Erst vergangene Woche hat Electronic Arts für ein echtes Erdbeben in der Rollenspiel-Welt gesorgt: Das Traditionsstudio BioWare wird geschlossen, das seit 2020 angekündigte nächste Mass Effect 5 gleich mit eingestampft. Während ein Großteil der Branche noch das Ende einer Ära betrauert, geht die Community in die Offensive – und fährt unter dem Banner »Save Mass Effect« schweres Geschütz auf.
Was als digitale Unterschriftensammlung im Netz begann, ist innerhalb weniger Tage zu einer handfesten Kampagne herangewachsen, die mittlerweile sogar auf einem der teuersten Werbeplätze der Welt zu sehen ist.
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Das nächste Mass Effect hat einen ersten Trailer
Über 226.000 Unterschriften für eine Zukunft mit oder ohne EA
Alles begann mit einer Petition auf Change.org, die der Nutzer Joe Smith ins Leben gerufen hat. Allein über das vergangene Wochenende schossen die Zahlen steil nach oben: Stand jetzt sind es bereits über 244.000 Unterschriften – Tendenz weiter steigend.
Die Forderung an Electronic Arts: Der Publisher solle sich verbindlich zur Weiterentwicklung der Reihe bekennen, inklusive ordentlicher Finanzierung, ausreichend Personal und genug Entwicklungszeit, um den gewohnten Standards der Marke gerecht zu werden. In der Petition heißt es dazu:
»Der Rückgang an zugewiesenen Ressourcen und die unklaren Entwicklungspläne von Electronic Arts drohen, diese beliebte Reihe zum Stillstand zu bringen und ihr unglaubliches Vermächtnis zu gefährden.«
Sollte EA selbst kein Interesse mehr daran haben, das Sci-Fi-Universum rund um die Normandy weiterzuführen, solle der Konzern die Marke schlicht an ein externes Studio lizenzieren, das der Vorlage gerecht werden kann.
Vom Times Square bis vor die EA-Haustür
Bei bloßen Klicks im Browser bleibt es allerdings nicht: Die Fan-Gruppierung »We Are Mass Effect« und die Content-Creatorin Kala Elizabeth haben sich zusammengetan und am gestrigen Montag kurzerhand eine digitale Werbetafel mitten auf dem New Yorker Times Square geschaltet. Dort lief den ganzen Tag über einmal pro Stunde ein 15-sekündiger Clip, der Passanten auf den Hashtag »#SaveMassEffect« aufmerksam machte:
Link zum Twitter-Inhalt
Auf der Anzeige prangte zudem der Schriftzug »Keelah Si'yah«: Im Universum von Mass Effect ist das der Name des quarianischen Arche-Schiffs, das verschiedene Spezies sicher in die Andromeda-Galaxie bringen sollte – im übertragenen Sinn bedeutet der Ausdruck so viel wie »Bei der Heimatwelt, die ich eines Tages sehen werde«.
Und das soll erst der Anfang gewesen sein: Gegenüber Eurogamer erklärte Mitorganisatorin Mer Mora per E-Mail, dass für den Rest des Jahres bereits mehrere weitere Aktionen in Arbeit sind:
»Abgesehen vom Times-Square-Billboard haben wir noch einige andere Initiativen in der Pipeline. Einen Werbe-Truck nahe EAs Hauptquartier in Redwood City sowie in Edmonton, eine mobile Werbetafel für den N7 Day und eine weitere in LA zu den Game Awards. Alle werden eine Botschaft zur Unterstützung von #SaveMassEffect tragen.«
Überschüssiges Geld geht an entlassene Entwickler
Finanziert werden soll der gesamte Protest komplett aus der eigenen Tasche der Fans. Wegen des großen Andrangs an Unterstützern, die sich finanziell beteiligen wollen, richtet die Gruppe aktuell eine GoFundMe-Kampagne ein.
Sympathisch: Falls dabei mehr Geld zusammenkommt als für die Werbeplätze und Trucks nötig ist, fließt der Überschuss in einen guten Zweck innerhalb der Branche. Jeder zusätzliche Dollar soll an den »Game Workers' Hardship Fund« gespendet werden, um entlassenen Entwicklerinnen und Entwicklern in den USA und Kanada unter die Arme zu greifen.
Ob sich Electronic Arts von Leuchtreklamen und Unterschriften tatsächlich umstimmen lässt, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Erst vergangene Woche hatte der Publisher in einem Schreiben an die Belegschaft klargemacht, wohin die Reise künftig gehen soll: Investiert wird vor allem in Sportspiele, Apex Legends, Battlefield sowie Action-Adventures wie das nächste Star Wars Jedi und Marvel's Iron Man.
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