KI-Crash in China: »Jetzt sehen wir, wie die Blase platzt«

480 Milliarden Dollar Börsenwert sind vernichtet. Chinas KI-Aktien stürzen ab, während US-Tech-Werte bisher moderater korrigieren.

Während in China die KI-Blase Löcher bekommen hat, korrigieren die Märkte im Westen bisher nur.
(Bildquelle: Dinusha Adobe Stock) Während in China die KI-Blase Löcher bekommen hat, korrigieren die Märkte im Westen bisher nur. (Bildquelle: Dinusha / Adobe Stock)

Rund 480 Milliarden US-Dollar an Börsenwert haben chinesische KI- und Halbleiteraktien innerhalb von weniger als vier Monaten laut einem Bericht von Reuters verloren.

Während die jüngsten Korrekturen bei US-Technologieaktien vergleichsweise moderat ausfallen, sind die Kurse in China deutlich eingebrochen. Der KI-Boom, der die Aktienmärkte dort zwei Jahre lang angetrieben hat, ist ins Stocken geraten.

Der Einbruch wirft Fragen nach den hohen Bewertungen und den Perspektiven der chinesischen KI-Branche auf. Aus dem einstigen Börsenmärchen ist Ernüchterung geworden.

Oder, wie es ein Pekinger Fondsmanager laut der Agentur ausdrückt: »Jetzt sehen wir, wie die Blase platzt.«

Ende der Rekordjagd

Der Absturz beendet eine zweijährige Rallye, in der chinesische Technologieaktien von Hoch zu Hoch sprangen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, ist der STAR50-Index, der führende Technologie- und Halbleiterwerte abbildet, seit seinem Rekordhoch im Juli um rund 40 Prozent gefallen. Chinas CSI300-Index, der wichtigste Aktienindex für den Festlandmarkt in China fiel vom Höchstwert im Juni 2026 um 20 Prozent.

Wie weit die Bewertungen zuvor gestiegen waren, zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des STAR50-Index: In der Spitze lag er bei fast 250. Mittlerweile entspricht der Börsenwert noch ungefähr dem 100-Fachen der vergangenen Jahresgewinne. Trotz des kräftigen Rückgangs sind die Aktien damit weiterhin hoch bewertet.

Gut zu wissen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine der wichtigsten Kennzahlen zur Bewertung von Aktien. Es setzt den aktuellen Börsenkurs einer Aktie in ein Verhältnis zum Gewinn, den das Unternehmen pro Aktie erwirtschaftet.

Auch einzelne Unternehmen hat der Kurssturz hart getroffen. So hat sich der Aktienkurs des Roboterherstellers Unitree, dessen Börsengang im August noch 8.000-fach überzeichnet war, mittlerweile halbiert.

Bei den Chipentwicklern MetaX und Moore Threads waren die Aktien am ersten Handelstag im vergangenen Jahr um rund 700 beziehungsweise 400 Prozent gestiegen. Seit dem Sommer haben beide Unternehmen jedoch gut die Hälfte ihres Börsenwerts eingebüßt.

Ähnlich erging es Zulieferern wie Zhongji Innolight: Aus Sorge vor US-Sanktionen stürzten deren Aktienkurse von ihren Sommerhochs um rund 60 Prozent ab.

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Aktien im Westen korrigieren bisher nur

Während die Kurse chinesischer KI- und Halbleiteraktien in den vergangenen Monaten scharf eingebrochen sind, fällt die Korrektur bei US-Technologieaktien bislang deutlich moderater aus. Der Nasdaq Composite liegt über zwölf Monate betrachtet weiterhin rund 13 Prozent im Plus. Allerdings hat auch der US-Technologiemarkt zuletzt nachgegeben und liegt inzwischen unter seinem Anfang Oktober erreichten Hoch.

Im Nasdaq-100 finden sich zahlreiche Schwergewichte des KI-Booms, darunter Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta. Auch Nvidia und AMD profitieren von den hohen Investitionen in KI-Infrastruktur. Die Bewertungen unterscheiden sich allerdings erheblich von Unternehmen zu Unternehmen.

Wie stark die Halbleiterbranche zuletzt unter Druck geraten ist, zeigt der PHLX Semiconductor Sector Index (SOX). Zwar liegt der Index im Jahresvergleich weiterhin deutlich im Plus. Vom Rekordhoch im Juni bei rund 14.655 Punkten fiel er bis zum 22. Oktober jedoch auf zeitweise rund 10.700 Punkte – ein Rückgang von etwa 27 Prozent. Zum Handelsschluss am 26. Oktober stand er bei rund 11.142 Punkten.

Der Vergleich zeigt: Auch der US-amerikanische Technologiesektor ist nicht vor kräftigen Korrekturen gefeit. Ob daraus ein Absturz wird, hängt allerdings maßgeblich davon ab, ob die hohen Gewinnerwartungen und Investitionen in künstliche Intelligenz den Investoren langfristig gerechtfertigt erscheinen.


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Europa: Weniger KI-Euphorie

An Europa ist der KI-Boom an den Aktienmärkten bislang nahezu vorbeigegangen. Zwar profitieren auch hier Unternehmen wie der niederländische Chipausrüster ASML und der deutsche Softwarekonzern SAP von den Investitionen in künstliche Intelligenz. Anders als in den USA wird die Börsenentwicklung jedoch weniger stark von großen Technologiekonzernen dominiert.

Der Technologieindex STOXX Europe 600 Technology liegt im Jahresvergleich rund 10 Prozent im Plus. Die Bewertungen sind damit keineswegs niedrig: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis lag Ende September bei etwa 24.


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