Berlin plant Sicherheitskameras mit KI – sie sollen erkennen, wenn jemand »ohne Anlass« umhergeht

Die Stadt Berlin will die Videoüberwachung ausweiten. Künstliche Intelligenz soll vor dem Roten Rathaus und am Kottbusser Tor verdächtiges Verhalten erkennen – dazu zählt auch »anlassloses Umhergehen«.

Videoüberwachung in Berlin: Künstliche Intelligenz soll künftig Verhaltensmuster an Brennpunkten und vor dem Roten Rathaus analysieren. (Bildquelle: krzhck via Unsplash) Videoüberwachung in Berlin: Künstliche Intelligenz soll künftig Verhaltensmuster an Brennpunkten und vor dem Roten Rathaus analysieren. (Bildquelle: krzhck via Unsplash)

Die Berliner Polizei bereitet offenbar den großflächigen Einsatz KI-gestützter Videoüberwachung vor. Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel erklärten im Innenausschuss, dass Kameras mit automatisierter Verhaltensanalyse an mehreren Standorten installiert werden sollen (via TAZ).

Geplant ist der Einsatz vor dem Roten Rathaus, dem Abgeordnetenhaus und der Innenverwaltung am Alten Stadthaus. Später soll die Technik auch an »kriminalitätsbelasteten Orten« wie dem Kottbusser Tor und dem Görlitzer Park folgen.

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Vom Zaunüberstieg bis zum »anlasslosen Umhergehen«: Was die KI erkennen soll

Laut Polizeipräsidentin Slowik Meisel binden Objektschutzaufgaben derzeit rund 400 voll ausgebildete Beamte zusätzlich zum regulären Dienst. Dieser Zustand sei auf Dauer nicht tragbar, weshalb solche KI-Systeme zum Einsatz kommen sollen.

Diese sollen Kamerabilder in Echtzeit auswerten und bei definierten Szenarien Alarm schlagen. Laut der öffentlich einsehbaren Ausschreibung zählen dazu das Erkennen von Personen, die über Zäune klettern, gesperrte Bereiche betreten oder Gegenstände herrenlos zurücklassen.

Für Diskussionen sorgen indes weitere Formulierungen im Leistungsverzeichnis.

  • Die Technik soll auch »langes Verharren oder Umhergehen ohne Anlass« sowie »wiederholtes Erscheinen« detektieren.
  • Eine biometrische Identifizierung sei laut Polizei ausgeschlossen, alle Daten würden anonymisiert. Was als »anlassloses« Verhalten gilt, bleibt aber im Ermessen der Software.

Die maximal zulässige Fehlalarmrate liegt dabei bei 25 Prozent. Der Testbetrieb soll laut den Vergabedokumenten zudem primär dazu dienen, die KI-Verfahren zu verbessern.

Sechs Millionen Euro für zwei Projekte – zwei andere Städte testen schon

Für den Objektschutz veranschlagt die Polizei 2,1 Millionen Euro bei einem Jahr Laufzeit. Ein zweites Vergabeverfahren betrifft »kriminalitätsbelastete Orte«, die rund 3,9 Millionen Euro (auf zwei Jahre angelegt) zu Buche schlagen.

Am Kottbusser Tor soll die KI-Überwachung spätestens am 20. Juli starten, danach folgen Warschauer Brücke, Alexanderplatz und Görlitzer Park.

  • Die vom Fraunhofer IOSB entwickelte Software ist kein Unbekannter und in Mannheim seit 2018 sowie in Hamburg seit September 2025 im Einsatz.
  • In Mannheim werden die KI-Alarme laut Polizei nach wie vor hauptsächlich zur Weiterentwicklung genutzt. Ein Hamburger Forschungsprojekt weist hingegen auf problematische Auswirkungen hin (via Heise).

In Mannheim kommt eine solche KI-Überwachung schon seit Jahren zum Einsatz. In Mannheim kommt eine solche KI-Überwachung schon seit Jahren zum Einsatz.

Abgeordnete als »Versuchskaninchen«: Kommt die KI-Überwachung vor Gericht?

Innerhalb des Berliner Parlaments regt sich Widerstand gegen die Pläne.

»Dass die Polizei am Abgeordnetenhaus die KI-gestützte Videoüberwachung einführen will, ist ein Affront gegen das Parlament«, sagte etwa der Linken-Abgeordnete Niklas Schrader.

  • Man sei nicht gefragt worden, ob man »als Versuchskaninchen für die KI-Experimente der Polizei« sein will.
  • Linke und Grüne prüfen ein gemeinsames Normenkontrollverfahren gegen das im Dezember 2025 beschlossene Polizeigesetz.

Der Chaos Computer Club warnte hingegen, der öffentliche Raum werde zum Testfeld für Technologien, die alle Passanten unter Generalverdacht stellten. Der letzte KI-Versuch am Bahnhof Südkreuz sei »peinlich gescheitert«.

In Köln hat die Initiative »Kameras stoppen« zudem bereits erstinstanzliche Urteile gegen die Videoüberwachung erstritten – ob sich das auf Berlin übertragen lässt, bleibt aber offen.

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