perfektioniert Apple damit die Gesamtperformance, die man bei sehr aufwendigen Apps wie Final Cut Pro oder Logic Pro stark spürt, während auch Spiele davon profitieren.
Auf dem iPad Pro habe ich daher prompt Titel wie Resident Evil Village und Death Stranding Director’s Cut installiert, die ich vorher schon auf dem iPhone 15 Pro Max mit A17 Pro gespielt habe, aber die auf dem Tablet nochmals deutlich besser aussehen. In Verbindung mit einem Controller lässt sich durchaus von einer Konsolenerfahrung sprechen, die man mitnehmen kann.
Auch wenn Apple dem neuen iPad Pro einen ordentlichen Leistungsboost verpasst hat, mangelt ihm es an einer wichtigen Stelle: der Software. Unter iPadOS 17 werden zwar via Stage Manager mehrere Fenster auf dem Bildschirm sowie auf externen Displays unterstützt, aber das Multitasking wird dadurch nur bedingt besser.
Mit dem M4-Chip hat das iPad Pro aktuell mehr Leistung als ein MacBook Air oder iMac, kann diese aber leider nur bedingt in eine bessere Performance umsetzen.
Bei anspruchsvollen Anwendungen wie Bild- und Videobearbeitung, Grafikerstellung sowie Spielen macht sich dies durch schnelle Verarbeitungs- und Ladezeiten deutlich bemerkbar.
Nutzt man hingegen nur Standard-Apps wie Fotos, Safari oder Notizen, wird man die Verbesserungen durch den M4-Chip gegenüber einem Modell mit M1- oder M2-Chip nicht merken.
An dieser Stelle sollte Apple unbedingt nochmals über die aktuellen Limitierungen von iPadOS nachdenken und sich am Mac ein Beispiel nehmen. Beispielsweise wären wirklich frei platzierbare App-Fenster oder gar Spaces denkbar, um die Produktivität mit dem iPad weiter zu erhöhen.
Leider wird dies nicht in den kommenden 15 Monaten passieren, da auch das kürzlich vorgestellte iPadOS 18 keine Verbesserung in dieser Richtung verspricht.
Eine Kleinigkeit am Rande, die ich mir für das neue Modell als Nice to Have-Feature gewünscht hätte, wie es etwa das iPhone schon seit Jahren bietet, ist eine IP-Zertifizierung, zum Beispiel IP67.
Damit hätte das iPad Pro einmal einen weiteren Vorteil gegenüber den Standardmodellen gehabt und wäre gleichzeitig besser gegen Umwelteinflüsse wie Wasser und Staub geschützt.
Apple hat dem iPad Pro immerhin eine neue OLED-Technologie spendiert: Tandem OLED. Daraus leitet sich die neue Bezeichnung für das Ultra Retina XDR Display ab. Während grundlegende Funktionen wie die adaptive Bildrate (bis 120 Hertz) und der große P3-Farbraum für das neue Modell unverändert bleiben, legt Apple an anderen Stellen nach.
Tandem OLED bedeutet nämlich, dass man – vereinfacht ausgedrückt – zwei OLED-Displays übereinander gelegt hat. Dadurch soll sowohl der Kontrast als auch die allgemeine Helligkeit verbessert werden. Im Test war es tatsächlich merklich besser. Die Farben waren nicht nur brillanter, sondern auch das Schwarz habe ich als deutlich tiefer wahrgenommen.
Das Plus an Helligkeit war für mich besonders sichtbar, da ich mit meinem 2020er 11-Zoll-iPad-Pro vergleichen konnte. Die maximale Helligkeit hat sich seither mehr als verdoppelt, während die typische Helligkeit (SDR) von 600 Nits auf stattliche 1.000 Nits angestiegen ist und damit die Lesbarkeit bei starker Sonneneinstrahlung erhöht.
Leider hatte ich nicht die Möglichkeit das neue Nanotexturglas zu testen, das Apple optional bei Modellen mit einem 1-TByte- oder 2-TByte-Speicher gegen Aufpreis anbietet. Damit wird das Display noch stärker mattiert, um die Lesbarkeit weiter zu verbessern.
Für wen lohnt sich das neue iPad Pro?
Das iPad Pro mit M4-Chip ist zweifelsfrei ein großartiges wie auch leistungsfähiges Gerät, dem bei der Software noch etwas Freiraum fehlt. Apple hat es daher auf ganz klare Zielgruppen abgesehen.
Das iPad Pro mit M4-Chip kann sich für euch eignen, wenn ...
- ... ihr Grafikdesigner seid, die flexibel sein wollen.
- ... ihr eure hochauflösenden Fotos und Videos auch unterwegs schnell bearbeiten wollt.
- ... ihr Mobile Games oder Spiele in Konsolen-Qualität genießen wollt.
- ... ihr kein Multitasking wie am Mac erwartet.
- ... Geld keine Rolle spielt und ihr das beste iPad auf dem Markt haben wollt.
Fazit der Redaktion
Benjamin Otterstein
@benotterstein
Seit 2017 nutze ich ein iPad Pro und kaufte mir zuletzt das 2020er Modell mit A12Z-Chip. Seither ist viel passiert und der M4-Chip bringt eine unglaubliche Leistung für viele Kreative mit, die noch ausreichend Reserven für die Zukunft bietet.
Das iPad Pro mit M4-Chip ist wohl das beste iPad, das Apple bisher veröffentlicht hat, aber dass ich auch nur den wenigsten wirklich empfehlen kann. Dies liegt einmal am hohen Preis und auch an der Leistung, deren Nutzung Apple durch das Betriebssystem zu stark limitiert.
Ein Lichtblick ist trotz allem noch iPadOS 18, das verstärkt auf KI-Funktionen setzen wird, die auf dem Gerät berechnet werden. Ich gehe davon aus, dass hier das iPad Pro mit M4-Chip deutlich von den neuen Möglichkeiten sowie einer schnelleren Verarbeitung profitieren wird. Jedoch ist es derzeit nur eine Wette auf die Zukunft.
Bis es so weit ist, wird das iPad Pro zwar viele Menschen glücklich machen, aber das gleichzeitig erschienene iPad Air dürfte unterdessen für die aller meisten ausreichend sein.
Wie seht ihr das neue iPad Pro mit M4-Chip? Habt ihr es schon getestet oder plant ihr den Kauf? Denkt ihr, die Leistungssteigerung rechtfertigt den hohen Preis, oder reicht euch ein älteres Modell oder das neue iPad Air? Teilt eure Meinungen und Erfahrungen in den Kommentaren – ich bin gespannt auf eure Sichtweise!

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