Kopfhörer sind für viele Menschen zu täglichen Begleitern auf dem Weg ins Büro, auf Reisen und beim Sport geworden. Eine neue Studie hat nun allerdings in ausnahmslos allen getesteten Modellen gesundheitsgefährdende Substanzen nachgewiesen.
Chemikalien in jedem Modell
Die Studie wurde vom Projekt ToxFree LIFE for All, an dem unter anderem der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) beteiligt ist, durchgeführt. Untersucht wurden insgesamt 81 Kopfhörer von verschiedenen Herstellern, darunter In-Ears sowie On- und Over-Ears.
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Gesucht wurde dabei nach kurz- und mittelkettigen Chlorparaffinen, Phthalaten, halogenierten und phosphororganischen Flammschutzmitteln sowie Bisphenolen. Von besonderem Interesse sind dabei jene Teile, die direkten Kontakt mit der Haut haben.
Die Ergebnisse: In jedem einzelnen getesteten Produkt wurden gesundheitsgefährdende Substanzen in unterschiedlichen Mengen nachgewiesen. Bei knapp der Hälfte der getesteten Modelle raten die Verfasser der Studie von der Nutzung ab, da die Werte besonders hoch sind.
Bisphenol A (BPA) wurde dabei in 98 Prozent der Proben gefunden, Bisphenol S (BPS) in 75 Prozent. Modelle von Billig-Anbietern fielen massiv durch extrem hohe Phthalatwerte auf. Es sind aber auch bekannte Premium-Hersteller wie Bose, Samsung, Panasonic oder Sennheiser betroffen.
Worin besteht die Gefahr? Stoffe wie BPA und BPS wirken wie Östrogen im Körper. Mögliche Folgen sind Unfruchtbarkeit, Krebs oder eine verfrühte Pubertät bei Mädchen. Kopfhörer speziell für Kinder werden etwa über Temu teilweise sehr günstig vertrieben.
Das Hauptproblem ist der direkte Hautkontakt über lange Zeiträume. Körperwärme und Schweiß, besonders beim Sport, können die Migration der Chemikalien aus dem Plastik direkt in die Haut beschleunigen.
Die einzelnen Dosen sind dabei natürlich gering. Durch den täglichen Gebrauch über mehrere Jahre summiert sich die Belastung aber, was Folgen für die Gesundheit wahrscheinlicher macht.
Kopfhörer mit einem höheren Metallanteil und weniger Kunststoff schneiden in der Studie tendenziell besser ab. Die Schadstoffe stecken demnach fast ausschließlich in den Plastik- und Kunstlederkomponenten.
Wir haben bei Sennheiser, Bose und Samsung um ein Statement gebeten. Bis zur Veröffentlichung des Artikels haben wir lediglich von Sennheiser eine Antwort erhalten.
Bei Consumer Hearing [Sennheiser, Anm. d. Red.] stehen Produktqualität und Verbrauchervertrauen im Mittelpunkt unseres Handelns. Alle unsere Kopfhörer werden strengen Tests unterzogen, um sicherzustellen, dass die geltenden Sicherheits- und Qualitätsstandards erfüllt werden. Wir befolgen strenge Sorgfaltspflichten hinsichtlich aller in unseren Produkten verwendeten Chemikalien, und die Produktsicherheit wird regelmäßig durch akkreditierte, unabhängige Drittlabore überprüft.
Wir nehmen die aktuellen Medienberichte sehr ernst. Um ein umfassendes Verständnis der genannten Studienergebnisse zu gewährleisten, haben wir nun zusätzliche Tests durch ein unabhängiges externes Labor initiiert. Die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Verbraucher hatten und haben für uns höchste Priorität.
Sobald wir auch von Samsung und Bose Rückmeldung bekommen, werden wir den Artikel entsprechend aktualisieren.
In der Studie wird in jedem Fall empfohlen, Kopfhörer nach dem Sport gründlich zu reinigen und besonders bei Modellen für Kinder auf Testergebnisse zu achten.
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